Im Osten der Ukraine bleibt die Lage weiter angespannt: Bei einem Angriff auf ukrainische Soldaten im Südosten des Landes sind offenbar drei Menschen getötet worden. In Genf wird heute bei einer internationalen Konferenz über einen politischen Ausweg aus der Krise beraten. Und Russlands Präsident Wladimir Putin stellt sich im Staatsfernsehen den Fragen von Zuschauern. Verfolgen Sie die aktuellen Entwicklungen in unserem Newsticker.

18:49 Russland hat beim Genfer Krisentreffen zur Ukraine der Entwaffnung separatistischer Kräfte im Osten des Landes zugestimmt. Grundsätzlich sollten "alle illegitimen militärischen Formationen entwaffnet werden", sagte Russlands Außenminister Sergej Lawrow am Donnerstagabend vor Reportern. Zudem müssten alle besetzten Gebäude verlassen und den rechtmäßigen Eigentümern zurückgegeben werden. Zugleich solle es eine Amnestie geben.

Die Maßnahmen seien Teil eines Fahrplans zur friedlichen Lösung der Ukraine-Krise, der laut Lawrow in Genf mit den Außenministern der USA und der Ukraine sowie der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton vereinbart wurde. Alle Seiten seien nun aufgerufen, von Gewalt Abstand zu nehmen. Die Probleme der Ukraine müssten von den Ukrainern selbst gelöst werden. US-Außenminister John Kerry und Ashton wollten sich später ebenfalls zu Ergebnissen des Treffens äußern.

16:43 Die Ukraine hat die Einreise für Russen deutlich eingeschränkt. Russischen Männern und Krim-Bewohnern zwischen 16 und 60 Jahren wird eine Einreise nur im Ausnahmefall gestattet, wenn familiäre oder berufliche Gründe vorliegen und dies mit Unterlagen belegt werden könne. Zudem werden 20 bis 35 Jahre alte Frauen von der Krim besonders kontrolliert. "Aufgrund der Gefahr von terroristischen Handlungen wurden die Kontrollen verschärft", sagte ein Sprecher des ukrainischen Grenzschutzes der Deutschen Presse-Agentur in Kiew. Familien mit Kindern sind von dem Einreiseverbot ausgenommen.

15:51 In Genf beraten die Außenminister der USA, Russland und der Ukraine sowie die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton weiter über eine Lösung des Konflikts. Der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk ist skeptisch: "Ich habe keine übermäßigen Hoffnungen an dieses Treffen, da ich der russischen Seite nicht traue", sagte Jazenjuk. "Russland setzt jetzt nur auf eines: auf eine weitere Zuspitzung."

15:39 Kopfgeld auf russische Agenten: Der reiche Gouverneur des ukrainischen Gebiets Dnjepropetrowsk, Igor Kolomoiski, will mit Geld die Moral im Kampf gegen Separatisten stärken. Für jeden festgenommenen und den Behörden übergebenen Söldner zahle der Milliardär 10.000 US-Dollar (rund 7.200 Euro), die Befreiung eines besetzten Verwaltungsgebäudes sei ihm je 200.000 Dollar wert, teilte Kolomoiskis Stellvertreter Boris Filatow am Donnerstag über Facebook mit. Er kündigte auch Prämien für die Abgabe von Gewehren und Granatwerfern an. In der Ostukraine sei eine "Revolution der Armut" ausgebrochen, schrieb Filatow. "Dies ist eine Meuterei müder, verzweifelter und von der Führung nicht gehörter Menschen."

Edward Snowden spricht mit Wladimir Putin über Massenausspähung

14:42 Auch der in Moskau lebende Edward Snowden hatte in der Frage-Sendung mit Wladimir Putin einen Auftritt. Der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Snowden und der Ex-Geheimdienstchef Putin fachsimpelten über die weltweite Massenausspähung der USA. "Gibt es in Russland auch eine solche Massenausspähung?", fragte Snowden in einer Video-Zuschaltung. Der Kreml-Chef bestritt das: Russland habe weder die technischen Mittel noch das Geld wie die NSA. Außerdem befänden sich die Geheimdienste "unter strenger Kontrolle der Regierung und der Gesellschaft", daher sei eine Massenausspähung von Privatpersonen in Russland nicht möglich.

14:28 Das EU-Parlament hat angesichts der angespannten Lage in der Ostukraine eine rasche Verschärfung der Sanktionen gegen Russland verlangt. Die EU-Regierungen sollten mit sofortiger Wirkung die Wirtschaftssanktionen einleiten und ein Embargo auf Rüstungsgüter und Technologien verhängen, hieß es in einer fraktionsübergreifenden Entschließung, die in Straßburg mit großer Mehrheit verabschiedet wurde.

