Die Bundesregierung erhöht den Druck auf Venezuelas umstrittenen Präsidenten Maduro. Er soll den Weg für Neuwahlen frei machen. Anderenfalls werde Deutschland Maduros Gegenspieler Juan Guaidó als Staatschef anerkennen.

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Die Bundesregierung erwägt die Anerkennung von Venezuelas Parlamentspräsidenten Juan Guaidó als neuem Staatschef, wenn es nicht umgehend zu fairen und freien Wahlen kommen wird. Das sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin.

Präsident Nicolás Maduro könne nicht beanspruchen, der legitime Präsident des südamerikanischen Landes zu sein, da die letzte Wahl nicht demokratischen Standards genügt habe. "Venezuela braucht jetzt freie und faire Wahlen."

Seifert: "Lage bereitet uns Sorgen"

Weiter sagte Seifert: "Die Lage in Venezuela bereitet uns natürlich große Sorgen. Der Ruf von Millionen in Venezuela nach Demokratie, nach der Möglichkeit, das Schicksal ihres Landes in freien und fairen Wahlen zu bestimmen, darf nicht länger ignoriert werden."

Die Bundesregierung habe ebenso wie die europäischen Partner wiederholt deutlich gemacht, dass Nicolás Maduro die Macht auf Grundlage von Wahlen für sich beanspruche, die internationalen demokratischen Standards nicht ansatzweise entsprächen. "Er kann daher nicht der legitime Führer Venezuelas sein". Der Nationalversammlung komme unter der Führung von Juan Guaidó eine besondere Rolle zu, sagte Seibert.

Der 35-jährige Guaidó hatte sich nach der Amtseinführung des unter zweifelhaften Bedingungen wiedergewählten Maduro selbst zum Übergangsstaatschef erklärt und Maduro die Legitimation abgesprochen. Guaidò berief sich dabei auf die Verfassung.

Militär steht (noch) hinter Maduro

Das Land mit den größten Ölreserven der Welt befindet sich seit mehreren Jahren in einer dramatischen Krise, die Geldentwertung ist die höchste der Welt, über drei Millionen Menschen haben das Land bereits verlassen.

Zahlreiche andere Staaten, darunter die USA und viele lateinamerikanische Staaten haben Guaidó bereits anerkannt als Präsidenten. Maduro hatte das Parlament 2016 entmachten lassen, die Opposition hatte zuvor 2015 die Wahlen deutlich gewonnen.

Auch die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini rief zuletzt zu "freien und glaubwürdigen Wahlen" in Venezuela auf und sagte dem von der Opposition geführten Parlament die Unterstützung der Europäischen Union zu. Maduro hingegen kann auf die Unterstützung des mächtigen Militärs sowie seiner Verbündeten Russland, Iran, Türkei, Kuba, Bolivien und Nicaragua zählen.

Zu den USA hat Maduro die diplomatischen Beziehungen abgebrochen, immer wieder unterstellt er US-Präsident Donald Trump Invasionspläne. (dpa/mcf)

Obwohl Venezuela weltweit die größten Erdölvorkommen hat, ist das Land von Korruption und Misswirtschaft geprägt. Seit der bolivarischen Revolution hat Hugo Chávez das Land in ein immer tieferes Chaos gestürzt. Am 10. Januar tritt Nachfolger Nicolás Maduro seine zweite Amtszeit an. Ist Besserung in Sicht?