Nach den Terroranschlägen in Paris stehen eine ganze Reihe Bands vor der Frage, ob sie ihre Konzerte absagen oder stattfinden lassen sollen. Die meisten denken, dass jetzt nicht die Zeit für seichte Unterhaltung sei - andere reagieren mit einer trotzigen "Jetzt erst recht"-Ansage.

Dass die Eagles of Death Metal, die bei dem Anschlag auf das Bataclan am Freitagabend auf der Bühne standen, ihre Europa-Tournee nicht fortsetzen werden, dürfte wohl niemanden überraschen. Die anstehenden deutschen Termine in Köln, München und Bremen werden nach Angaben des Konzertveranstalters Marek Lieberberg ersatzlos gestrichen.


Die Bandmitglieder konnten unverletzt entkommen - ein Mitglied der Crew wurde jedoch getötet. Nick Alexander arbeite nicht nur für Eagles of Death Metal als Merchandise-Manager, sondern auch für Bands wie Sum41 oder MGMT. Dementsprechend groß ist die Anteilnahme der Musiker:



Die irische Band U2 war zum Zeitpunkt der Terroranschläge in Paris, wo sie bereits zwei Konzerte gespielt hatten. Am Abend der Attentate befanden sie sich in der Konzerthalle, in Vorbereitung zweier Konzerte am Samstag und Sonntag, die für den US-TV-Sender HBO aufgezeichnet werden sollten. Beide Auftritte wurden inzwischen abgesagt - auf die Bitte der Polizei hin, wie Bono in einem Radio-Interview sagte. "Die Sicherheitsbehörden haben uns gebeten - und wir haben das natürlich sofort eingesehen - dass wir aus Sicherheitsgründen nicht auftreten sollten."

Bono versprach den Fans im gleichen Interview allerdings auch: "Wir werden nach Paris zurückkommen. Wir werden uns von Terroristen nichts verbieten lassen." Für die kommende Woche sind sechs U2-Konzerte in Irland geplant, die regulär stattfinden sollen.

Auch andere hochkarätige Bands hatten Konzerte in Paris geplant, die nun abgesagt wurden. Motörhead schreiben auf Facebook: "Wegen der ernsten Situation, die unsere Brüder und Schwestern in Paris derzeit durchstehen müssen, haben wir beschlossen, unser Konzert in den Januar zu verschieben."

Die Alternative-Rock-Band Deftones war zum Zeitpunkt der Anschläge ebenfalls in Paris, wo sie ab Sonntag drei Abende im Bataclan auftreten sollte. Laut ihrem Facebook-Post befanden sich mehrere Band- und Crew-Mitglieder bei dem angegriffenen "Eagles of Death Metal"-Konzert - laut Auskunft der Band hätten es aber alle heil herausgeschafft.

Kein Wunder also, dass die Band alle weiteren Auftritte ihrer Europa-Tour abgesagt hat. Bei Facebook schreiben sie: "Manche von uns waren bei dem Konzert im Bataclan, der Rest unserer Familie war nur ein paar Blocks entfernt. [...] Unser Beileid, unsere Liebe und unser Respekt gehen an alle Betroffenen. [...] Wir müssen jetzt nach Hause zu unseren Angehörigen und wir werden zurückkehren, wenn es angemessen ist."

Die britische Elektro-Pop-Band Years & Years hätte am Montag in Paris auftreten sollen. Auch sie sagten den Auftritt aufgrund der Sicherheitslage ab: "Nach den schrecklichen Vorkommnissen in Paris wurden wir angewiesen, unsere Show am Montag im Casino de Paris abzusagen. Unsere Liebe und Gedanken gehen an die Familien und Freunde der Betroffenen. Wir hoffen, unsere Freunde und Fans in Frankreich bleiben stark und sicher - wir lieben Euch".

Coldplay sagten ein Konzert, das weltweit live im Internet angeboten werden sollte, kurzfristig ab. "Wir schicken unsere Liebe und Gebete an die Menschen in Paris. Für alle Fans, die schon beim Konzertsaal angekommen, oder gerade noch auf dem Weg sind, werden wir ein kurzes Set mit älteren Liedern spielen, damit ihre Reise nicht ganz umsonst war."

Die Foo Fighters hätten am Montag in Paris spielen sollen, sagten aber den gesamten Rest ihrer Europa-Tour ab. Als Grund für die Absage der Konzerte in Barcelona, Turin und Lyon nennen sie die internationale Trauer und geschlossene Grenzen: "Mit großer Traurigkeit und tiefstem Mitgefühl für alle Menschen in Paris, sehen wir uns gezwungen, den Rest unserer Tour abzusagen. Im Angesicht der sinnlosen Gewalt, geschlossener Grenzen und internationaler Trauer können wir nicht weitermachen. Man kann es nicht anders sagen. Es ist verrückt und es fühlt sich beschissen an."

Eine der wenigen, die trotz der Terroranschläge auf der Bühne standen, war Madonna. Sie sagte, dass sie lange überlegen musste, ob sie ihre Tour fortführe, habe sich letztlich aber dafür entschieden. Nach ihrem Konzert in Stockholm schreibt sie auf Facebook: "Die Show heute Abend war nicht einfach, aber es war so viel Liebe in der Arena, dass es sich für mich anfühlte, als würden wir die Dunkelheit in Licht verwandeln. Und das ist unser Job als Menschen."

Die deutsche Punk-Band Donots hat sich laut ihres Facebook-Status' ebenfalls Gedanken gemacht, ob sie ihre Tour zu Ende führen soll - und sich dafür entschieden:

(mom/dh)