Die Bundesregierung lehnt ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen rigoros ab. Dabei lohnt sich ein Blick nach Brandenburg und Nordrhein-Westfalen: Untersuchungen belegen, dass eine Geschwindigkeitsbegrenzung die Zahl der Toten, der Verletzten und der Unfälle allgemein deutlich reduziert hat.

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In der Diskussion um eine allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Autobahnen hat sich die Bundesregierung klar positioniert. "Deutsche Autobahnen sind die sichersten Straßen weltweit", hatte Verkehrsminister Andreas Scheuer der "Bild am Sonntag" erklärt, daher gebe es keinen Anlass, über ein Tempolimit nachzudenken.

Solche Überlegungen seien "gegen jeden Menschenverstand", so Scheuer, "Forderungen, die Zorn, Verärgerung, Belastungen auslösen oder unseren Wohlstand gefährden, werden nicht Realität und lehne ich ab".

Am Montag stellte zudem Regierungssprecher Steffen Seibert klar, dass die Große Koalition kein allgemeines Tempolimit plane. "Es gibt auch noch intelligentere Steuerungsmöglichkeiten als ein allgemeines Tempolimit", sagte Seibert.

Häufig wird in der Debatte darauf verwiesen, dass es keine zuverlässigen Daten gebe, welche die Sinnhaftigkeit von Tempolimits belegten. Doch wie "Spiegel Online" berichtet, gibt es durchaus Studien und Beispiele, die allen Gegnern einer Geschwindigkeitsbegrenzung zu denken geben sollte.

Studie in Brandenburg belegt Sinnhaftigkeit von Tempo 130

In Brandenburg wurden die Auswirkungen untersucht, nachdem auf einem 62 Kilometer langen Autobahnabschnitt zwischen den beiden Autobahndreiecken Wittstock/Dosse und Havelland in Brandenburg 2002 ein Tempolimit von 130 km/h eingeführt wurde.

Das eindeutige Ergebnis der 2007 veröffentlichten Erhebung für die Unterschiede vor und nach Einführung des Limits: "Bei einer angeordneten Geschwindigkeitsbegrenzung für Pkw von 130 km/h auf den vorhandenen unbegrenzten Streckenabschnitten entsteht ein Nutzen für die Allgemeinheit."

Ein Sprecher des Ministeriums für Infrastruktur des Landes Brandenburg, das die Studie zum Download anbietet, kommt daher zu dem Schluss: "Ein besseres Beispiel für die Auswirkung von Tempo 130 auf die Verkehrssicherheit gibt es in Deutschland wohl nicht."

Dieser Nutzen wirkt sich folgendermaßen aus:

  • Die Zahl der Unfälle wurde fast halbiert: von 654 Unfällen in den drei Jahren vor der Geschwindigkeitsbegrenzung auf 337 Unfälle während der drei Jahre mit Maximaltempo 130 km/h.
  • Die Zahl der Verletzten auf dem untersuchten Autobahnabschnitt sank von 1.850 auf 799 Menschen - das ist mehr als die Hälfte.
  • Von 1996 bis 2002 verloren 38 Menschen ihr Leben auf der untersuchten A24, seit der Einführung von Tempo 130 km/h starben dort 19 Verkehrsteilnehmer, die Zahl konnte also halbiert werden.

Tempolimit bedeutet nicht automatisch längere Fahrzeit

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Die Einführung einer Geschwindigkeitsbegrenzung führt nicht zu signifikant längeren Reisezeiten. Stattdessen werde der Verkehrsfluss harmonisiert.

Bei unbegrenzter Geschwindigkeit kamen die Autofahrer mit einer mittleren Geschwindigkeit von 137 km/h auf vierspurigen Abschnitten und 142 km/h auf sechsspurigen Abschnitten voran. Bei Tempolimit 130 waren es 127 km/h bzw. 132 km/h - bei insgesamt deutlich weniger Schwankungen zwischen den gefahrenen Geschwindigkeiten.

Beispiel aus NRW: Kein Verkehrstoter seit 2017

Die Wirksamkeit eines Tempolimits für die allgemeine Verkehrssicherheit zeigt auch eine Maßnahme aus Nordrhein-Westfalen. Auf dem Autobahnabschnitt der A4 zwischen Elsdorf und Merzenich in Nordrhein-Westfalen wurden zwischen 2014 und 2017 neun Menschen bei schweren Unfällen getötet und zahlreiche andere Verkehrsteilnehmer verletzt.

Seit der Einführung eines Tempolimits von 130 km/h kam dort seit 2017 kein Autofahrer mehr ums Leben, wie der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) erklärt.

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Verwendete Quellen:

  • www.spiegel.de: "Tempolimit senkt Unfallzahlen drastisch"
  • Studie: Auswirkungen eines allgemeinen Tempolimits auf Autobahnen im Land Brandenburg (2007), bereitgestellt vom brandenburgischen Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung