Im Streit mit Deutschland erhebt Recep Tayyip Erdogan Propaganda-Vorwürfe: Von Ermittlungen gegen deutsche Firmen wegen angeblicher Terrorunterstützung könne keine Rede sein. Unterdessen stuft der deutsche Verfassungsschutz die Türkei als "Gegner" ein.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat die Vorwürfe der Bundesregierung wegen der Inhaftierung deutscher Staatsbürger zurückgewiesen und Investoren Schutz zugesichert.

Recep Tayyip Erdogan: "Deutschland muss sich besinnen"

Zur Kritik von Bundesaußenminister Sigmar Gabriel, der von Investitionen in der Türkei abgeraten hatte, sagte Erdogan: "Deutschland muss sich besinnen. Mit solchen Drohungen kann es uns niemals Angst machen."

Im Zusammenhang mit Forderungen der Bundesregierung nach einer Freilassung deutscher Gefangener wie Deniz Yücel, Mesale Tolu Corlu oder Peter Steudtner aus der Untersuchungshaft sagte Erdogan: "Sie müssen wissen, dass unsere Justiz unabhängiger ist als ihre."

Bundesregierung gewähre Terroristen Unterschlupf

Der Präsident warf Deutschland erneut vor, Terroristen Unterschlupf zu gewähren. "Die Regierung, die Terroristen aus der Türkei in Deutschland versteckt, muss erst Rechenschaft darüber ablegen."

Berichte, wonach im Zuge von Terrorvorwürfen gegen deutsche Unternehmen ermittelt werde, wies Erdogan als "böse Propaganda" zurück.

"So, wie wir die in der Türkei tätigen deutschen Firmen in Sicherheit haben arbeiten lassen, genauso werden wir sie auch weiterhin in Sicherheit arbeiten lassen. Deren Garantie sind wir. Deren Sicherheit sind wir."

Bundesregierung beschließt Konsequenzen für Türkei.

Er fügte hinzu: "So, wie allen internationalen Investoren stehen auch deutschen Firmen die Türen unseres Landes und Herzen unseres Volkes sperrangelweit offen." Firmen mit deutschen Wurzeln hätten "eine besondere Stellung".

Erdogan betonte: "Es wurde keine Ermittlung, keine Untersuchung gegen eine einzige deutsche Firma eingeleitet. Das ist alles gelogen. Von hier aus möchte ich meine deutschen Freunde und die ganze Welt an Folgendes erinnern: Eure Kraft reicht nicht aus, um die Türkei anzuschwärzen."

Deutschland besitze "Reichtum durch Zufall"

Die Deutschen "kennen auch den freien Handel nicht. Mit dem Reichtum, den sie durch Zufall erlangt haben, drohen sie jetzt." Die verschärften Reisehinweise nannte Erdogan "unangebracht".

Bundesfinanzminister richtet drastische Wort an Präsident Erdogan.

Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim hatte sich kurz vor Erdogans Ansprache für eine Deeskalation im Streit mit Deutschland ausgesprochen. "Mein Appell hier lautet, mit Besonnenheit zu handeln", sagte Yildirim in Ankara.

"Es bringt weder Deutschland noch der Türkei etwas, wenn die Beziehungen geschädigt werden."

Yildirim plädierte dafür, die Spannungen nicht weiter zu erhöhen. Den politischen Kurs der Regierung gibt aber Erdogan vor.

Verfassungsschutz sieht Türkei als "Gegner"

Unterdessen hat der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, die Türkei als einen "Gegner" Deutschlands bezeichnet. Dies bezieht Maaßen allerdings auf nachrichtendienstliche Belange.

"Wir betrachten die Türkei spätestens seit dem Putschversuch im vergangenen Sommer und den Veränderungen der türkischen Innenpolitik als Nachrichtendienst nicht nur als Partner, sondern mit Blick auf Einfluss-Operationen in Deutschland auch als Gegner", sagte Maaßen bei einer Veranstaltung in Berlin.

Türkische Nachrichtendienstler verhalten sich "teilweise statuswidrig"

Es gebe zahlreiche Einflussnahmen auf die türkischstämmige Gemeinschaft in Deutschland. "Das erfüllt uns mit Sorge", sagte Maaßen.

Türkische Nachrichtendienstler verhielten sich in Deutschland "teilweise statuswidrig".

Grünen-Parteichef Cem Özdemir kritisierte, dass die Bundesregierung dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nicht schon viel früher entgegengetreten sei.

"Dass der lange Arm Erdogans bis in deutsche Moscheen und türkische Vereine reicht, ist leider nichts Neues. Dass nun aber der oberste Verfassungsschützer davor warnen muss, zeigt, wie ernst die Lage ist - und wie lange die Bundesregierung geschlafen hat."© dpa

Lukas Podolski macht mit, ebenso wie die Türkei-Chefs diverser Weltkonzerne: Mit einem Werbespot wirbt die Türkei im deutschen Fernsehen für sich. Nun stoppen die Sender n-tv und N24 die Ausstrahlung jedoch.