Vier Tage nach den Terror-Anschlägen in Paris mit mindestens 132 Todesopfern steht die Welt noch immer unter Schock. Weil sich drei der Selbstmordattentäter vor dem Stade de France in die Luft sprengten und mindestens einer von ihnen beim Länderspiel zwischen Frankreich und Deutschland ein Massaker anrichten wollte, gelten sportliche Großveranstaltungen als gefährdeter denn je.

Der Tenor in Europa ist überall gleich: Wir lassen uns nicht unterkriegen! Würden sich die Menschen aus Angst vor weiteren Terror-Anschlägen verkriechen, hätten die Terroristen ihr Ziel erreicht. Man solle weiter rausgehen und das Leben genießen.

Genau aus diesem Grund findet am heutigen Abend auch das Freundschaftsspiel zwischen Deutschland und der Niederlande (20:45 Uhr) in Hannover wie geplant statt.


Überhaupt werden am heutigen Abend wieder viele Fußballspiele ausgetragen - ob nun in Österreich, England, Dänemark oder Slowenien.

Nicht aber in Belgien. Das geplante Freundschaftsspiel gegen Spanien im König-Baudouin-Stadion, wo etwa 50.000 Fans erwartet worden wären, wurde auf Anraten der Regierung abgesagt. Die Terrorwarnstufe steht auf drei. Das bedeutet: Eine Bedrohung sei "möglich und wahrscheinlich".

Stadien sind sicher, ein Restrisiko bleibt

Helmut Spahn, der bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland für die Sicherheit zuständig gewesen ist, weiß um die Gefahr großer Sportereignisse.

"Die mediale Aufmerksamkeit, die der Sport und insbesondere der Fußball erfährt, ist natürlich auch attraktiv für Terroristen. Man weiß, wenn etwas geschieht, würden die Medien in der ganzen Welt darüber berichten", erklärte er in der ARD-Sportschau. "Sport hat eine unheimliche Kraft, zu verbinden und Grenzen zu überschreiten. Es ist ein Stück weit eine Message der Terroristen, dies zerstören zu wollen."

Der Sicherheitsexperte hält unsere Stadien zwar für sicher. Dass der Attentäter in Paris nicht durch die Personenkontrolle kam, stützt diese These. Doch ein Restrisiko würde immer bestehen bleiben.

Dieses Restrisiko so gering wie möglich zu halten, ist zum Beispiel die Aufgabe von Carsten Klauer. Er ist der geschäftsführende Gesellschafter der POWER Personen-Objekt-Werkschutz GMBH in Hamburg. Das Unternehmen ist unter anderem bei allen Heimspielen des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV für die Sicherheit zuständig.


So auch kommenden Freitag, wenn rund 57.000 Zuschauer die Partie gegen Borussia Dortmund besuchen. Es wird das erste Bundesligaspiel nach den Anschlägen von Paris sein.

"Wir sind gut aufgestellt und haben bei jedem Spiel ein gutes Team vor Ort. Aber sicherlich wird es nach Paris ein paar Anpassungen in der personellen Stärke und dem Setzen von Schwerpunkten geben", sagt er. Genauere Auskünfte möchte er nicht geben - aus Sicherheitsgründen.

"Veranstaltungen im öffentlichen Bereich, die ohne Umgrenzung stattfinden, sind schwieriger abzusichern als ein Stadion", sagt Klauer. "Allerdings ist ein großes Fußballspiel schwieriger abzusichern als zum Beispiel ein Volleyballspiel, das in einer geschlossenen Halle stattfindet und wo die Besucherzahl nicht so hoch ist."

Bessere Schulung für Ordner

Zwischen 400 und 600 Ordner sind bei jedem Heimspiel des HSV vor Ort. Die Ausbildung der Sicherheitskräfte wurde in der jüngeren Vergangenheit intensiviert.

Vor zehn Jahren gab es für Einsteiger lediglich einen eintägigen Theorieunterricht sowie eine kleine Einführung im Stadion, wo speziell die Einlasskontrollen geübt wurden. Heutzutage finden zusätzlich einwöchige Schulungen statt.

Themen wie Psychologie und deeskalierende Maßnahmen stehen dort auf dem Stundenplan. Trotzdem wäre nicht jeder Ordner dazu in der Lage, einen gewaltbereiten Menschen aufzuhalten.


Daher stehen Spezialkräfte an jedem Eingang parat, um notfalls einzugreifen - oft sind diese nicht als Ordner erkenntlich.

Nicht alle Sicherheitsmaßnahmen in den Stadion werden publik gemacht. Unbestritten ist aber, dass zum Beispiel bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 genauer kontrolliert wurde als heutzutage bei einem Bundesligaspiel.

Klauer erzählt: "Ausnahmslos alle Besucher wurden während der WM abgetastet. Es hat auch mehrstufige Taschen- und Fahrzeugkontrollen gegeben."

Nicht ausgeschlossen, dass aufgrund der erhöhten Terror-Gefahr damalige Methoden bald wieder angewandt werden. Ohnehin wird das Sicherheitskonzept regelmäßig angepasst.

Aufwändige Kontrollen wie an einem Flughafen, wo Metalldetektoren zum Einsatz kommen, hält Klauer allerdings für unwahrscheinlich: "Das ist realistisch kaum umsetzbar."