Die ukrainische Regierung hat einen seit langem angekündigten Spezialeinsatz gegen prorussische Separatisten im Osten des Landes begonnen. US-Präsident Barack Obama hat sich in einem Telefongespräch mit Wladimir Putin beraten. Laut Kreml bestreitet Russlands Präsident eine Einmischung im Nachbarland. Verfolgen Sie die aktuellen Entwicklungen in unserem Newsticker.

17:27 Die ukrainische Armee hat den Flughafen von Kramatorsk unter ihre Kontrolle gebracht, melden mehrere Nachrichtenagenturen unter Berufung auf Augenzeugen. Korrespondenten hätten auf dem Gelände Schüsse gehört. Luftlandesoldaten wurden mit zwei Hubschraubern eingeflogen und hätten den Militärflugplatz von den prorussischen Separatisten zurückerobert, hieß es bei der staatlichen russischen Nachrichtenagentur "Ria Novosti". Nach Angaben eines Vertreters der Separatisten wurden bei der Erstürmung des Flughafens vier Menschen aus ihren Reihen getötet. Es habe auch zwei Verletzte gegeben, sagte er. Auch der ukrainische Übergangspräsident Turtschinow meldet laut der Nachrichtenagentur Interfax die Eroberung des Flughafens.

17:02 Prorussische Milizen haben nach eigenen Angaben einen Hubschrauber-Angriff der Regierungstruppen in mit Waffeneinsatz abgewehrt, twittert ein RTL-Reporter. Die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass berichtet, ein Kampfflugzeug sei abgeschossen worden. Zu den Militäraktionen in Kramatorsk und Slawjansk gibt es noch keine offizielle Bestätigungen.

16:48 Russland will die für den 25. Mai geplante Präsidentenwahl in der Ukraine nicht anerkennen. Moskau werde deshalb zu der "illegitimen" Abstimmung auch keine Beobachter entsenden, sagte der Duma-Abgeordnete Leonid Sluzki am Dienstag der Agentur Interfax zufolge in Moskau. Staatschef Viktor Janukowitsch sei im Februar im Widerspruch zu ukrainischen Gesetzen entmachtet worden. Der kremltreue Politiker Sluzki befindet sich seit dem russischen Anschluss der Krim auf der US-Sanktionsliste.

16:14 Nach verschiedenen Berichten sollen ukrainische Truppen den Flughafen von Kramatorsk stürmen. Er werde von prorussischen Separatisten besetzt. Es gibt Berichte von Verletzten und dem Einsatz von Jets und Hubschraubern über dem Gelände und der Stadt.

15:43 Die ostukrainische Stadt Slawjansk soll von Militäreinheiten der Regierung umstellt sein. Das sagte ein Anführer der prorussischen Separatisten von Slawjansk, Vjacheslaw Ponomarjow, der Nachrichtenagentur Itar-Tass. "Bewaffnete Fahrzeuge und Panzer wurden überallhin gestellt. Wir machen uns bereit. Wenn sie versuchen, in die Stadt vorzudringen, werden wir sie aufhalten müssen", sagte Ponomarjow. "Zeit Online" berichtet, dass einer der ukrainische Soldaten gesagt habe, man warte auf den Befehl, nach Slawjansk einzurücken.

15:22 Sigmar Gabriel droht Russland: Der Bundeswirtschaftsminister forderte den Kreml auf, sich von der Eskalation in der Ost-Ukraine öffentlich klar zu distanzieren. Andernfalls werde die Europäische Union "mit aller ihr zur Verfügung stehenden Härte" reagieren. Deutschland werde sich nicht scheuen, weitere Sanktionen gegen Russland zu verhängen. Der Westen müsse zeigen, dass er nicht nur eine "Zugewinngemeinschaft" sei, sondern auch gemeinsam Völkerrecht und Demokratie verteidige. Für den deutschen Aufschwung sehe er dabei keine echte Gefahr. Sanktionen würden kaum direkte Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum und den Außenhandel haben, sehr wohl aber negative Folgen für das Investitionsklima in Europa, sagte Gabriel.

14:53 Mehrere ukrainische Militärfahrzeuge stehen 40 Kilometer vor der Stadt Slawjansk. Das berichten Reporter des britischen Senders BBC und der Nachrichtenagentur AFP. Darunter seien zehn Panzer, zehn gepanzerte Transporter und sieben Busse mit Spezialkräften des ukrainischen Militärs. Nach Angabe eines "Bild"-Journalisten seien außerdem drei Helikopter vor Ort.

14:15 Der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew wähnt die Ukraine "am Rande eines Bürgerkriegs". Auf seiner Facebook-Seite teilt er seine Sicht von der Lage in der Ukraine mit. Die "Proteste in den Regionen" nennt er eine Reaktion auf das "Staatsverbrechen", den "Putsch in Kiew". "Wichtiger ist aber etwas anderes. Mitleid rufen die Menschen hervor, die zu Geiseln von talentlosen Politikern, die sie nicht gewählt haben, und verantwortungslosen Radikalen werden, die Polizei und Armee ersetzen. Das Machtvakuum wurde durch ein Chaos abgelöst", so Medwedew weiter.

13:29 US-Senator John McCain hat amerikanische Waffenlieferungen an die Ukraine gefordert. Dass Washington die prowestliche Regierung in Kiew nicht mit Waffen unterstütze, sei "absolut unentschuldbar und beschämend", sagte der republikanische Senator bei einem Besuch in Estlands Hauptstadt Tallinn. Die Ukrainer benötigten militärische Mittel, um sich selbst verteidigen zu können. Politiker in Kiew hatten um Waffenlieferungen gebeten. Dies lehnt die US-Regierung bislang jedoch ab.

11:59 Der genaue Umfang der "Anti-Terror-Operation" der Regierung als auch der Einsatzort der Spezialkräfte sind noch unklar. Interimspräsident Alexander Turtschinow teilte mit, die Einheiten würden im Norden des Gebiets Donezk nahe der Grenze zu Russland vorrücken. "Ziel ist der Schutz der Bürger vor Terroristen, die das Land zerreißen wollen", sagte Turtschinow im Parlament. Die Gegner der prowestlichen Führung meldeten Schusswechsel und Verletzte aus der Region. Eine Bestätigung dafür gab es zunächst nicht. Regierungskräfte hätten am Morgen das Feuer auf Straßensperren vor Slawjansk eröffnet, sagte ein Sprecher der Aktivisten. Bewaffnete hätten die Stadt umstellt. Die "Selbstverteidigungskräfte" bereiteten sich auf einen Angriff vor.

11:45 Die Vereinten Nationen sehen keine Hinweise auf systematische Übergriffe auf die russischstämmige Bevölkerung in der Ostukraine. Anderslautende Berichte, mit denen prorussische Separatisten eine Intervention Russlands in dem Konflikt erreichen wollten, seien aufgebauscht, berichtete die UN-Menschenrechtsbehörde laut "Zeit Online". "Auch wenn es ein paar Angriffe auf die ethnisch russische Gemeinschaft gab, waren sie weder systematisch noch weit verbreitet", stellt der UN-Bericht fest. Die Vereinten Nationen forderten die Regierung der Ukraine dazu auf, auch Minderheiten an der Entscheidungsfindung zu beteiligen.

11:19 Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier fordert den Kreml auf, auf Abstand zu den gewaltbereiten Separatisten in der Ukraine zu gehen. "Es wäre gut, wenn Russland sich vom gewaltsamen und widerrechtlichen Vorgehen der prorussischen Demonstranten distanzieren würde", sagte er der Wochenzeitung "Die Zeit".

11:11 Angriff auf zwei prorussische Politiker: Unbekannte bewarfen den Präsidentschaftskandidat Oleg Zarjow mit Eiern, beschimpften und schlugen ihn, nachdem er ein Fernsehstudio verlassen hatte. Mitarbeiter von Zarjow, der sich in einer Klinik behandeln ließ, machten Rechtsextreme für die Attacke verantwortlich. Am Montagabend war schon Michail Dobkin, ebenfalls Bewerber auf das Präsidentenamt für die Wahlen am 25. Mai, auf der Straße angegriffen und mit Mehl beworfen worden.

