Der im Sudan tobende Machtkampf treibt immer mehr Menschen in die Flucht. Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) dürfte seine Prognosen anheben, wie der stellvertretende Hochkommissar für Flüchtlinge, Raouf Mazou, am Dienstag in Genf sagte.

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Es war bislang von rund einer Million Flüchtlinge aus dem Sudan bis Oktober ausgegangen. "Wenn wir die Trends anschauen, die Lage in Darfur, dürften wir mehr als eine Million Flüchtlinge bekommen", sagte Mazou. Allein im Nachbarland Tschad, das an die Unruheregion Darfur grenzt, rechne man inzwischen nicht mehr mit 100 000, sondern mit 245 000 Flüchtlingen. Mazou war gerade zu Besuch in der Region.

Bereits 560 000 Menschen seien aus dem Sudan in Nachbarländer geflohen. Zudem seien im Land fast zwei Millionen Menschen auf der Flucht. Viele Menschen fliehen vor den Kämpfen unter Lebensgefahr und werden von Banditen und Milizen teilweise ausgeraubt und angegriffen, wie Mazou sagte. Sie stünden angesichts der Gewalt unter Schock, seien ausgehungert und brauchten dringend medizinische Hilfe. In manchen Grenzregionen habe die Regenzeit begonnen, was die Versorgung der Menschen zusätzlich erschwere.

Es fehlen Geld und Ressourcen

Es sei eine große Sorge, dass die Weltgemeinschaft bislang nicht genügend Geld zur Verfügung gestellt hat. Bei einer Geberkonferenz in Brüssel nannten Länder Hilfssummen im Umfang von 1,5 Milliarden Dollar (1,37 Milliarden Euro). Noch sei unklar, wie viel davon tatsächlich frisches Geld ist, sagte Mazou. Manchmal erwähnen Regierungen bei solchen Konferenzen Summen, die sie bereits gezahlt haben. Insgesamt brauchten die Vereinten Nationen rund drei Milliarden Dollar, wie Mazou sagte, aber davon seien weniger als 20 Prozent bislang gedeckt.

Mehr als die Hälfte derjenigen, die es ins Ausland schafften, kam in Ägypten an, andere im Tschad, in Südsudan, Äthiopien und der Zentralafrikanische Republik. Die Gastgeberländer und die Bevölkerung seien äußerst großzügig, sagte Mazou. Aber vielfach seien sie überfordert, und die Länder brauchten nicht nur Hilfe bei der Versorgung der Flüchtlinge, sondern auch für die eigene Bevölkerung.  © dpa

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