Donald Trump hatte in Alabama bei der Präsidentenwahl 2016 noch 62 Prozent geholt. Der von ihm für den Senat ins Rennen geschickte Kandidat Roy Moore musste die Republikaner-Hochburg an den Demokraten Doug Jones überraschend verloren geben. Die Stöße des politischen Erdbebens sind weiter über den Südstaat hinaus zu spüren.

Es ist die wohl größte Schlappe für US-Präsident Donald Trump in seiner bisherigen Amtszeit: Sein Mann für den Senat, der hochumstrittene Richter Roy Moore, hat für die US-Republikaner eine ihrer Festungen hergeben müssen.

Strategie geht gründlich schief

Unterstützt vom Präsidenten höchstselbst und von dessen inzwischen extern wirkendem Scharfmacher Steve Bannon, hatte Moore in der vermeintlich sicheren Konservativen-Hochburg Alabama versucht, ein Exempel zu statuieren.

Moore wollte die gegnerischen Demokraten nur nebenbei schlagen, hauptsächlich aber das Partei-Establishment um Senats-Fraktionschef Mitch McConnell mit einer erfolgreichen Kandidatur schwächen.

Das ging so schief für die Republikaner, wie es nur schiefgehen konnte. Das Referendum über den Trumpschen Politikansatz ging verloren, dazu noch ein eigentlich nicht zu verlierender Senatssitz.

Fast noch schlimmer dürfte für den Machtmenschen Trump das Kleingedruckte der Meinungsforscher wiegen.

Wähler verpassen Trump Denkzettel

In Nachwahlbefragungen fanden sie bei den Wählern von Alabama unabhängig von der eigentlichen Abstimmung heraus, dass Trumps Zustimmungswerte in dem Bundesstaat bei gerade einmal noch 48 Prozent liegen – verheerend.

Vor einem Jahr hatte Trump den Bundesstaat noch mit fliegenden Fahnen und 62 Prozent der Stimmen geholt. Trumps unverrückbare Anhängerschaft scheint zumindest in einigen Regionen kleiner zu sein, als die Scharen von Claqueuren bei seinen öffentlichen Auftritten vermuten lassen.

Der Republikaner Josh Holmes, ein Vertrauter von Senats-Fraktionschef McConnell, nannte das Ergebnis für seine Partei in Alabama eine "nationale Schande".

Steve Bannon, Trumps ehemaliger Wahlkampfchef, Moore-Unterstützer, Regierungsberater und inzwischen außerhalb des Weißen Hauses an einer rechtsgerichteten Anti-Establishment-Bewegung feilende Bruder im Geiste, habe gezeigt, wie man selbst den "rotesten der roten Staaten" verlieren könne.

Rot ist die Farbe der Republikaner. Die Partei und Donald Trump erlebten in Alabama mit dem Sieg der Demokraten folgerichtig ihr blaues Wunder (blau ist die Farbe der Demokraten).

Trump zeigte sich immerhin als ungewohnt fairer Verlierer und gratulierte Doug Jones zu dessen "hart erkämpftem Sieg".

Der Präsident machte auch Abtrünnige Wähler für die Niederlage verantwortlich, die lieber einen chancenlosen Außenseiter wählten, als den von Trump unterstützten Moore.

Der Jurist, der zweimal vom höchsten Gericht Alabamas gefeuert worden war und mit eigenwilligen Vorstellungen zu Themen wie der Homo-Ehe auffiel, war selbst in der erzkonservativen Provinz Alabamas nicht zu vermitteln.

Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen Moore

Zumal im Wahlkampffinale Vorwürfe sexueller Übergriffe in der Vergangenheit die Fragezeichen hinter seinem Namen noch vermehrten.

Am Morgen war Moore noch als Cowboy hoch zu Ross zur Wahlurne geritten. Am Abend trat er dann vor seine verbliebenen Anhänger und übte sich in Durchhalteparolen.

"Es ist nicht vorbei", sagte er. Daraus sprach mehr Verzweiflung als die Hoffnung, über eine Nachzählung vielleicht doch noch zum Ziel zu kommen.

Am ehesten ist Moores Trotzigkeit ein Versuch, den Start seines Kontrahenten Jones im US-Senat so lange wie möglich hinauszuzögern. Denn die republikanische Mehrheit in der zweiten und entscheidenden Parlamentskammer ist mit der Niederlage in Alabama auf nur noch einen einzigen Sitz geschmolzen.

Für die bevorstehende Abstimmung über die Steuerreform – Trumps größtes und in seinem ersten Amtsjahr einzig nennenswertes Gesetzesvorhaben – ist jede blockierte Gegenstimme Gold wert für den Präsidenten.

Demokraten erleben Wiederauferstehung

Trump will das Paket unbedingt noch vor Weihnachten unterschreiben, Jones könnte unter Ausnutzung des Wahlgesetzes bis zum 3. Januar auf die Folter gespannt werden.

Entscheidender ist der demokratische Sieg in Alabama auf längere Sicht. Die Opposition hatte nach ihrer vernichtenden Niederlage von 2016 und angesichts schwieriger Konstellationen nicht im Traum gehofft, 2018 eine Senatsmehrheit in Reichweite zu haben.

Mit Alabama muss auch diese Rechnung neu aufgemacht werden. Allerdings interpretieren einige Politikforscher das Ergebnis aus dem Südstaat auch andersherum: Mit Roy Moores Niederlage ist eine politische Zeitbombe für die Republikaner unschädlich gemacht. Im Senat hätte der Tunichtgut der Partei wohl nur geschadet.© dpa

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Republikaner erleben in Alabama ein Waterloo

Der Sieg von Doug Jones ist eine schallende Ohrfeige für US-Präsident Trump.