Sein Kandidat Roy Moore hochumstritten, die Partei gespalten: In der Nachwahl zum US-Senat in Alabama geht es auch um Donald Trumps politisches Schicksal.

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Donald Trump hat vielfach via Twitter zur Wahl seines Kandidaten aufgerufen. Er hat ihn in Interviews und bei großen Auftritten überschwänglich gelobt. Er hat wirklich fast alles versucht, damit er gewinnt. Wird es am Ende reichen?

Heute entscheiden die Wähler in Alabama, wer sie künftig im US-Senat in Washington vertreten soll: der Republikaner Roy Moore oder der Demokrat Doug Jones. Normalerweise würde eine solche regionale Wahl nicht allzu viel Beachtung finden.

Doch Donald Trump hat sich mit der klaren Unterstützung für Moore auf eine riskante Wette eingelassen: Entweder wird die Wahl für ihn ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Festigung seiner Macht in Washington. Oder das genaue Gegenteil kommt dabei heraus, ein möglicher Anfang vom Ende dieser Präsidentschaft – ein "totales Desaster", um es einmal mit Trumps Worten zu sagen.

Trumps Kandidat Moore will auf einem Pferd zum Wahllokal reiten, das ist wahrscheinlich noch das Normalste, was sich über diese Wahl sagen lässt.

Alabama ist traditionell ein Staat, in dem rot, also republikanisch, gewählt wird. Trump gewann hier bei der Präsidentschaftswahl mit einem Abstand von fast 30 Prozentpunkten gegen Hillary Clinton.

Doch diesmal ist die Sache womöglich weniger eindeutig, die Demoskopen sagen mal ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraus, mal einen Vorsprung für Jones, mal für Moore. Alles ist möglich. Das macht die Sache doppelt spannend.

Warum ist die Wahl für Trump so wichtig?

Zunächst ist da ein einfacher Grund für Trumps Engagement für Moore: Die Republikaner haben nur eine knappe Mehrheit von 52 Stimmen im 100 Sitze umfassenden US-Senat.

Bleibt Alabama republikanisch, kann Trump einigermaßen sicher sein, dass seine Steuerreform vor Weihnachten verabschiedet wird. Es wäre ein großer Erfolg für ihn.

Auch die Umsetzung anderer Vorhaben wie etwa der Bau der Mauer zu Mexiko würden wahrscheinlicher.

Verlieren die Republikaner Alabama, schmilzt die Mehrheit. Das bedeutet nicht, dass Trumps Pläne im Senat scheitern müssen, doch alle wichtigen Abstimmungen wären noch brenzliger.

Deshalb stellt Trump dieses funktionale Argument im Wahlkampf für Moore besonders heraus.

Welche Rolle spielt das Thema sexuelle Belästigung?

Es geht bei dieser Wahl auch um die politische Kultur in den USA. Roy Moore wird seit Wochen von etlichen Frauen glaubhaft beschuldigt, sie als Teenager sexuell belästigt zu haben. Doch Moore und Trump scheint das nicht zu kümmern.

Während andere Politiker wegen ähnlicher Vorwürfe zurücktreten, hält Moore dagegen.

Er spricht von Fake News, diffamiert die Frauen als Teil einer linken Verschwörung. Er kopiert diese Taktiken von Trump, der ähnliche Vorwürfe seit dem letzten Wahlkampf als "Lügen" abtut.

Gewinnt Moore, wäre dies die Bestätigung, dass diese trumpschen Methoden zumindest bei Teilen der Wählerschaft immer noch funktionieren.

Verliert Moore, wäre dies ein Indiz dafür, dass viele Wähler eben doch nicht mehr alles durchgehen lassen.

Das müsste auch Trump als klares Alarmsignal sehen. Die Vorwürfe gegen ihn werden gerade wieder intensiv diskutiert.

Warum ist die Wahl für die Republikaner so wichtig?

In Alabama geht es zugleich um die Frage, welche Richtung Trumps Partei, die Republikaner, in den kommenden Jahren einschlagen.

Werden sich eher radikale Kräfte wie Moore durchsetzen? Oder haben die Moderaten noch eine Chance?

Moore ist ein geradezu fanatischer evangelikaler Christ mit extremen Ansichten. Erst in der vorigen Woche erklärte er indirekt, die letzte große Zeit Amerikas sei die Ära der Sklaverei gewesen.

Er hält Homosexualität für ein Verbrechen, stellt Gottes zehn Gebote über die Verfassung und glaubt, die Anschläge am 11. September seien eine "göttliche Strafe" gewesen.

Moore wird von Trumps früherem Chefberater Steve Bannon unterstützt. Bannon hofft, im kommenden Jahr möglichst viele radikal-rechte Kandidaten in den US-Kongress wählen lassen zu können.

Sie sollen dort helfen, Trumps Agenda durchzusetzen - gegen die moderaten Republikaner des "Washingtoner Establishments".

Etliche Senatoren der Republikaner sind gegen Moore, wegen seiner Ansichten, aber auch wegen der Vorwürfe der sexuellen Belästigung.

Trump hat seine Partei trotzdem dazu gezwungen, Moore zu unterstützen. Gewinnt dieser, dürften sich die Radikalen gestärkt fühlen.

Verliert er, könnten moderate Republikaner wie Mitch McConnell Trump zu einer Kurswende zwingen - hin zu einer gemäßigteren Agenda.

Künftig könnte die Partei zudem weniger gewillt sein, Trumps taktischen Vorgaben zu folgen. Seine Autorität als oberster und bester Wahlkämpfer der Partei würde Schaden erleiden.

Was erhoffen sich die Demokraten?

Die oppositionellen Demokraten erhoffen sich von einem möglichen Sieg ihres Kandidaten Jones im konservativen Alabama Rückenwind für die Kongresswahlen im kommenden Jahr.

Ein geschwächter Trump wäre für sie ein Geschenk, der Kampfgeist der eigenen Truppen wäre automatisch gestärkt.

Die Demokraten hoffen aber selbst im Fall einer Niederlage ihres Kandidaten auf Vorteile: Sollte Trumps Partei nach einem Sieg der Achse Moore-Bannon immer radikaler werden, könnte dies den Demokraten neue Wählergruppen aus dem Lager der moderaten Republikaner erschließen.

Zudem könnten sie Moores Einzug in den Senat nutzen, um die Republikaner verstärkt als "Partei der sexuellen Belästigung" zu brandmarken.

Moore und Trump könnten sie dann als Beispiele dafür präsentieren, dass die Republikaner das Thema nicht ernst nehmen.

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