Erneut Ärger für Donald Trump: Die E-Mail-Affäre um seine Tochter Ivanka setzt den US-Präsidenten unter Druck und wirft brisante Fragen auf. Parallelen zum Fall Hillary Clinton, die Trump wegen deren Nutzung eines privaten Mail-Kontos für dienstliche Belange am liebsten ins Gefängnis werfen würde, wischt er beiseite.

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US-Präsident Donald Trump hat seine Tochter Ivanka nach deren Verstößen gegen die E-Mail-Vorgaben des Weißen Hauses in Schutz genommen.

Sie hatte zum Start ihrer Zeit als Beraterin im Weißen Haus zum Teil dienstliche Mails von einem privaten Mail-Konto verschickt - was gegen Regeln in der Regierungszentrale ist.

Der Präsident sagte dazu am Dienstagnachmittag (Ortszeit) in Washington, diese Mails seien nicht als vertraulich eingestuft gewesen. Seine Tochter habe auch keine Mails gelöscht oder versucht, diese nachträglich zu verbergen. Außerdem habe sie keinen eigenen Mail-Server benutzt. Das alles sei daher keineswegs zu vergleichen mit den Verstößen seiner Konkurrentin im Präsidentschaftsrennen 2016, Hillary Clinton.

Hunderte dienstliche E-Mails von privatem Mail-Konto verschickt

Die "Washington Post" hatte am Montag berichtet, Ivanka Trump habe in ihrer Anfangszeit im Weißen Haus Hunderte dienstliche E-Mails von einem privaten Mailkonto aus verschickt - und damit in vielen Fällen gegen Vorgaben der Regierungszentrale verstoßen.

Die Zeitung zitierte den Sprecher des Anwalts von Ivanka Trump, Peter Mirijanian, der die teilweise Nutzung des privaten Kontos einräumte. Dies sei geschehen, bevor Ivanka Trump über die Regeln zum Umgang mit E-Mails informiert worden sei. Er versicherte, keine Mails hätten vertraulich eingestufte Informationen enthalten, und betonte, Ivanka Trump habe bereits vor Monaten alle offiziellen Mails von dem privaten Account an das Weiße Haus übergeben, damit sie dort archiviert würden.

Fall für Donald Trump besonders heikel

Donald Trump hatte seine Tochter Ivanka als Beraterin ins Weiße Haus mitgebracht, ebenso wie deren Ehemann Jared Kushner. Der Umgang seiner Tochter mit E-Mails ist für Trump besonders heikel, da er Clinton wegen deren Nutzung eines privaten Mail-Kontos für dienstliche Belange schwerste Vorwürfe gemacht hatte.

Clinton hatte in ihrer Zeit als US-Außenministerin bis 2013 offizielle E-Mails über einen privaten und nicht gesicherten Server verschickt. Das FBI ermittelte deswegen, kam aber im Sommer 2016 zu dem Schluss, dass die Demokratin sich nicht strafbar gemacht hatte.

Trump führte Clintons E-Mail-Affäre dennoch als Beleg dafür an, dass die Demokratin "sowohl inkompetent als auch eine Lügnerin ist". Der Präsident bezeichnet Clinton bis heute als "Crooked Hillary" (in etwa: korrupte Hillary). Bei Auftritten Trumps stimmen seine Anhänger oft in Sprechchöre ein, mit denen sie Clintons Inhaftierung fordern - wegen des E-Mail-Skandals.

Parallelen zu Clinton-Fall "Fake News"

Kritiker halten die Begründung, derzufolge Ivanka Trump die Regeln nicht gekannt habe, für unglaubwürdig. Schließlich sei die Nutzung eines privaten Accounts durch Clinton für Trump der zentrale Angriffspunkt im Wahlkampf 2016 gewesen.

Der Republikaner wies vehement zurück, dass es irgendwelche Parallelen zwischen den Fällen von Clinton und seiner Tochter gebe, und bezeichnete solche Einschätzungen als Falschmeldungen: "Das sind alles Fake News", sagte er.

Bereits im vergangenen Jahr hatte es Berichte gegeben, wonach mehrere Berater des Präsidenten private E-Mail-Konten nutzten, um Angelegenheiten des Weißen Hauses zu diskutieren - darunter Ivanka Trump und Kushner. Regierungsmitarbeiter hätten die Nutzung der privaten Konten aber als sporadisch beschrieben, hieß es damals. (szu/dpa)

Im Streit mit dem CNN-Reporter Jim Acosta hat das Weiße Haus nachgegeben - notgedrungen. Aber in Zukunft will die Regierungszentrale von US-Präsident Donald Trump strengere Saiten gegenüber Journalisten aufziehen. Das sorgt für Unmut.

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