Mit Richard Grenell wird ein Donald-Trump-Unterstützer der ersten Stunde neuer US-Botschafter in Berlin. Der 51-Jährige polarisiert, ist konservativ und homosexuell und erinnert damit in Teilen an Jens Spahn. Der deutschen Politik gegenüber ist er durchaus kritisch eingestellt.

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Mehr als ein Jahr war der Posten nicht besetzt, jetzt haben die USA mit Richard Grenell wieder einen Botschafter in Deutschland.

Nachdem der US-Senat Donald Trumps obersten Lobbyisten für Berlin vor einer Woche mit einer Mehrheit von 56 zu 42 Stimmen bestätigt hatte, wurde der 51-Jährige am Donnerstag offiziell von Vizepräsident Mike Pence in Washington vereidigt.

Begleitet wurde Grenell von seinem Partner Matt Lashey und seiner Mutter. Er schwor auf eine Bibel, die sein Vorfahre Myron Winfield Grenell im Jahr 1892 erstanden hatte.

Demokraten stemmten sich lange gegen Grenell

Trump hatte Grenell bereits im September vergangenen Jahres für den Posten ernannt, aber die Bestätigung im Senat zog sich hin.

Die oppositionellen Demokraten warfen Grenell unter anderem Frauenfeindlichkeit vor und verwiesen auf "abfällige Kommentare" über Frauen auf Twitter.

Grenell kommt in schwierigen Zeiten nach Berlin, die deutsch-amerikanischen Beziehungen sind schlecht.

Grenell gilt als einer der ersten und stärksten Unterstützer von Trumps außenpolitischem Kurs. Er hat wiederholt sehr irankritische und proisraelische Positionen vertreten.

Nach dem gemeinsamen Militärschlag der USA, Frankreichs und Großbritanniens in Syrien schrieb er auf Twitter, dass Deutschland sich an dem Angriff hätte beteiligen sollen.

Trump-Unterstützer der ersten Stunde

Grenell äußerte sich schon positiv über Trump, als die meisten anderen Republikaner den politischen Newcomer noch rundweg ablehnten.

Er legte sich im Wahlkampf mächtig für Trump ins Zeug, zuletzt nahm er als eifriger TV-Kommentator und Twitterer den Präsidenten in der Russland-Affäre in Schutz.

Er bezeichnete die Debatte um die mutmaßlichen russischen Einmischungen in den US-Wahlkampf und eine mögliche Verwicklung von Trump-Mitarbeitern als aufgeblasen.

Grenells Twitter-Finger sitzen noch lockerer als die des US-Präsidenten. Über den Social-Media-Kanal übt er, wie Trump, gerne Kritik an den sogenannten Mainstream-Medien.

Ein erfahrener Diplomat

Dass Grenell Erfahrung auf dem diplomatischen Parkett hat, daran gibt aber es keine Zweifel.

Unter Präsident George W. Bush war er sieben Jahre lang Sprecher der US-Delegation bei der UNO und vertrat damals auch den Botschafter in Sitzungen des UN-Sicherheitsrats.

Einer der US-Botschafter in dieser Zeit hieß John Bolton - der Hardliner ist seit Kurzem Trumps Nationaler Sicherheitsberater.

Bei den Vereinten Nationen arbeitete Grenell häufig mit deutschen Diplomaten zusammen, etwa bei den UN-Sanktionen gegen den Iran. Er erlebte die Deutschen aber auch als Kontrahenten, vor allem im Streit um den US-Einmarsch im Irak.

Grenell erinnert an Jens Spahn

Grenell stammt aus dem Bundesstaat Michigan im Mittleren Westen der USA und wuchs in einem evangelikalen Elternhaus auf.

Grenell, der an der Elite-Universität Harvard einen Abschluss in öffentlicher Verwaltung machte, ist Mitbegründer einer international aktiven PR-Firma.

Als politischer Kommentator trat er nicht nur im Fernsehen auf, sondern verfasste auch Beiträge für Zeitungen und Onlineportale.

Trotz seiner Homosexualität - mit seinem Partner Matt Lashey ist Grenell in einer langjährigen Beziehung - vertritt er konservative Werte und erinnert damit an Deutschlands Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

Nach seiner Botschafter-Bestätigung bedankte sich Grenell via Twitter für die eingehenden Glückwünsche - in einem mehr kumpelhaften als steif-diplomatischen Ton.

Auf einen Glückwunsch-Tweet von eben jenem Jens Spahn (CDU) antwortete Grenell: "Danke, Jens. Bis bald!"

Bei Twitter gewährt Grenell auch Einblicke in sein Privatleben. So outete er sich als Fan der Popsängerin Britney Spears und berichtete von seiner Krebserkrankung, die vor einigen Jahren erfolgreich mit einer Chemotherapie behandelt wurde.

"Nach meinem Krebs bin ich stärker. Meine Hunde steuern mein Leben. Unvollkommener Anhänger Christi" - so überschreibt Grenell seinen Twitter-Account.

Auf Twitter würdigte Grenell auch die "unzerbrechliche Verbindung" der USA zu Europa. Wie das mit Trumps Politik zusammenpasst, wird er als Chef der US-Botschaft am Brandenburger Tor künftig häufiger erklären müssen. (tfr/dpa/AFP)

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