Die Begrüßung war herzlich, dann wurde geredet: Kanzlerin Merkel und US-Präsident Trump haben in Washington knifflige Fragen verhandelt. Dann traten sie vor die Presse, beide sichtlich um Zeichen der Harmonie bemüht.

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Donald Trump hat den charmanten Gastgeber gegeben: Der US-Präsident begrüßte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betont höflich im Weißen Haus, mit Handschlag, Wangenküsschen und schwärmte von der "großartigen Beziehung" der beiden. Nach dem gemeinsamen Abendessen sagte Trump auf der gemeinsamen Pressekonferenz: "Unser Bündnis ist stark."

Gleichzeitig forderte er Deutschland auf, mindestens zwei Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auszugeben. Er hoffe, dass jeder Nato-Partner dieses Ziel erreiche. "Und hoffentlich viel mehr", fügte Trump hinzu. Merkel erklärte, dass sich die Bundesrepublik der Steigerung der Wehrausgaben verpflichtet fühle.

Mit Blick auf den Atomdeal mit Iran, den Trump ablehnt, erklärte der US-Präsident, die Regierung in Teheran sei ein "mörderisches Regime". Er bekräftigte, dass Iran niemals in den Besitz von Atomwaffen gelangen dürfe. "Wir müssen sicherstellen, dass dieses mörderische Regime nicht einmal in die Nähe einer Atomwaffe kommt", fügte er hinzu.

Merkel hat das Atom-Abkommen mit dem Iran verteidigt. Die Kanzlerin sieht zur Stabilisierung der Region aber weiteren Handlungsbedarf. Das Abkommen sei "ein erster Schritt", der dazu beigetragen habe, die Nuklear-Aktivitäten Irans zu verlangsamen und auch besser zu überwachen, sagte sie. Dies reiche aber nicht aus, eine Rolle Irans zu erreichen, die auf Verlässlichkeit gründe. "Deshalb muss mehr dazukommen." Es gelte, über die Dauer des Abkommens hinaus Verlässlichkeit zu schaffen.

Diskussion über faire Handelsbeziehungen

Merkel erklärte, die EU und Deutschland müssen mit den USA weiter über faire Handelsbedingungen verhandeln. Deutschland habe seinen Handelsüberschuss mit Amerika bereits reduziert, sagte Merkel. Sie zeigte aber Verständnis, dass dies Trump noch nicht ausreiche.

Zu den vom 1. Mai an drohenden US-Strafzöllen für die EU auf Stahl und Aluminium wollte Merkel keine näheren Angaben machen. "Der Präsident wird entscheiden", sagte sie. Der erklärte am Ende der gemeinsamen Pressekonferenz, er mache Merkel keinen Vorwurf für die "Fehler ihrer Amtsvorgänger" und lobte sie abermals: "Angela macht das großartig", sagte er.

Trump lobt "maximalen Druck" auf Nordkorea

Mit Blick auf die Annäherung zwischen Süd- und Nordkorea sagte Merkel: "Wir Deutschen können fühlen, wenn nach Jahren der Teilung wieder Kontakte entstehen", sagte sie. Diese müssten aber auf gemeinsamen Werten beruhen.

Trump sagte: "Die Kampagne des maximalen Drucks hat uns geholfen, diesen Schritt zu erreichen." Die USA würden den Druck nicht nachlassen, ehe eine vollkommene Denuklearisierung der Halbinsel erreicht sei, sagte er - und erklärte, er freue sich auf ein Treffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un, das für die "nächsten Wochen" geplant sei.  © SPIEGEL ONLINE