14:12 Putin stellt der Ukraine ein Ultimatum: Das Nachbarland habe noch einen Monat Zeit, um die Gasschulden in Milliardenhöhe zu zahlen - danach verlange Russland Vorkasse. Zugleich warnte der russische Präsident, dies könne die Gaslieferungen nach Europa beeinträchtigen. Russland wirft der Ukraine vor, Gas aus Transitleitungen abzuzapfen. Kiew weist das zurück. Die Europäische Union warnte ihrerseits Moskau vor einer Unterbrechung der Gasversorgung Europas und erklärte sich zu Gasverhandlungen mit Russland bereit. In einem Brief an Putin mahnte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, die langfristige wirtschaftliche und politische Stabilität der Ukraine sei sowohl für EU als auch für Russland von Bedeutung: "Es liegt daher in unserem gemeinsamen Interesse, rasch Gespräche zu beginnen, die die Ukraine einschließen."

12:32 Journalisten sind in der Ostukraine nach Angaben der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zunehmend Gewalt und Drohungen ausgesetzt. In den Regionen Charkow und Donezk habe es in den vergangenen Tagen etliche Angriffe auf Medienvertreter gegeben, erklärte die OSZE-Beauftragte für Medienfreiheit, Dunja Mijatovic, nach ihrer Rückkehr von einer dreitägigen Ukraine-Reise in Wien. Die Situation habe ein sehr gefährliches Stadium erreicht. Reporter seien entführt, Ausrüstungen zerstört worden. Zudem seien Medienbüros verwüstet und Autos in Brand gesetzt worden. "Die Freiheit der Medien ist ein Spiegelbild der gesamten Sicherheitslage", sagte Mijatovic.

12:07 Putin spricht über den russischen Gasexport. Zwar räumt er ein, dass ein möglichen Importstopp der EU die Wirtschaft Russlands belasten würden. Die meisten Einnahmen bekäme Russland aber durch das Öl. Das Land habe aber auch Partner im Nahen Osten. Die Möglichkeiten der USA, der russischen Wirtschaft zu schaden, seien begrenzt.

11:58 Die Nato wachse wie ein Krebstumor, wettert der moskautreue russische Journalist Dmitri Kiseljow, der für scharfzüngige Attacken bekannt ist. Der Militärpakt habe bereits Osteuropa verschlungen und wolle sich nun auch über Georgien und die Ukraine hermachen. Putin erwidert, Russland beobachte die Erweiterung der Nato. "Wir werden geduldig sein und alles tun, um die Sicherheit der Russen zu garantieren." Amerikanische Abwehrraketen, die in Europa stationiert sind, würden auf Russland zielen, auch wenn das niemand zugeben wolle, behauptet der Kreml-Chef. Wenn sich militärische Einheiten der Nato bei der Erweiterung den russischen Grenzen nähere, müsse Moskau reagieren, warnt Putin.

Wladimir Putin behält sich Recht auf Militäreinsatz vor

11:29 Putin hofft, er sei "nicht gezwungen, Truppen in die Ukraine zu schicken". Der russische Föderationsrat habe ihm das Recht gegeben, Militär zu entsenden. Moskau müsse alles tun, um die Rechte der russischen Bevölkerung zu schützen. Ethnisch unterscheide sich aber die Ostukraine von der Krim. Im Zusammenhang mit der russischen Geschichte sagt Putin, dass einige Gebiete von der früheren russischen Monarchin Katharina der Großen an die Ukraine abgetreten worden seien, das sogenannte "Novorussia".

11:07 Nach Meinung des Kreml-Chefs führt die ukrainische Regierung das Land "in den Abgrund". Weder Flugzeuge noch Panzer könnten die Krise dort beenden, sagte Putin. Das Hauptproblem im Dialog mit Kiew seien die fehlenden Garantien für den Schutz der russischen Minderheit: "Wenn Russland die Wahlen am 25. Mai anerkennt, wer kann garantieren, dass kein Oligarch aus Kiew nach beispielsweise Donezk entsendet wird?"

10:56 Der frühere Präsident der Ukraine, Viktor Janukowitsch, habe laut Putin "viele Male darüber nachgedacht, Gewalt einzusetzen". Aber er habe es nicht über sich gebracht, "den Befehl gegen sein eigenes Volk zu unterschreiben". Putin widerspricht Gerüchten, wonach Janukowitsch aus dem Land geflohen sei. Er war "in einer Region", während die Macht in Kiew trotz der beschlossenen Abkommen übernommen wurde.

