Präsident Donald Trump hat bisher kaum eine Gelegenheit versäumt, seine Meinung zeitnah über Twitter kundzutun. Als James Comey drei Stunden zur Russlandaffäre im Senat angehört wurde, twitterte Trump - nichts. Er ließ seine Anwälte für sich reden. Und sein Sohn Donald Trump Jr. verteidigte seinen Vater auf Twitter.

Selten fand man den US-Präsidenten so schweigsam wie bei der Senatsanhörung von James Comey.

Zwei Tage lang twitterte der kommunikationswütige Präsident nicht eine Zeile - nach Social-Media-Maßstäben eine Ewigkeit.

Trumps Damoklesschwert

Vor drei Tagen noch beklagte sich @realDonaldTrump darüber, dass die Medien ihn aus den Sozialen Medien zu drängen versuchten:

Doch es scheinen vielmehr seine eigenen Mitarbeiter zu sein, die das versuchen, wie das Politikmagazin "Politico" vermutet.

Im Weißen Haus versuche man, Trump am Donnerstag mit Meetings beschäftigt zu halten, damit er nicht fernsehe oder twittere während der Anhörung.

Die Mitarbeiter Trumps fürchten, ein direkter Angriff auf Comey seitens Trump könne negativ auf ihn zurückfallen.

Ob diese Strategie aufgeht ist ungewiss: Comeys Auslassungen hängen weiterhin als Damoklesschwert über Trumps Haupt.

Zudem stellt sich die Frage, inwieweit der neue FBI-Chef Christopher A. Wray sich in der Frage positioniert und wie Robert Mueller als Chefermittler in der Causa Flynn weiter vorgeht.

Der ehemaligen Sicherheitsberater Trumps, Michael Flynn, trat zurück, nachdem ihm Kontakte zu russischen Behördenvertretern nachgewiesen werden konnten, zu denen er bis heute schweigt.

Donald Trump Junior springt in die Bresche

Nun trat statt Präsident Trump ein anderer ins Rampenlicht der sozialen Medien, sein Sohn Donald Trump Junior.

Ganz im Stile seines Vaters kommentierte der 39-Jährige Sohn Comeys Anhörung im Minutentakt.

James Comey und die "DC-Eliten"

Das "Flynn-Zeug" ist laut Trumps Sohn Bullshit, seinen Vater höre er zu Comey sagen: "Ich hoffe, dass nichts passiert, aber Sie müssen Ihren Job machen."

In der Anhörung sagte Comey, Trump habe zu ihm gesagt: "Ich hoffe, Sie sehen einen Weg, das fallen zu lassen, von Flynn abzulassen."

Sein Vater sei ein Mann, twitterte Donald Jr., der einem klar mache, was er wolle, da gebe es keinen Raum für Zweifel: Comey müsse den Unterschied kennen, ob man auf etwas hoffe oder eine Anweisung gebe.

Besonders wütend reagierte Trump Jr. auf Comeys Aussage, er hätte einen Freund gebeten, seine Memos bezüglich des Trump-Gesprächs an die Presse weiterzuleiten. "Ist das ein Witz?" fragt Donald Trump Jr.

Das sei "Washington DC in Bestform". Das sei es, wogegen Amerika auf die Straßen gegangen sei, aber die DC-Elite verstehe es nicht oder könne einfach nicht anders.

Der Trump-Clan agiert als Einheit

Donald Trump schickt gerne Familienmitglieder vor, betreibt seine Präsidentschaft als Clanherrschaft und behandelt seine Politik wie ein Familienunternehmen.

Seine Tochter Ivanka agiert mandatslos in der Außenpolitik und ihr ebenfalls mandatsloser Ehemann Jared Kushner ist Trumps Chefberater.

Die eigentliche Frage allerdings ist, ob die Republikaner loyal zu Trump halten oder sich gegen ihn stellen. Sollte Trump den Rückhalt der Partei verlieren, wird ihm auch seine zumindest öffentlich rückhaltlos hinter ihm stehende Familie nicht helfen können. Dann heißt es: America first.