Drei Gewinner und ein großer Verlierer: Die SPD hat mit Spitzenkandidat Olaf Scholz die Wahl in Hamburg klar gewonnen - auch wenn die Sozialdemokraten die absolute Mehrheit verpassen. Auch die FDP feiert, nämlich ihre Wiederauferstehung. Die AfD sieht sich ebenfalls als Sieger der Hamburg-Wahl. Die CDU erlebt hingegen ein Debakel.

Olaf Scholz ist der strahlende Gewinner des Wahlabends in Hamburg. Zwar hat die SPD etwas weniger Stimmen auf sich vereint als bei der letzten Bürgerschaftswahl und auch die absolute Mehrheit verpasst. Doch der amtierende Bürgermeister von Hamburg hat gezeigt, wie die im Bund so starke CDU zu schlagen ist. Nach Ansicht von Wahlforschern hat die SPD ihren Wahlsieg vor allem der Person Olaf Scholz und der hohen Wirtschaftskompetenz ihres Landesverbandes zu verdanken.

Ihr sei es gelungen "mit atypisch hoher Ökonomiekompetenz bis weit ins hanseatisch-wirtschaftsliberale Bürgertum" zu punkten, erläuterte die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen am Sonntagabend. Scholz bekommt Bestwerte bei Ansehen und Arbeit, erklärt die Forschungsgruppe. "Selbst außerhalb Hamburgs gibt beziehungsweise gab es nur rund eine Handvoll Länder-Regierungschefs mit noch besseren Noten." Beim Ansehen habe der SPD-Kandidat "überragende 2,7" von 5 möglichen Punkten erreicht.

"Olaf Scholz hat einen einmaligen Vertrauensbeweis für seine Politik und die der SPD bekommen", kommentierte Parteichef Sigmar Gabriel in Berlin das Wahlergebnis. Dann ergänzte er: "Manchmal wünschte man sich in der Politik, dass sich Leistung lohnt, und in Hamburg ist das so." Dennoch: Für eine Alleinregierung reicht es nicht, Scholz braucht einen Koalitionspartner. Die Grünen, die im Vergleich zur letzten Wahl etwas zulegen konnten und drittstärkste Kraft werden, stehen bereit.

Der zweite Gewinner des Abends ist die FDP

Sollten die Koalitionsverhandlungen mit den Grünen wider Erwarten doch scheitern, hat Scholz eine zweite Option: Eine Regierung mit dem zweiten großen Wahlsieger des Abends bilden: der FDP. Die Liberalen haben nach einer langen Serie von Niederlagen wieder einen Wahlerfolg gefeiert und bleiben klar in der Bürgerschaft. Laut Forschungsgruppe Wahlen war dafür vor allem Spitzenkandidatin Katja Suding verantwortlich. Laut Wahlforschern haben 59 Prozent die FDP wegen ihr gewählt.

Die 39-jährige PR-Expertin Suding krönte mit dem Ergebnis eine sensationelle Aufholjagd. Monatelang dümpelte die FDP an der Elbe in Umfragen bei zwei Prozent, jetzt konnte sie ihr Ergebnis von 2011 (6,7 Prozent) noch toppen. Auch der schleswig-holsteinische FDP-Fraktionsvorsitzende und stellvertretende FDP-Chef im Bund, Wolfgang Kubicki, lobt ihre Rolle im Wahlkampf. Er betonte aber auch, dass das Ergebnis ein "Vertrauensbeweis für die neue Bundesführung" sei.

Gemeint ist damit vor allem die Arbeit von Christian Lindner, der monatelang durchs Land getingelt war, der Basis zuhörte und eigene Fehler aus schwarz-gelben Zeiten zugab. Er schärfte das Parteiprofil, beriet sich mit Werbeprofis. Die neue FDP ist nicht viel anders als die alte, wirkt aber zumindest am Wahlabend bodenständig. "Die Freude und die Erleichterung ist groß, aber wir bleiben auf dem Teppich", sagt Lindner. "Wir wissen, wir sind noch nicht am Ziel, aber der heutige Tag hat gezeigt, wir sind auf dem richtigen Weg."

AfD sieht sich als Sieger - CDU so schwach wie nie

Zum ersten Mal ziehen in die Hamburger Bürgerschaft sechs Parteien ein. Relativ knapp hat es auch für die Alternative für Deutschland (AfD) gereicht. Die AfD stellt die kleinste Fraktion hinter der FDP und der Linkspartei. Im Vergleich zur Europawahl oder den Landtagswahlen in Brandenburg, Thüringen und Sachsen hat die AfD stimmenmäßig einen Dämpfer erlitten. Doch das stört Spitzenkandidat Jörn Kruse am Wahlabend nicht: "Wenn wir es jetzt in Hamburg geschafft haben und in Bremen (dort finden die Wahlen am 10 Mai statt, Anm. der Redaktion), dann schaffen wir es überall - einschließlich Bundestag."

Der emeritierte Wirtschaftsprofessor hatte auch eine Erklärung parat, warum die erst 2013 gegründete AfD klar hinter den Erfolgen der vergangenen vier Wahlen blieb. Hamburg und Bremen seien als sozialdemokratisch geprägte Stadtstaaten mit einem festgefügten Parteienspektrum "die schwerstmöglichen Länder", die es für die AfD gebe. Auch Parteichef Bernd Lucke wollte das Hamburger Ergebnis nicht als Rückschlag werten. Vielmehr gelte: "Jetzt haben wir auch gezeigt, dass wir in einer liberalen, weltoffenen Großstadt wie Hamburg erfolgreich sein können."

Der Verlierer des Abends heißt CDU. Mit nicht ganz 16 Prozent fuhr die Union das schlechteste Hamburg-Ergebnis aller Zeiten ein. In Berlin wird das Ergebnis erst einmal nicht ausführlich kommentiert. Viel zu sagen - außer dass die CDU erneut in einer Großstadt nicht punkten konnte - gibt es wohl auch nicht.

Mit Material der dpa