Wenn es darum geht, nationale Interessen zu schützen, verbünden sich die USA im Zweifel auch mit ihren Feinden. Zur Bekämpfung des Islamischen Staats will US-Präsident Obama nicht nur mit dem iranischen Regime zusammenarbeiten. Auch wirtschaftlich wollen sich die USA besser gegen die Islamisten wappnen. Doch es bleiben Zweifel, ob die neue Strategie auch funktioniert.

Wie das "Wall Street Journal" berichtet, soll Präsident Barack Obama vergangenen Monat einen geheimen Brief an Irans obersten Führer, Ajatollah Ali Khamenei, geschickt haben. Laut Insidern, auf die sich die Zeitung bezieht, betonte Obama darin das gemeinsame Interesse der USA und des Iran, gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vorzugehen. Allerdings hänge eine Zusammenarbeit von der Bereitschaft Irans ab, sich bis Ende November auf ein Atomprogramm festzulegen, dem die internationale Gemeinschaft zustimmen könne.

Es ist der bereits vierte Versuch Obamas, mit der iranischen Führung in Kontakt zu kommen. Offiziell gibt es keine diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern. Josh Earnest, der Sprecher der Weißen Hauses, dämpfte jedoch etwaige Erwartungen an eine Annäherung der Erzfeinde und nannte den Brief lediglich eine "private Korrespondenz" des Präsidenten, zu dem es nichts weiter zu sagen gebe. Earnest verwies weiter darauf, dass die politische Haltung der USA gegenüber dem Iran unverändert bleibe. Eine militärische Kooperation werde es im Fall des IS nicht geben.

Die Terrormiliz Islamischer Staat hat offenbar ein Erdöl-Problem. Einem Medienbericht zufolge, verdient der IS weit weniger mit Erdöl als gedacht. Zudem bahnt sich ein neues Bündnis gegen die Islamisten an: Obama soll mit dem Iran eine Zusammenarbeit planen.

Keine Waffen an den Iran

Lora Viola, Juniorprofessorin für Außen- und Sicherheitspolitik am John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien in Berlin, kann sich dagegen vorstellen, dass zumindest eine beschränkte Informationsweitergabe möglich ist. "Der Iran kämpft schon viel länger gegen den IS. Er hat Akteure infiltriert und versteht deshalb besser, wie der Konflikt aussieht", sagt Viola. Bei einer Kooperation zwischen beiden Staaten könne es nur darum gehen, Angriffe besser zu koordinieren und den IS so an zwei Fronten anzugreifen. Waffenlieferungen an den Iran, da ist sich auch die Expertin sicher, kämen für die USA nicht in Frage. "Das ist ausgeschlossen."

Ob sich Teheran auf eine derartige Zusammenarbeit einlassen wird, ist fragwürdig. Der iranische Anti-Amerikanismus gehört im Iran schon seit Jahrzehnten zur Staatsräson. Andererseits ist das Regime unmittelbar durch die Dschihadisten im Nachbarland Irak bedroht, was ein abgestimmtes Vorgehen nicht nur sinnvoll, sondern auch wahrscheinlicher macht. "Es ist zu vermuten, dass der Iran und die USA indirekt miteinander zu tun haben werden", sagt USA-Expertin Viola.

Zwischen 780 und 930 Millionen US-Dollar sollen die USA bis Ende September im Kampf gegen IS ausgegeben haben. Zu diesem Schluss kam das Zentrum für Strategie- und Finanzplanung (CSBA). Weiter geht der Washingtoner Think Tank CSBA davon aus, dass sich die Kosten für die Fortsetzung der Luftschläge bei gleichzeitigem Einsatz von 2.000 Streitkräften pro Monat künftig auf bis zu 320 Millionen US-Dollar belaufen könnten.

Milliarden gegen den IS

Aktuell sind 1.500 US-Soldaten im Irak im Einsatz. Das US-Verteidigungsministerium teilte nun mit, dass in den kommenden Monaten bis zu 1.500 weitere Soldaten ins Land geschickt werden sollen, um die irakischen Sicherheitskräfte zu beraten und auszubilden. An Kampfeinsätzen sollen sie aber weiterhin nicht teilnehmen.

Dieses "moderate" Engagement würde den US-Haushalt um jährlich fast vier Milliarden belasten. Realistisch seien jedoch noch weit höhere Kosten, so die Wissenschaftler. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums will Obama den Kongress deshalb jetzt schon um weitere 3,2 Milliarden Dollar zur Finanzierung der Luftangriffe auf den IS bitten.

Doch damit nicht genug. Auch wirtschaftspolitisch hat sich die Obama-Regierung entschlossen, gegen den IS aktiv zu werden. Experten schätzen, dass die Islamisten täglich nur rund 80.000 Tonnen Rohöl fördern können. Das macht ungefähr ein Tausendstel der weltweiten Nachfrage aus, reicht der Terrormiliz aber, um sich mit billigen Preisen über den internationalen Schwarzmarkt zu finanzieren.

Die USA haben inzwischen ihre Rohölimporte weiter reduziert. Im US-Energieministerium heißt es, man verfüge dank großer Reserven an Schieferöl über genug eigenes Öl und sei sogar in der Lage, bald selbst Öl zu exportieren.

Es liegt an Saudi-Arabien

Um Machtverschiebungen auf dem regulären Rohölmarkt durch das illegal erbeutete Öl des IS zu verhindern, müssten allerdings nicht nur die USA, sondern auch einer ihrer Verbündeten handeln. Saudi-Arabien wäre in der Lage, den Ölpreis noch einmal zu senken, sagte etwa der Politologe Paul Stevens vom britischen Think Tank Chatham House der "Deutschen Welle". Das würde sowohl dem IS als auch Iran, dem erklärten Widersacher Saudia-Arabiens, schaden, "da beide auf sofortige Einkünfte angewiesen sind."

Für Saudi-Arabien hätte ein solcher Schritt noch einen weiteren Vorteil: Je größer das Engagement der Scheichs an der Seite der USA ist, desto eher lässt sich deren Hinwendung zum Iran abwenden.

Ob das alleine reichen wird, um den IS zumindest finanziell auszutrocknen, darf bezweifelt werden. Neben Erdölerlösen, Schutz- und Lösegeldern leben die Dschihadisten nämlich vor allem von der helfenden Hand williger Förderer aus Saudi-Arabien und Katar. Erst wenn die Waffen- und Geldströme in die Kriegsgebiete eingedämmt werden können, wird der Kampf gegen die islamistische Terrormiliz nicht vergeblich sein.