Politiker beider US-Parteien kritisieren Trump für seine Aussage, Teile Afrikas und Haiti seien "Dreckslöcher". Ein CNN-Moderator erinnert in einem emotionalen Appell an die Würde der Menschen im Karibikstaat.

Anderson Cooper kämpfte mit den Tränen. Bevor der Moderator zum regulären Teil seiner CNN-Sendung überging, sprach er ein Thema an, das derzeit in den USA – und international – für Schlagzeilen sorgt: Der US-Präsident soll bei einem Treffen im Oval Office Teile Afrikas und Haiti als "Dreckslöcher" bezeichnet haben.

Er verstehe nicht, warum die Menschen aus den "Drecksloch-Nationen" in die USA kämen – und stattdessen nicht mehr Menschen beispielsweise aus Norwegen aufgenommen werden. So berichteten es mehrere Teilnehmer des Treffens gegenüber US-Medien.

Cooper griff den Bericht nun auf, nur wenige Stunden nach dem Bekanntwerden. Er hat eigenen Angaben zufolge eine enge Beziehung zu Haiti und den Menschen dort.

In der Schule habe er einen Mathelehrer gehabt, der einst aus Haiti in die USA geflohen sei und sich dem Unterrichten amerikanischer Kinder gewidmet habe. Bei seiner Rückkehr nach Haiti – wo er sich laut Cooper um das Präsidentenamt bewarb – sei er ermordet worden.

Cooper schilderte dann, dass er selbst viel Zeit in Haiti verbracht habe, erstmals in den frühen Neunzigerjahren. Auch nach dem verheerenden Erdbeben vor fast genau acht Jahren war er als Reporter vor Ort, einen Monat blieb er und kehrte auch in den folgenden Jahren mehrfach zurück.

"Eine Würde, von der viele in diesem Weißen Haus etwas lernen könnten"

"Haitis Menschen sind arm und reich; gebildet und nicht; gut und nicht. Aber ich habe nie einen Haitianer getroffen, der nicht stark ist."

Das müsse man in einem Land wie Haiti sein, die Menschen dort hätten mehr durchgemacht, gegen mehr Widrigkeiten gekämpft, gegen mehr Ungerechtigkeit, als es Trump jemals getan habe, sagte Cooper.

Dann schilderte er seine Erlebnisse unmittelbar nach dem Erdbeben. Wie er beispielsweise miterlebt habe, wie ein fünfjähriger Junge nach rund sieben Tagen aus den Trümmern eines eingestürzten Hauses gerettet werden konnte – das ist der Moment, als Cooper innehielt, um Tränen zurückzuhalten.


Menschen in Haiti hätten Würde, sagte Cooper dann. "Es ist eine Würde, von der viele in diesem Weißen Haus etwas lernen könnten. Eine Würde, von der der Präsident – mit all seinem Geld und all seiner Macht – auch etwas lernen könnte."

So reagierten Politiker auf Trumps Äußerung

Cooper ist nicht der Einzige, der die Aussagen des Präsidenten kritisch kommentierte. Die Republikanerin Mia Love ist Mitglied im Repräsentantenhaus, ihre Familie kam einst aus Haiti in die USA. Sie nannte Trumps Kommentar "rücksichtslos und hetzerisch": "Dieses Verhalten vom Anführer unserer Nation ist nicht akzeptabel." Ihr Parteikollege Erik Paulsen sprach von "komplett unangemessenen" Äußerungen. Er hoffe, das Weiße Haus werde sich entschuldigen.

Der demokratische Kongressabgeordnete Luis Gutierrez sagte, nun sei "zu hundert Prozent" klar, "dass der Präsident ein Rassist ist, der die von unserer Verfassung garantierten Werte nicht teilt". Seine Parteikollegin, Senatorin Kamala Harris, erinnerte daran, dass es Einwanderer waren, die dabei geholfen hätten, Amerika aufzubauen – "darunter ganz besonders auch Einwanderer aus Haiti und Afrika". Sie sollten willkommen geheißen werden, "nicht erniedrigt und beleidigt".

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Ähnlich klang es bei Chelsea Clinton, der Tochter von Ex-Präsident Bill und Präsidentschaftskandidatin Hillary. Sie wandte sich via Twitter an Trump. "Einwanderer aus El Salvador, Haiti und den 54 Ländern Afrikas haben sehr wahrscheinlich dabei geholfen, Ihre Gebäude zu bauen. Sie haben definitiv dabei geholfen, unser Land aufzubauen."

Journalistin Yamiche Alcindor schrieb, sie habe gerade mit dem Botschafter Haitis in den USA gesprochen. Er und seine Regierung würden Trumps Äußerungen "scharf verurteilen". Sie zitiert ihn mit den Worten "Der Präsident ist entweder nicht informiert oder nicht gebildet."

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