Twenty-one shades of Angela Merkel

Seit 2005 lenkt Angela Merkel die Geschicke Deutschlands und wenn nichts schief geht, wird sie das noch mindestens vier Jahre lang tun. Ein Grund, einen Blick auf die eiserne Kanzlerin zu werfen und zu fragen: Wer ist sie, unsere Angela?

Aller Anfang ist schwer. Das musste auch Kohls "Mädchen" erfahren, als sie beschloss, nach der Wende die Politik im Sturm zu erobern. Manch ein Pressetermin mutete wie ein Streich am neuen Azubi an, aber da stand sie drüber.
Zehn Jahre später war Angela Merkel CDU-Vorsitzende und entthronte den Medienkanzler Schröder mit ungeschminkter Wahrheit und unprätentiösem Auftreten. Die Geburt der Raute war damals schon zu ahnen.
Fortan wehte ein frischer Wind in Deutschland, der die Männer zurücktreten ließ und dem muffigen Patriarchat der bundesdeutschen Staatsführung blieb nicht anderes übrig, als die stille Hand im Hintergrund zu markieren.
Sie bewies, dass man weder vor alten Männern in weißen Kutten Angst zu haben braucht, selbst wenn einem Unwohl ist ...
... noch vor weniger alten, dafür noch viel merkwürdigeren Männern, über deren alberne Possen sie stets diplomatisch hinwegzulachen wusste.
Manchmal heißt es eben einfach Augen zu und durch!
Als Bundeskanzlerin ist man halt immer im Fokus, immer im Mittelpunkt, muss für jeden Fehler geradestehen und dauernd zeigt irgendeine Gurke mit dem Finger auf dich.
Aber denen kann man auch elegant und staatsmännisch den Rücken zeigen. Mit manchen wird man einfach nicht warm.
Da ist es im Ausland schon sehr viel angenehmer. Da ist man stets umworben, wird geherzt - und wen man alles kennenlernt in zwölf Jahren: Würde man alle Politiker, die Angela Merkel überlebt hat, aneinanderreihen, könnte man den Atlantik überqueren, ohne nasse Füße zu bekommen.
Manche suchen die Nähe ...
... manchen kann man auch einfach nur zeigen, wie groß und schön Deutschland eigentlich ist.
Gut, manche treiben es zu weit und dann muss man ihnen die Grenzen zeigen, auch mal Tachales reden oder Grenzen ziehen.
Aber selbst der größte Lausebengel sieht dann ein, dass er noch viel zu lernen hat und steckt nicht auch im größten Rabauken tief im Inneren ein Herz aus Gold?
Und hilft nix anderes, und jemand hört nicht auf, Unsinn zu reden, dann tut man einfach so als verstünde man kein Wort.
Belohnt wird man dafür mit tiefen Momenten der Eintracht, Geborgenheit und, ja: Zärtlichkeit.
Wenn nur nicht immer diese nervigen Pflichten jenseits der Politik wären, Dinge, die selbst die geduldigste Frau auf die Palme bringen würden!
Und dann erst dieser schreckliche Karneval mit diesen dämlichen Horror-Clowns und Prinzen und Garden und Dauerlutschern.
Und ständig muss man auf irgendwelche Fußballspiele auf Tribünen, so hoch über den Spielern, dass man sich die Brille vom Volker Kauder leihen muss.
Manches ist auch einfach totales Neuland von höchst fragwürdigem Nutzen.
Doch am Ende des Tages und Jahres bewahrt man Würde und Haltung. Da heißt es Rückgrat hissen, das Glanzsakko recken und einfach weiterregieren. Also auf die nächsten vier Jahre, Angela. Klare Raute und ruhige See!
Neue Themen
Top Themen