In Istanbul sind am Dienstag zehn deutsche Touristen getötet worden, sieben weitere wurden verletzt. Die türkische Regierung hat schnell einen Täter benannt. Dieser prompte Ermittlungserfolg ist bemerkenswert, wirft aber dennoch Fragen auf: Was ist bekannt, was sind Vermutungen?

Offene Fragen:

  • Wie konnte die Identität des Attentäters so schnell ermittelt werden? Es ist extrem schwierig, nach Selbstmordanschlägen mit Körperbomben die Täter zu identifizieren. In der Regel warten die Behörden meist auf eine DNA-Analyse - wie im Fall der Pariser Anschläge.
  • Welche Hinweise sprechen für eine Täterschaft der Extremisten?
  • Wieso wurden die Informationen über den Täter so schnell bekanntgegeben? Gab es ein politisches Interesse? Spielten ermittlungstaktische Gründe eine Rolle?
  • Wieso konnten die Behörden so schnell mutmaßliche IS-Mitglieder, beziehungsweise Terrorhelfer ausmachen?
  • Wieso reagierte die Türkei nicht auf die Warnungen des Geheimdienstes MIT?
  • Weshalb verhängte die türkische Regierung am Dienstag umgehend eine Nachrichtensperre?
  • Wurden bei dem Anschlag tatsächlich gezielt deutsche Touristen ins Visier genommen oder war es tragischer Zufall?

Was wir wissen:

Uhrzeit und Tatort

  • im Altstadtviertel Sultanahmet in Istanbul hat es am Dienstag um 10:15 Uhr (Ortszeit 09:15 Uhr) eine Explosion gegeben - in der Nähe des ägyptischen Obelisken, des Deutschen Brunnen, der Blauen Moschee und der Hagia Sophia
  • ein Selbstmord-Attentäter hat eine Bombe inmitten einer deutschen Reisegruppe gezündet
  • "Cumhurriyet" berichtet, die Detonation hat ein ein Meter tiefes Loch in den Boden gerissen, die Explosion war kilometerweit zu hören
  • im Netz kursiert ein Foto, dass die Explosion zeigen soll:
Dieses Bild soll die Explosion zeigen.

Die Opfer

  • insgesamt gilbt es elf Tote, zehn davon sind Deutsche, einer ist der Attentäter
  • sieben weitere Deutsche sind in Krankenhäusern in Istanbul, fünf von ihnen auf der Intensivstation
  • es gibt drei Leichtverletzte, die noch am Mittwoch aus dem Krankenhaus entlassen werden sollten
  • unter den deutschen Opfern sind mehrere Touristen der Lebenslust Touristik GmbH Berlin
  • aus Sachsen: eine 70-jährige Frau aus Leipzig sowie zwei 51 und 75 Jahre alte Männer aus Dresden sind unter den Todesopfern
  • bei den Opfern aus Rheinland-Pfalz handelt es sich um ein Ehepaar aus Mainz - einen 61 Jahre alten Mann und seine 59 Jahre alte Frau - sowie einen 73 Jahre alten Mann aus Bad Kreuznach
  • bei dem Opfer aus Hessen handelt es sich nach Angaben der Staatskanzlei um einen 67 Jahre alten Mann aus Stadtallendorf
  • zwei Eheleute im Alter von 71 und 73 Jahren aus Falkensee in Brandenburg sind ums Leben gekommen
  • ein Urlauber aus Berlin kam ums Leben
  • die von den Anschlägen betroffene Reisegruppe eines Berliner Veranstalters wird von Seelsorgern betreut
  • die Bundeswehr bietet einen Rücktransport der Opfer nach Deutschland an

Der Täter

  • der Selbstmordattentäter von Istanbul stammt aus Saudi-Arabien
  • er hat das Land offenbar bereits 1996 im Alter von acht Jahren mit seiner Familie verlassen
  • der 27 Jahre alte Nabil Fadli hatte Berichten zufolge die syrische Staatsbürgerschaft

Mögliche Hintermänner

  • der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu macht die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) für den Anschlag verantwortlich; der Selbstmordattentäter habe der Terrormiliz IS angehört
  • in Antalya wurden drei russische Staatsbürger festgenommen, die Moskauer Sicherheitskreisen zufolge wegen ihrer Kontakte zu Terrorgruppen bekannt sind
  • es gibt offenbar Informationen, dass sie Verbindung zu ausländischen terroristischen Gruppierungen gehabt hätten oder sogar Mitglied gewesen seien
  • einer der Männer werde mit russischem und internationalem Haftbefehl gesucht; die zwei anderen hätten Russland vor Jahren verlassen, um sich in Nahost als Terroristen ausbilden zu lassen
  • ein Verdächtiger ist nach Angaben des türkisches Innenminister Efkan Ala festgenommen worden

Sicherheitslage

  • der türkische Geheimdienst MIT soll mit einem Anschlag auf Touristen gerechnet haben
  • das Auswärtige Amt hat nach Angaben von Angela Merkel eine Krisenstab eingerichtet
  • das Auswärtige Amt sprach am Dienstag einen Reisehinweis aus; Reisenden in Istanbul und anderen Großstädten der Türkei werde dringend geraten, Menschenansammlungen auch auf öffentlichen Plätzen und vor touristischen Attraktionen zu meiden

Wichtig: Das Auswärtige Amt rät deutschen Urlaubern "dringend", alle Menschenansammlungen in der Millionenstadt zu meiden. Die Reisehinweise auf der Homepage des Ministeriums wurden am Dienstag entsprechend aktualisiert.

(far/dpa)