Eine US-Politikerin hat dieses Jahr einen besonderen Weihnachtsgruß für ihre Wähler. Michele Fiore posiert samt Familie vor weihnachtlich geschmückter Kulisse – und mit schweren Schusswaffen.

Kurz vor dem Weihnachtsfest wünscht die 45 Jahre alte Republikanerin Michele Fiore via Facebook ein Frohes Fest – allerdings mit einer besonderen politischen Botschaft. Die Politikerin hat eine bizarre Weihnachtskarte für ihre Wähler und Freunde gepostet. Darauf posiert Fiore mit ihrer Familie, alle in roten Oberteilen und blauen Jeans. Und sie tragen Schusswaffen.

Auf dem Bild hält Fiore selbst ein Gewehr in der Hand, die ältere Frau rechts neben ihr trägt eine Maschinenpistole. Selbst der kleine Junge in der Mitte ist mit einer Pistole ausgestattet. Um welche Waffen es sich genau handelt, verrät die 45-Jährige im Facebook-Post.

Unter dem veröffentlichten Foto steht zudem: "Es obliegt den Amerikanern Amerika zu beschützen. Wir sind einfach eure amerikanische Durchschnittsfamilie. Mit Liebe und Freiheit, Michele".

Fiore für lockere Waffengesetze

Damit macht die Politikerin klar, wie sie zum amerikanischen Waffengesetz steht. Unter anderem setzt sich die Angeordnete im Unterhaus des Bundesstaates Nevada für lockere Waffengesetze ein.

Das Bild postete Fiore am Montag, drei Tage nachdem ein Mann in einer Abtreibungsklinik in Colorado Springs drei Menschen getötet und neun weitere verletzt hatte. Zwei Tage nach dem verstörenden Post der Politikerin, brachte ein Islamisten-Paar 14 Menschen in San Bernardino um. Der 28-jährige Syed Farook, ein pakistanisch-stämmiger US-Bürger, hatte zusammenmit seiner Ehefrau Tashfeen Malik eine Weihnachtsfeier in San Bernardino bei Los Angeles gestürmt. Das FBI stuft die Tat als "Terrorakt" ein.

Der Angriff war der blutigste in den USA seit dem Amoklauf in einer Grundschule in Newtown, bei dem vor drei Jahren 20 Kinder und sechs Erwachsene getötet worden waren. US-Präsident Barack Obama mahnte nach dem Attentat erneut eine Verschärfung der Waffengesetze an.

Er war in der Vergangenheit immer wieder mit Initiativen für schärfere Waffengesetze im Kongress gescheitert, wo vor allem die Republikaner nicht am in der US-Verfassung verankerten Recht auf Waffenbesitz rütteln wollen.

"NYT" für schärfere Waffengesetze

Die renommierte US-Zeitung "New York Times" hat zum ersten Mal seit fast hundert Jahren einen Leitartikel auf ihrer Titelseite veröffentlicht und sich nach dem Attentat in Kalifornien mit 14 Toten für schärfere Waffengesetze ausgesprochen. In dem Artikel "Beendet die Waffen-Epidemie in Amerika", der am Freitagabend im Internet und am Samstag in der gedruckten Ausgabe erschien, wird ein Verbot bestimmter Waffen und Munition für Privatleute gefordert.

Es sei ein "moralisches Verbrechen und eine nationale Schande", dass Zivilisten in den USA legal Waffen kaufen könnten, die "in brutalem Tempo und mit brutaler Effizienz" Menschen töten, schrieb die Zeitung. Sie forderte ihre Leser auf, nach der Bluttat in San Bernardino ihre "Aufmerksamkeit und Wut" auch auf Politiker zu richten, denen die Waffenlobby wichtiger sei als die Sicherheit der Bürger. Diese Politiker unterstützten "Möchtegern-Killer, indem sie Waffenmärkte für sie schaffen". Die Wähler erlaubten diesen Politikern, "ihre Jobs zu behalten".

Konkret forderte die "New York Times" ein Verbot von Waffen wie den Sturmgewehren, die die Attentäter von San Bernardino verwendeten, für den privaten Besitz. (far/AFP)