Wegen des Spionageverdachts gegen den türkischen Geheimdienst MIT ermittelt jetzt die Bundesanwaltschaft. Die Ermittlungen richten sich gegen unbekannte MIT-Angehörige, wie eine Sprecherin der Karlsruher Behörde am Dienstag sagte.

Es gehe dabei um den Verdacht der geheimdienstlichen Agententätigkeit. "Der Ermittlungserfolg wird wesentlich davon abhängen, was uns unsere Spionageabwehrbehörden an Erkenntnissen mitteilen." Zuvor hatten mehrere andere Medien darüber berichtet.

Anhänger der Gülen-Bewegung wohl im Visier

Der Verfassungsschutz geht dem Verdacht nach, dass der MIT in großem Umfang angebliche Anhänger der Gülen-Bewegung in Deutschland ausspioniert hat. Diese macht Ankara für den gescheiterten Putsch im Juli 2016 verantwortlich.

Offenbar in der Hoffnung auf Unterstützung hatte der MIT dem Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes (BND) im Februar eine Liste mit mehr als 300 Namen überreicht. Stattdessen warnten deutsche Sicherheitsbehörden die Betroffenen.

Das Recherchenetzwerk von "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR hatte berichtet, die an Kahl überreichte MIT-Liste enthalte Meldeadressen, Handy- und Festnetznummern sowie viele Fotos von Betroffenen.

Bundesregierung findet scharfe Worte

Eine Auswertung habe ergeben, dass etliche Fotos offenbar heimlich - etwa durch Überwachungskameras - aufgenommen worden seien.

Die Bundesregierung reagierte empört auf die mutmaßliche Ausforschung. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) stellte am Dienstag klar: "Spionageaktivitäten auf deutschem Boden sind strafbar und werden von uns nicht geduldet. Das gilt für jeden ausländischen Staat und auch für jeden Nachrichtendienst."

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) sprach von einem "schwerwiegenden Vorgang", sollten sich die Anschuldigungen bestätigen.