Nordkorea hat in seinem Atomzentrum Yongbyon möglicherweise Aktivitäten zur Herstellung von waffentauglichem Plutonium aufgenommen. Derweil kündigte es als Antwort auf eine mögliche Anklage vor dem Internationalen Strafgerichtshof neue Atomtests an.

Auf neuen Satellitenbildern sei das Entweichen von Dampf aus der Anlage in Yongbyon zu erkennen, teilte das US-Korea-Institut der John-Hopkins-Universität in Baltimore auf seiner Internetseite 38 North mit. Die Anlage dient der Gewinnung von Plutonium aus benutzten Brennstäben des Fünf-Megawatt-Reaktors Yongbyon.

Den Angaben zufolge waren auf den Bildern auch hin- und herfahrende Lastwagen zu erkennen. Dies könne ein Hinweis auf den Transport von Brennstäben sein, hieß es. Der Reaktor sei überdies offenbar zehn Wochen lang abgeschaltet worden. Dies sei länger als für normale Instandhaltungsarbeiten erforderlich und ein weiterer Hinweis auf die mögliche Entfernung einer "begrenzten Zahl" benutzter Brennstäbe zu ihrer Wiederaufarbeitung. Die Atomanlage in Yongbyon war 2007 im Zuge eines Hilfe-gegen-Abrüstung-Programms mit dem Westen stillgelegt worden. Mitte 2013 hatte Pjöngjang dann jedoch mit der Renovierung von Yongbyon begonnen.

Nordkorea droht mit Atomtests

Unterdessen hat das kommunistische Nordkorea nach den jüngsten internationalen Vorwürfen gravierender Menschenrechtsverstöße mit einem neuen Atomtest gedroht. Der für Menschenrechte zuständige Ausschuss der UN-Vollversammlung hatte den UN-Sicherheitsrat aufgerufen zu überlegen, Nordkorea wegen der Menschenrechtslage im Land vor den Internationalen Gerichtshof zu bringen. Die EU und Japan hatten den jüngsten Resolutionsentwurf mit der Unterstützung 62 weiterer Staaten eingebracht.

Nordkorea lehne die "Resolution" kategorisch ab, erklärte Nordkoreas Außenministerium am Donnerstag. Den USA wurde vorgeworfen, für die Annahme der Beschlussvorlage verantwortlich zu sein. Die feindselige US-Politik zwinge Nordkorea dazu, "sich nicht mehr zurückzuhalten, einen neuen Atomtest durchzuführen". Nordkorea hatte seit 2006 drei Atomtests unternommen, auf die der UN-Sicherheitsrat jeweils mit der Verschärfung der Sanktionen gegen das Land reagierte.

Nordkorea hatte sich 2005 zur Atomwaffenmacht erklärt. Nach eigenen Angaben nahm es 2006, 2009 und 2013 unterirdische Atomwaffentests vor. Nach Einschätzung westlicher Experten verfügt es bereits über Plutonium zum Bau von sechs Atombomben. Der UN-Sicherheitsrat verabschiedete in der Vergangenheit mehrere Resolutionen gegen Nordkoreas Aktivitäten im Atomwaffenbereich. (dpa/afp/cai)