Ein Dienstag zwischen Hoffen und Bangen: Für den Abend hat Donald Trump seine Entscheidung über die Zukunft des Atomabkommens mit dem Iran angekündigt. In der Folge sind drei Szenarien denkbar. Eines ist düster.

Mit einem Tweet hat sich Donald Trump am Montagabend die Aufmerksamkeit der Weltgemeinschaft an diesem Dienstag gesichert.

Um 14 Uhr Ortszeit (20 Uhr Mitteleuropäischer Zeit) werde er verkünden, ob die USA weiterhin auf Sanktionen gegen den Iran verzichten, schrieb der US-Präsident.

An dieser Entscheidung hängt die Zukunft des 2015 nach über 13 Jahre mühevoller Verhandlung geschlossenen Atomabkommens mit dem Iran - und daran womöglich der Friede im Mittleren Osten.

Das könnte heute Abend passieren:

Szenario 1: Trump hält am bestehenden Abkommen fest

Alle drei Monate muss der US-Präsident dem Kongress mitteilen, dass er die Einhaltung des Atomabkommens überprüft hat und es in dieser Form bestehen bleiben soll. Das hat Trump wiederholt getan - trotz aller Kritik an diesem, wie er sagt, "schlechtesten Deal aller Zeiten".

Die letzte Verlängerung im Januar hat Trump jedoch als "letzte Chance" bezeichnet und Änderungen in dem Vertrag zur Bedingung für den Fortbestand gemacht. Solche gibt es bislang nicht. Es wäre also eine faustdicke Überraschung, wenn Trump doch am Abkommen festhielte.

Wahrscheinlich ist das also nicht. "Leider sieht es im Moment nicht mehr so aus, dass sich die Frage stellt, ob Trump sich aus der Vereinbarung verabschiedet, sondern auf welche Art und Weise", sagte die Nahost-Expertin Azadeh Zamirirad der Tagesschau.

Szenario 2: Trump erreicht Nachverhandlungen

Ein Kompromiss könnte in Nachverhandlungen liegen. Die USA wünschen sich unter anderem, dass der Iran seine Raketentests einstellt, ebenso sein aggressives Gebaren gegenüber dem Irak und anderen Nachbarn.

Außerdem wollen die Amerikaner dem Iran mit neuen Sanktionen drohen können, ohne dass das als Vertragsbruch gilt.

Die Vertragspartner Russland, China, Großbritannien, Frankreich und Deutschland dürften dagegen wenig Einwände haben.

Nur: Warum sollte sich der Iran auf eine solche aus ihrer Sicht Verschlechterung des bestehenden Vertrages einlassen?

Nach Informationen des Tagesspiegel haben Europäer und Amerikaner im stillen Kämmerlein bereits über mögliche Neuerungen des Deals gesprochen.

Bevor sie das Gespräch mit dem Iran suchen, wollen die Europäer aber sichergehen, dass Trump am Ende auch zu einem möglichen Kompromiss steht.

Szenario 3: Trump vernichtet den Deal

Wenn Trump das Abkommen zu Fall bringt, sind die Aussichten düster. Nicht ohne Grund haben viele Politiker mit Vehemenz davor gewarnt, das Abkommen aufzukündigen.

"Uns muss klar sein: Mit dieser Unterschrift haben wir wahrscheinlich einen Krieg verhindert", betont zum Beispiel Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

"Wir befürchten, dass ein Scheitern dazu führt, dass es Eskalationen gibt und wir in die Zeit von vor 2013 zurückfallen werden", sagt Außenminister Heiko Maas.

Der Iran hat immer wieder betont, er könne sein Atomprogramm "binnen Stunden" wieder hochfahren. Sollte der Iran wieder Uran anreichern, könnten sich mehrere Nachbarländer zu einem Wettrüsten herausgefordert fühlen - allen voran das verfeindete Israel und Erzfeind Saudi-Arabien.

Israel und der Iran bekriegen sich schon jetzt in Syrien. USA-Experte Josef Braml sprach im Interview mit unserer Redaktion gar von der Möglichkeit eines amerikanisch-israelischen Militärschlags gegen den Iran.

Bleibt die Hoffnung auf die Verhandlungsbereitschaft aller Beteiligten. Immerhin hat der iranischen Präsident Hassan Ruhani den Europäern am Dienstag vorgeschlagen, das Atomabkommen notfalls auch ohne die USA aufrechtzuerhalten.

Voraussetzung sei, dass sein Land davon weiterhin wirtschaftlich profitiere.

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Teaserbild: © picture alliance / Pablo Martine