Über die genauen Hintergründe des Terroranschlags in London herrscht weiter Unklarheit. Ebenso darüber, ob Khalid Masood Komplizen hatte. Mittlerweile gab es Festnahmen. Alle Informationen, was bekannt ist und was nicht, auf einen Blick.

Beim Terroranschlag auf der Westminster-Brücke und am Parlament im Herzen Londons hatte ein Angreifer mindestens vier Menschen getötet und rund 50 weitere verletzt, einige von ihnen schwer.

Der Täter wurde erschossen, nachdem er einen Polizisten niedergestochen hatte.

WAS WIR WISSEN

  • Der Täter

Scotland Yard geht von einem Einzeltäter aus, der "vom internationalen Terrorismus inspiriert wurde". Wie die Polizei bekannt gab heißt der Täter Khalid Masood.

Er ist demnach 52 Jahre alt und Brite. Sein Geburtsname lautet Adrian Russell Ajao. Nachdem er konvertiert war, hat er diesen geändert.

Premierministerin Theresa May sagte, Masood sei bereits einschlägig polizeibekannt.

Er sei in der Vergangenheit wegen "gewalttätigen Extremismus" unter Beobachtung der Behörden gewesen. Das liege aber bereits Jahre zurück. Es habe keine aktuellen Verdachtsmomente gegen den Massod gegeben.

  • Der Hintergrund

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) beansprucht den Anschlag für sich. Ein "Soldat" des IS habe die Operation ausgeführt, meldete das IS-Sprachrohr Amak.

Der Angreifer sei damit Aufrufen gefolgt, Bewohner von Staaten der "internationalen Koalition" anzugreifen.

Damit ist die Anti-IS-Koalition unter Führung der USA gemeint, der unter anderem Großbritannien, Frankreich und Deutschland angehören.

Die Echtheit der Nachricht ließ sich zunächst nicht überprüfen. Sie wurde aber über die üblichen IS-Kanäle verbreitet.

  • Die Tat

Nach Angaben der Polizei raste der Täter mit einem Auto in Passanten auf der Westminster-Brücke. Er fuhr wenige hundert Meter weiter und krachte mit dem grauen Hyundai i40 in den Zaun des Parlamentsgebäudes.

Danach sprang er aus dem Wagen und lief auf das Gelände des Parlaments. Dort stach er mit einem langen Messer einen unbewaffneten Polizisten nieder. Anschließend wurde er von einem anderen Beamten erschossen.

  • Die Toten

Es gab neben dem Angreifer mindestens vier Tote. Die Toten auf der Westminster-Brücke sind ein etwa 50-jähriger Tourist aus den USA und eine 43-jährige Britin mit spanischen Wurzeln.

Auch der niedergestochene Polizist - ein 48-jähriger Beamter - starb. Laut Scotland Yard war er "Ehemann und Vater".

Ein 75-jähriger Mann starb ebenfalls im Krankenhaus an den Folgen seiner schweren Verletzungen.

  • Die Verletzten

Mindestens 40 Menschen wurden nach Polizeiangaben verletzt, einige trugen "katastrophale Verletzungen" davon. Am Morgen befanden sich laut Scotland Yard sieben im kritischen Zustand.

Die Verletzten, darunter auch Schüler, seien "verschiedener Nationalität". Nach offiziellen Angaben ist auch ein Deutscher unter den Verletzten.

Verletzt wurden daneben unter anderem mindestens drei französische Schüler, zwei rumänische, zwei griechische und vier südkoreanische Staatsbürger sowie ein Pole, ein Italiener, ein Amerikaner, ein Chinese und ein Ire.

Unter den Schwerverletzten sind auch zwei Polizisten.

  • Die polizeilichen Maßnahmen

Die Polizei nahm Ermittlungen wegen Terrorverdachts auf. Nach Angaben der Polizei waren am Tag nach der Attacke zusätzliche Beamte in London unterwegs, um die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten.

  • Die Festnahmen

Nach dem Terroranschlag hat die Polizei zwei weitere Personen festgenommen. Die Festnahmen seien in der Region um Birmingham (West Midlands) und im Nordwesten des Landes erfolgt, teilte Scotland Yard am Freitag mit.

Die Behörde stufte die Festnahmen als wichtig ein.

Bei Razzien in London, Birmingham und anderen Orten waren mehrere Menschen festgenommen worden. Laut BBC befinden sich aktuell neun Personen in Gewahrsam.

WAS WIR NICHT WISSEN

  • Hintergrund der Tat

Nach Aussage des britischen Verteidigungsministers Michael Fallon gehen die Ermittler davon aus, dass der Anschlag "in Verbindung zum islamistischen Terrorismus" steht.

Inzwischen reklamiert die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) den Anschlag für sich. Diese Verbindung ist allerdings noch nicht von offizieller Seite bestätigt.

Zudem stellt sich die Frage, ob der gebürtige Brite seinen Anschlag bewusst genau ein Jahr nach den Attentaten in Brüssel begangen hat.

  • Mögliche Mittäter

Scotland Yard vermutet, dass es sich um einen Einzeltäter gehandelt hat, schließt aber Mitwisser oder Mittäter nicht aus. Im Fokus der Ermittlungen stehen laut dem Sprecher "Motivation, Vorbereitungen und seine Komplizen".

Unklar war zunächst, in welcher Beziehung die nach den Hausdurchsuchungen Festgenommenen zu dem Täter standen.

Terroranschlag in London: Aktuelle News und Hintergründe

(dpa/afp/mgb/cai)