Bei seinem ersten Auftritt als Bewerber um die US-Präsidentschaft wurde deutlich, mit welcher Strategie Joe Biden gegen Donald Trump gewinnen will. Bei seinen Anhängern scheint er den richtigen Nerv zu treffen. Der US-Präsident hingegen feixt.

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Zum ersten Mal hat sich Joe Biden am Montag als frisch gebackener Bewerber um die US-Präsidentschaft einem größeren Publikum präsentiert. In Pittsburgh, Pennsylvania, trat der Demokrat vor 400 Männer und Frauen auf. Alle jubelten sie ihm zu.

Geht es nach dem Willen der Feuerwehrleute, Krankenschwestern und Lehrer, die ins örtliche Gewerkschaftshaus gekommen sind, soll Biden den regierenden Republikaner Donald Trump aus dem Weißen Haus vertreiben. "USA, USA, USA", riefen sie laut.

Der 76-Jährige, der bereits zwei mal erfolglos versucht hat, US-Präsident zu werden, wählte den Ort seines Wahlkampfauftakts - natürlich - mit Bedacht. Pennsylvania ist nicht irgendein Bundesstaat. Pennsylvania war, bis 2016 Donald Trump kam, eine demokratische Hochburg.

Pittsburgh, ehemalige Industriestadt und Sinnbild der amerikanischen Mittelklasse, sei "das Rückgrat der Nation", sagte Biden am Montag. Wenn er es schaffe, Donald Trump 2020 zu schlagen, "dann wird es hier passieren".

Joe Biden in Umfragen vor anderen Bewerbern

Im kommenden Jahr wird in den USA ein neuer Präsident gewählt. Für die Demokraten sind 20 Bewerber im Rennen. Experten glauben, dass Biden die besten Chancen hat. Laut einer Umfrage, welche die Nachrichtenagentur Reuters und das Meinungsforschungsinstituts Ipsos unter Demokraten und unabhängigen Wählern durchgeführt haben, würden derzeit 24 Prozent für ihn stimmen. Kein anderer Kandidat erreicht einen vergleichbaren Wert.

Seit Bekanntgabe seiner Bewerbung hat Biden bereits 6,3 Millionen Dollar an Spendengeldern eingesammelt, mehr als die Konkurrenz.

Er bezeichnet sich selbst als "Mann der Gewerkschaften". Kurz vor seinem Pittsburgh-Auftritt hatte sich die mächtige Gewerkschaft der Feuerwehrleute hinter den früheren Vizepräsidenten von Barack Obama gestellt. Vor den jubelnden Menschen erklärte Biden, warum er der richtige Mann im Kampf gegen Trump sei.

"Die Seele der Nation wiederherstellen"

Der 76-Jährige ist noch immer ein guter Redner. Er riss den Saal mit. Er sagte, er habe drei Gründe, sich um das höchste Staatsamt zu bewerben. Er wolle "die Seele der Nation wiederherstellen", das "Rückgrat der Nation wieder aufbauen" und "die Nation einen".

Trump hingegen sei ein Präsident, der sich entschieden habe, "nicht das gesamte Land zu repräsentieren". "Wir brauchen einen Präsidenten, der für das ganze Land arbeitet, nicht nur für seine Basis", sagte Biden. "Wir wollen Wahrheit, keine Lügen. Wir wollen Einigkeit, keine Spaltung."

Sich als Versöhner zu präsentieren scheint ein zentraler Punkt in Bidens Wahlkampfstrategie zu sein. Darüber hinaus warb er mit seiner politischen Erfahrung.

Immer wieder griff Biden Trump an. Er verurteile die Steuersenkungen des Republikaners, die nur den Reichen und Großunternehmen nützten. Im Gegenzug warb er für einen Mindestlohn von umgerechnet etwa 13 Euro pro Stunde sowie eine günstige Krankenversicherung.

Donald Trump kontert auf Twitter

Trump zeigte sich auf Twitter wenig beeindruckt vom Wahlkampfauftritt Bidens, den er "verschlafener Joe" nannte.

"Die Arbeitslosenquote in Pittsburgh ist auf dem tiefsten Stand seit den frühen 1970er Jahren", schrieb der US-Präsident. Die Wirtschaft des Landes sei in jeder Hinsicht besser denn je. (msc/dpa)

Verwendete Quellen:

  • "Süddeutsche Zeitung" vom 30. April: "Biden greift Trump aus dem Rostgürtel an"
  • "Spiegel Online" vom 30. April: "Diesmal will Joe Biden alles richtig machen"
  • "FAZ" vom 25.4.2019: "Kandidat aus Notwehr"
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