10:52 Deutschland liefert Gas an die Ukraine: Der Essener Energiekonzern RWE startet als erster europäischer Versorger Gaslieferungen an die Ukraine. Grundlage sei ein RWE-Rahmenvertrag mit dem ukrainischen Staatsunternehmen Naftogaz mit der Option zur Lieferung von jährlich bis zu 10 Milliarden Kubikmetern Gas. Die Lieferungen orientierten sich am europäischen Großmarktpreis einschließlich der Transportkosten in die Ukraine. Das Gas werde über Polen fließen, teilte RWE mit. Russland hatte den Gaspreis für seine Lieferungen in die Ukraine massiv erhöht.

10:28 Verschiedenen Berichten zufolge hat im Norden von Donezk eine sogenannte "Anti-Terror-Operation" der ukrainischen Regierung begonnen. Laut der Nachrichtenagentur Itar-Tass sagte der ukrainische Übergangspräsident Alexander Turtschinow, das Ziel der Militäraktion sei es, "Menschen zu beschützen".

10:21 Der russische Außenminister Sergej Lawrow warnt die ukrainische Übergangsregierung: Sollte die Regierung von Kiew Gewalt gegen Separatisten anwenden, könnten die geplanten Genfer Gespräche scheitern. Die Chancen für Verhandlungen zwischen Russland, der Ukraine, den USA und der EU würden dann erheblich sinken. Lawrow verurteilt die Entsendung von ukrainischen Sicherheitskräften in den Osten des Landes, berichtet die Nachrichtenagentur Itar-Tass.

10:01 Laut Berichten ukrainischer Medien hat es einen Schusswechsel zwischen prorussischen Separatisten und Regierungskräften gegeben. An einer Straßensperre vor der Stadt Slawjansk im Osten des Landes sollen Schüsse gefallen sein. Eine offizielle Bestätigung gibt es nicht.

09:35 Für Donnerstag sind in Genf Gespräche zwischen Russland, den USA, der Ukraine und der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton geplant. Ausgelotet werden sollen Möglichkeiten für eine friedliche Lösung des Konflikts. Die EU-Außenminister beschlossen derweil eine Ausweitung der bislang wegen der Krise verhängten Sanktionen.

09:10 Putin bestritt dem Kreml zufolge eine Einmischung. Dies seien Spekulationen, die auf ungenauen Informationen beruhten, sagte er dem Kreml zufolge in dem Telefonat mit Obama. Grund für die Proteste in den dortigen Städten seien der "Widerwille und die Unfähigkeit" der Kiewer Behörden, die Interessen der russischen und russischsprachigen Bevölkerung zu berücksichtigen. Putin rief demnach seinerseits Obama auf, dieser müsse seinen Einfluss in dem Land geltend machen, um ein Blutvergießen und den Einsatz von Gewalt zu verhindern.

09:03 Kurz vor einem Krisentreffen haben Russlands Präsident Wladimir Putin und sein US-Kollege Barack Obama über die Zuspitzung des Konflikts in der Ukraine beraten. Nach Angaben des Weißen Hauses äußerte sich Obama in einem Telefonat der beiden Staatsoberhäupter am Montagabend sehr besorgt darüber, dass die Regierung in Moskau die prorussischen Separatisten im Osten der Ukraine unterstütze. Nach Angaben des US-Präsidialamtes kam das Telefonat auf Bitten der russischen Regierung zustande. Obama forderte demnach, dass alle irregulären Kräfte in der Ukraine ihre Waffen abgeben müssten. Er rief Putin auf, darauf hinzuwirken, dass die Separatisten die von ihnen besetzten Häuser in mehreren Städten wieder verließen. Zugleich mahnte er, Russland müsse unter anderem die militärischen Einschüchterungen im Grenzgebiet zur Ukraine beenden.

Ukraine-Krise: Die Ereignisse vom Montag können Sie hier in unserem Liveticker nachlesen.

Mit Material der dpa