Donald Trump hat auf Twitter ein Video geteilt, auf dem er einen Mann mit einem Logo des TV-Senders CNN auf dem Kopf verprügelt. Journalisten zeigen sich entsetzt. Der Clip sei ein Angriff auf die Pressefreiheit – und rufe zu Gewalt auf.

Donald Trump reißt einen Mann am Rande eines Wrestling-Rings zu Boden und prügelt wie wild auf dessen Kopf ein.

An der Stelle, wo sich der Kopf befinden sollte, prangt das hinein montierte Logo des US-Fernsehsenders "CNN". Garniert wird die Twitter-Nachricht des US-Präsidenten mit den Worten "Fraud News CNN" (zu deutsch: Betrüger-Nachrichten CNN).

Trump hatte den Sender schon in der Vergangenheit wegen kritischer Berichte unter anderem als "Fake News" bezeichnet, aber die neueste Attacke sorgte auch international für Empörung und stellt Trumps Verständnis von einer freien Presse nicht zum ersten Mal in Frage.

"Ganz ganz gefährliche Entwicklung"

Die US-Reporterlegende Carl Bernstein, einer der Enthüller der Watergate-Affäre, sieht in dem Clip, der offenbar zuerst auf dem Online-Forum "Reddit" hochgeladen und dann von Trump weiterverbreitet wurde, nicht nur einen Angriff auf CNN.

"Das richtet sich gegen die Pressefreiheit, gegen die Redefreiheit". Bernstein erklärte auf "CNN", das Teilen des Videos auf dem offiziellen Twitter-Kanal des Präsidenten werfe Fragen nach dessen Geisteszustand auf.

Entsetzt zeigte sich auch Henrik Zörner, der Pressesprecher des Deutschen Journalisten-Verbandes.

"Ich hab gedacht, jetzt ist er völlig durchgeknallt", sagte Zörner in einem Video-Kommentar auf der Facebook-Seite des DJV.

Die ZDF-Moderatorin Mariette Slomka nannte Trump im "Heute Journal" einen "verhaltensauffälligen Onkel" und kritisierte das Verhältnis des Präsidenten zu den Medien.

Trump hatte aus seinem mangelnden Respekt für eine freie Berichterstattung schon häufiger keinen Hehl gemacht. Seine Fans feiern ihn dafür.

Besonders oft schießt er sich wegen ihrer kritischen Beiträge auf die "New York Times", "Washington Post" und CNN ein.

"Wenn die Nachrichten ihm passen, sind es tolle Nachrichten, wenn nicht, dann sind es Fake News", fasst Bernstein zusammen.

"Präsident Trump sieht in der liberalen Presse einen politischen Gegner", so Professor Thomas Jäger vom Lehrstuhl für Internationale Politik und Außenpolitik an der Universität Köln.

"Damit hat er sogar recht, denn diese greift alle Themen auf, die ihm schaden können und lassen an seiner Präsidentschaft gewöhnlich kein gutes Haar. Bei Trumps Wähler haben die liberalen Medien - CNN, NBC, die New York Times und Washington Post - ein äußerst niedriges Ansehen."

Dahinter könnte die Strategie stecken, die kritische Medien gezielt zu schwächen und alternative Plattformen zu stärken. Nämlich solche, die dem Präsidenten gewogen sind oder sogar verherrlichen.

"Er versucht offensichtlich wirklich, seine Anhänger ausschließlich auf die sozialen Netzwerke zu bringen und von den Medien abzubringen", sagt DJV-Sprecher Zörner.

Dies sei eine "ganz ganz gefährliche Entwicklung". Mehr als 33 Millionen Nutzer folgen Trumps Twitter-Kanal, auf dem sie seine Meinungsäußerungen ungefiltert konsumieren können.

Das Video wurde von dort bisher fast 330.000 Mal weiterverbreitet.

Angst vor Gewalt gegen Journalisten

Nicht nur Zörner befürchtet indes, dass Trump-Fans das Video als Einladung zu Gewalttaten auffassen könnten.

"Es ist nicht mehr auszuschließen, das fanatisierte Trump-Anhänger Gewalt gegen Journalisten anwenden."

Mann müsse solche Warnungen sehr ernst nehmen. "Und wir nehmen sie sehr ernst." Trump müsse klar gemacht werden, dass Journalisten "nicht Gegner der Demokratie, sondern – ganz im Gegenteil – Teil der Demokratie" seien, so Zörner weiter.

Die US-Journalisten Anni Lowrey äußerte auf Twitter "große Angst, dass eines Tages ein Journalist sein Leben lassen wird."

Frank Überall, der Bundesvorsitzende des DJV, sagte, es sei nicht hinnehmbar, dass "ausgerechnet das Staatsoberhaupt der USA das von der Verfassung garantierte Grundrecht der Pressefreiheit mit Füßen" trete.

Kritik kam auch von amerikanischen Journalistenverbänden.

Das "Reporters Committee for Freedom of the Press" teilte mit: "Dieser Tweet ist unter der Würde des Präsidentenamtes. Traurigerweise ist er nicht unter der Würde dieses Präsidenten."

Courtney Radsch vom "Committee to Protect Journalists" warnte in der New York Times vor Stimmungsmache gegen Reporter. Trumps Nachricht könne "autokratische Führer rund um die Welt ermutigen."

Konsequenzen dürfte das Teilen des Videos für Trump nicht haben. Er fühlt sich durch die positiven Reaktionen vielmehr noch bestätigt und schoss danach weiter gegen die Medien.

Auch Tom Bossert, Sicherheitsberater im Weißen Haus, verteidigte den Präsidenten. Satirisch reagierte der australische Komiker Mark Humphries auf das CNN-Bashing.

In der Sendung "The Feed" verbreitete Humphries eine Antwort im Stile einer Mobbing-Doku, in dem ein Mann mit einem CNN-Logo auf dem Kopf Schikanen durch Trump beklagt und am Ende in Tränen ausbricht.

"Mein Name ist CNN", heißt es in dem Clip. "Und ich wurde vom Präsidenten der Vereinigten Staaten angegriffen."

In einem Land mit einer freien Presse ist solche Kritik am Staatsoberhaupt erlaubt – in vielen anderen Staaten der Erde nicht.