Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat Russland im Friedensprozess um die Ostukraine den Bruch von Versprechen vorgeworfen und vor einem neuen Krieg gewarnt.

"Ich kann sagen, dass die Ukraine für den Friedensvertrag alles umgesetzt hat, was wir angekündigt haben", sagte Petro Poroschenko der "Bild"-Zeitung vom Montag. Die Ukraine sei für Kompromisse bereit. Der ukrainische Präsident glaubt demnach nicht, dass der Konflikt militärisch zu lösen sei. "Russland dagegen verspricht etwas und tut am nächsten Tag genau das Gegenteil", sagte Poroschenko.

Poroschenko sagte weiter: "Wir wollen keinen Krieg, wir wollen den Frieden und kämpfen für europäische Werte. Aber Russland hält sich an keine Absprachen." Auf die Frage der "Bild", ob er Angst vor einem Krieg mit Russland habe, sagte der Präsident: "Ich habe keine Angst vor einem Krieg mit russischen Truppen und wir haben uns auf das Szenario für einen totalen Krieg vorbereitet. Unsere Armee ist in einem wesentlich besseren Zustand als vor noch vor fünf Monaten und wir haben die Unterstützung aus der ganzen Welt. Unsere Soldaten zeigen, dass sie unser Land vereidigen können. Wir wollen nichts mehr als Frieden, aber wir müssen uns leider derzeit auch mit den schlimmsten Szenarien befassen."

Putin warnt vor einseitiger Schuldzuweisung

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte im Ukraine-Konflikt vor einseitigen Schuldzuweisungen gewarnt. In einem Interview für die ARD-Sendung "Günther Jauch" wies Putin darauf hin, dass Sanktionen gegen Russland auch für Deutschland ernste Folgen haben könnten.

Zu entsprechenden Interview-Äußerungen von Putin in der ARD, wonach er eine Niederlage der Separatisten nicht hinnehmen wolle, sagte Poroschenko: "Bisher hat Russland in der Öffentlichkeit immer so getan, als hätten sie nichts mit den Separatisten zu tun. Wenn Putin seinen Einfluss jetzt zugibt, dann muss er dafür auch im eigenen Land die Verantwortung übernehmen. Ich glaube nicht, dass russische Mütter verstehen, warum ihre Söhne in der Ukraine kämpfen und sterben sollen. Unsere Länder standen 300 Jahre eng zusammen, viele Familien sind gemischt."

(far/dpa)