Eine gegen alle: Nur die USA legten in Person von UN-Botschafterin Nikki Haley im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ihr Veto gegen eine Resolution ein, die die Anerkennung von Jerusalem als Israels Hauptstadt rückgängig machen wollte. Haley wählte anschließend drastische Worten. Die USA gehen somit nun auch auf Konfrontationskurs zur UN und könnte sich damit international weiter isolieren.

Erst hatten die USA Anfang Dezember angekündigt, ihre Botschaft in Israel nach Jerusalem verlegen zu wollen, dann verkündete US-Präsident Donald Trump die offizielle Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt des Landes.

Die internationalen Reaktionen waren eindeutig ablehnend, die radikalislamische Hamas rief anschließend eine neue Intifada aus.

Seitdem kommt es zu neuer Gewalt in den Palästinensergebieten, Israel fliegt immer wieder Angriffe auf Hamas-Stellungen im Gaza-Streifen.

Auch die Vereinten Nationen (UN) haben entsetzt auf die Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt durch die USA reagiert.

Doch einer Annullierung der Entscheidung durch die UN machte US-Botschafterin Nikki Haley am Montagabend mit ihrem Veto einen Strich durch Rechnung. Dabei kam es zum Eklat.

Ägypten mit Resolution gegen US-Entscheidung

In dem von Ägypten vorgelegten Entwurf wurde "tiefes Bedauern" über "jüngste Entscheidungen im Hinblick auf den Status Jerusalems" ausgedrückt. Die USA oder US-Präsident Donald Trump wurden nicht direkt erwähnt.

Bei der anschließenden Abstimmung waren die USA völlig isoliert, nur Haley stimmte für die Vereinigten Staaten gegen die Resolution, alle anderen 14 Mitglieder des Sicherheitsrates dafür. Darunter waren auch die mit Amerika verbündeten Veto-Mächte Großbritannien und Frankreich.

Die Sorge dieser Länder: Der Friedensprozess in Nahost wird durch die einseitige Entscheidung der USA untergraben.

Nikki Haley droht den Vereinten Nationen

Dagegen wehrte sich Haley. Trumps Entscheidung, die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen, sei eine souveräne Entscheidung der Vereinigten Staaten und stehe auch "vollständig im Einklang" mit bestehenden UN-Resolutionen.

Dass der Schritt den Friedensprozess im Nahen Osten behindere, sei eine "empörende Behauptung", sagte Haley.

Dann sprach sie von einer "Beleidigung, die wir nicht vergessen werden". Was sie damit genau meinte, ließ sie offen. Die Worte können allerdings als Drohung verstanden werden.

Die USA, betonte Haley, würden sich von niemandem sagen lassen, wo sie ihre Botschaften anzusiedeln hätten.

Der Resolutionsentwurf sei "ein weiteres Beispiel dafür, dass die Vereinten Nationen im Konflikt zwischen Israel und Palästinensern mehr Schaden anrichten, als dass sie Gutes tun".

US-Präsident Donald Trump hat Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt und damit den Zorn vieler Palästinenser heraufbeschworen. Die radikal-islamische Hamas hat infolge zur dritten Intifada aufgerufen. Wie groß die Gefahr eines palästinensischen Aufstandes wirklich ist, erklärt Nahost-Expertin Bettina Marx im Interview.

Palästinenser: "Veto wird USA isolieren"

Die Palästinenser verurteilten das Ergebnis der Abstimmung hingegen - und fanden ihrerseits drastische Worte.

Das Veto "verhöhnt die internationale Gemeinschaft und ergreift Partei für die israelische Besatzung und Aggression", sagte ein Sprecher von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa zufolge.

Das Veto "wird die USA weiter isolieren und ist eine Provokation für die internationale Gemeinschaft".

Abbas hatte nach der US-Entscheidung ein geplantes Treffen mit dem amerikanischen Vizepräsidenten Mike Pence abgesagt. Dieses hätte eigentlich den Friedensprozess neu beleben sollen.

Israel: "Eine besiegte viele"

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu dankte Haley in einer Videobotschaft auf Facebook. "Sie haben eine Kerze der Wahrheit angezündet", sagte er mit Blick auf das aktuelle jüdische Lichterfest Chanukka. "Sie vertreiben die Dunkelheit. Eine besiegte viele. Die Wahrheit besiegte die Lügen."

Israels UN-Botschafter Danny Dannon hatte Bemühungen, den Status Jerusalems im Sicherheitsrat oder der Vollversammlung zu diskutieren, vor der Abstimmung als "Zeitverschwendung" bezeichnet.

Nur direkte Verhandlungen würden die Beteiligten in der Frage voranbringen.

Mike Pence verschiebt Nahost-Reise

Am Dienstag und Mittwoch wollte US-Vizepräsident Pence eigentlich in den Nahen Osten reisen und sich dort unter anderem mit dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi und Israels Ministerpräsident Netanjahu treffen. Geplant war zudem eine Rede vor dem israelischen Parlament.

Die Reise wird nun aber auf Mitte Januar verschoben.

Laut Weißem Haus spiele die vergiftete Stimmung und der Zorn in arabischen Ländern über Trumps Jerusalem-Entscheidung dabei aber keine Rolle.

Stattdessen sei die anstehende Abstimmung im Kongress über die Steuerreform des US-Präsidenten der Grund.

Im Falle eines Patts im Senat sei die Stimme des Vizepräsidenten nötig, sagte ein Regierungsvertreter. (cai/dpa/afp)