10:49 Befragt nach den "Grünen Männern" auf der Krim, die ausgesehen hätten wie "unsere Männer", sagt Putin: Natürlich habe es russische Soldaten gegeben, die auf eine korrekte Umsetzung des Referendums am 16. März geachtet hätten. Sie hätten die "Selbstverteidigungskräfte" der Krim unterstützt.

Wladimir Putin stellt sich Fragen der russischen Bürger im TV

10:42 Putin verspricht den Krim-Bewohnern finanzielle Unterstützung. Ihr Gehalt soll dem von den übrigen Russen angeglichen werden, ebenso sollen sie die gleichen Sozialleistungen erhalten. Investitionen sollen die Wirtschaft auf der Halbinsel ankurbeln, die nicht nur als Flottenstützpunkt, sondern auch als Ferienort bekannt sei.

10:30 Der Kreml-Chef hält es für ein "schweres Verbrechen", dass die Regierung in Kiew bewaffnete Soldaten in den Osten der Ukraine geschickt hat. Über den ukrainischen Nachbarn sagt Russlands Präsident: "Wir werden alle von bestimmten Gefühlen beherrscht, aber wir lieben uns und so müssen wir zu einem gegenseitigen Verständnis kommen."

10:24 Es kommen Fragen zur Krim. Russland habe eine Annexion oder einen Militäreinsatz nie geplant, sagt Putin. Die Menschen auf der Krim hätten ihn um Hilfe gerufen. Es gebe einen "Genozid" an Russen in der Ukraine. Man müsse die Wahl der Menschen respektieren. Bei einer Live-Schaltung nach Sewastopol ertönen "Danke"-Rufe und es wird Putin applaudiert.

10:12 Die Fragerunde mit Wladimir Putin im russischen Staatsfernsehen hat begonnen. Der Präsident betont erneut, dass es keine russische Einmischung oder russische Einheiten im Osten der Ukraine gebe. Derartige Vorwürfe seien "Blödsinn". Russland halte eine Lösung der Krise nur auf diplomatischem Weg für möglich und unter Wahrung der Interessen der Menschen in der Ukraine.

Erstmals direkte Gespräche zwischen Russland und der Ukraine

09:31 In Genf hat das internationale Krisentreffen begonnen, bei dem Möglichkeiten für eine politische Lösung des Ukraine-Konfliktes ausgelotet werden sollen. Darüber wollen im Laufe des Tages die Außenminister der USA, Russlands, der Ukraine sowie die Außenbeauftragte der EU auch in einer gemeinsamen Vierer-Runde beraten. Die ukrainische Delegation hat nach Angaben von Diplomaten Vorschläge für eine stärkere Berücksichtigung der Wünsche ethnischer Russen im Osten des Landes vorbereitet. Zugleich wolle sie Beweise für eine Verstrickung Moskaus in bewaffnete Aktionen prorussischer Separatisten in der Ostukraine vorlegen und die Beendigung dieser Angriffe fordern, hieß es in Delegationskreisen. Die USA ließen durch Verlautbarungen eines hohen Regierungsbeamten durchblicken, dass sie für den Fall des Scheiterns der Genfer Gespräche Kurs auf eine deutliche Verschärfung der Sanktionen gegen Russland nehmen würden.

09:16 Ukrainische Regierungstruppen haben sich nach einer Blockade durch prorussische Bewaffnete und Anwohner aus dem Gebiet Donezk mit 15 gepanzerten Fahrzeugen zurückgezogen. Die Einheit werde in voller Stärke zurück nach Dnjepropetrowsk verlegt, teilte am Donnerstag das Verteidigungsministerium in Kiew mit. Moskautreue Aktivisten hatten am Vortag bei Kramatorsk gewaltlos sechs gepanzerte Fahrzeuge übernommen. Die Mannschaften seien nun in ihre Basis zurückgekehrt, betonte das Ministerium. Die Einheiten sollten eigentlich mit einem "Anti-Terror-Einsatz" gegen Separatisten vorgehen, die in mehreren Städten des Gebiets Donezk staatliche Gebäude besetzt halten.

08:28 Um 10 Uhr deutscher Zeit stellt sich Wladimir Putin den Fragen russischer Zuschauer. Der sogenannte Heiße Draht dauert traditionell mehrere Stunden. Bürger konnten dazu per Telefon und über eine Internetseite Fragen einreichen. Die Organisationen meldeten vorab die Einsendung von 2,5 Millionen Fragen.

Ukraine-Krise: Die Ereignisse vom Mittwoch können Sie hier in unserem Liveticker nachlesen.

Mit Material der dpa und AFP