Die US-Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumprodukte sind in Kraft. Beim G7-Treffen der Finanzminister in Kanada hat nun der deutsche Finanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz das Gespräch mit dem US-Finanzminister Steven Mnuchin gesucht. Bereits zuvor hat er den Ton gegenüber den USA verschärft - und eine EU-Reaktion angekündigt.

Die von den USA verhängten Schutzzölle auf Stahl- und Aluminiumprodukte aus der EU und Kanada sind in Kraft - verleihen dem G7-Treffen der Finanzminister im kanadischen Whistler zusätzliche Brisanz.

Scholz: Es geht um die Souveränität Europas

"Das ist kein guter Tag für die transatlantischen Beziehungen", sagte der deutsche Finanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) nach der Ankunft.

Er suchte sofort das Gespräch mit US-Finanzminister Steven Mnuchin.

Dabei sei es zu einer "offenen und ehrlichen" Aussprache gekommen. Der Finanzminister habe deutlich gemacht, dass es um die Souveränität Europas und um eine Frage des Respekts gehe, hieß es nach der 40-minütigen Unterredung aus Regierungskreisen. Beide hätten die Sorge vor einer weiteren Eskalation geteilt.

Olaf Scholz: EU wird stark reagieren

Vor dem Treffen hatte Scholz gesagt: "Die Europäische Union wird jetzt stark reagieren und auch klug."

"Die (Europäische) Kommission hat vorbereitet, dass es Reaktionen geben wird, die allerdings entsprechend der internationalen Regeln ins Werk gesetzt werden und mit den notwendigen Fristen", betonte er.

"Die Entscheidung der amerikanischen Regierung einseitig Strafzölle zu verhängen, ist falsch", kritisierte Scholz. "Sie ist aus meiner Sicht auch rechtswidrig, denn wir haben klare Regeln, wie international über Zölle entschieden wird. Und das ist ein Bruch mit diesen Regeln."

Man müsse ganz klar sagen, "dass der Hinweis darauf, dass es sich hier um nationale Sicherheit handelt, ziemlich fadenscheinig ist". Wichtig sei, dass die EU sich untereinander und auch mit den internationalen Partnern weiter gut abspreche.

Macron wird deutlich

Auch der der französische Staatspräsident Emmanuel Macron hat eine entschlossene Antwort der Europäer angekündigt. Die Entscheidung für Strafzölle sei illegal und ein Fehler. Das sagte Macron laut der französischen Nachrichtenagentur AFP in der Nacht zum Freitag direkt zu Trump in einem Telefonat.

Der französische Präsident hatte die Entscheidung Trumps bereits am Donnerstag mit deutlichen Worten kritisiert.

"Der wirtschaftliche Nationalismus führt zum Krieg", sagte Macron. "Das ist genau das, was in den 1930er Jahren passiert ist."

Diese US-Produkte könnten betroffen sein

Bereits am Donnerstag kurz nach Bekanntwerden der Einführung der Zölle hat EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker Vergeltungszölle angekündigt.

Brüssel hatte schon vor einiger Zeit Pläne vorgestellt, wonach als Reaktion Zölle auf US-Produkte wie Motorräder, Whiskey, Erdnussbutter, Jeans oder Tabakprodukte erheben werden könnten.

Auch amerikanische Stahlerzeugnisse, Schiffe und Boote wären betroffen. Der Zusatzzollsatz würde 25 Prozent betragen. Es wird mit Vergeltungszöllen der EU ab Ende Juni gerechnet.

Die EU-Kommission will zudem Klage bei der Welthandelsorganisation WTO einreichen.

US-Zölle sind jetzt in Kraft

Die von den USA verhängten Strafzölle auf Einfuhren von Stahl und Aluminium aus der EU sind in Kraft getreten. Auf die Importe werden nun Zölle in Höhe von 25 Prozent bei Stahl und zehn Prozent bei Aluminium fällig.

Gleiches gilt für Einfuhren aus Mexiko und Kanada - dem größten Stahllieferanten der USA. US-Präsident Donald Trump hatte am Donnerstag eine entsprechende Proklamation vorgelegt.

Die Zölle werden in Europa sowie in Kanada und Mexiko als ungerechtfertigt angesehen. Die Bundesregierung hält sie nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Seibert gar für rechtswidrig.

Kanadas Premierminister Justin Trudeau nannte die Maßnahmen "völlig unakzeptabel". Mexiko kündigte ebenso wie die EU-Kommission Vergeltungszölle auf US-Waren an.

Mit der Entscheidung von Trump stehen in der G7-Gruppe der sieben wichtigsten westlichen Industrienationen nun sechs Staaten gegen einen - die anderen Mitglieder Deutschland, Japan, Italien, Frankreich, Großbritannien und Kanada bekennen sich zum freien und fairen Handel ohne Strafzölle zwischen den Partnern. (cai/dpa)