Im Streit mit Deutschland pocht Staatspräsident Erdogan auf die Unabhängigkeit der türkischen Justiz. Einmischungen aus Deutschland verbittet er sich. Doch er findet auch versöhnliche Töne.

Im Streit mit Deutschland hat sich der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan jede Einmischung in die inneren Angelegenheiten seines Landes verbeten.

CSU-Chef kritisiert Erdogan scharf - auch Sigmar Gabriel äußert sich.


Die Türkei sei "ein demokratischer, sozialer Rechtsstaat", sagte er am Sonntag in Istanbul vor seiner Abreise nach Saudi-Arabien. "Niemand hat das Recht, sich in inneren Angelegenheiten der Türkei einzumischen."

Erdogan will gegen "Provokateure" vorgehen

Die Türkei werde "alles in ihrer Macht stehende tun", um gegen "Provokateure" im Land vorzugehen. Deutschen Politikern warf er vor, auf Kosten der Türkei Wahlkampf zu betreiben.

Auch die Berichterstattung zur Lage in der Türkei kritisierte er. Die Angriffe auf die Türkei und insbesondere auf ihn selbst in den Medien seien "unverzeihlich".

Präsident betont "strategische Partnerschaft"

Der Präsident betonte allerdings zugleich die "strategische Partnerschaft" zwischen Deutschland und der Türkei. "Wir sind zusammen in der Nato. Wir sind ein Beitrittskandidat der EU", sagte Erdogan. "Es sollten keine Schritte unternommen werden, die diese Partnerschaft überschatten."

Türkische Justiz sei unabhängig

Erdogan verwies erneut auf die Unabhängigkeit der türkischen Justiz. Er betonte zudem, bei Berichten, dass gegen deutsche Firmen in der Türkei wegen Terrorunterstützung ermittelt werde, handele es sich um "Lügen".

Allerdings gebe es solche Ermittlungen gegen türkische Firmen. Er warf Deutschland ein weiteres Mal vor, Terroristen aus der Türkei Unterschlupf zu bieten, statt diese auszuliefern.

Scharfe Kritik von Steinmeier

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und CSU-Chef Horst Seehofer hatten Erdogan zuvor scharf angegriffen.

Zwischen Deutschland und der Türkei wird das Klima immer frostiger.


"Viele, die auch in diesem Staat kooperativ auch mit ihm und seiner Partei in den letzten Jahren gearbeitet haben, werden jetzt verfolgt, werden ins Gefängnis gesteckt, werden mundtot gemacht. Und das können wir nicht hinnehmen", sagte Steinmeier in einem ZDF-Interview.

Steinmeier begrüßte auch den offenen Brief von Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) an die in Deutschland lebenden Türken. Er könne sich vorstellen, dass bei den drei Millionen Deutschtürken der Schmerz am allergrößten sei, wenn sie beobachteten, dass die Brücken, die von vielen gebaut worden seien, von Ankara abgerissen würden. (dpa/ank)
© dpa