In Propagandavideos preist Russland den Eingriff in den syrischen Bürgerkrieg als Vorgehen gegen den Terror. Nun hat ein Korrespondent des russischen Staatsfernsehens ein verstörendes Musikvideo veröffentlicht, das Bilder des Bürgerkrieges aus der Luft zeigt.

Marschflugkörper mit todbringender Ladung, Militärkleidung und Souvenirs mit patriotischem Design, Kampfjets, die Bomben abwerfen – Russlands Propagandamaschinerie läuft auf Hochtouren. Seit der Kreml militärisch in Syrien eingreift, beherrscht Moskaus Intervention die Medien. Videos von Luftangriffen im zerbombten Bürgerkriegsland und Computergrafiken werden veröffentlicht.

Der Kreml bezeichnet die Luftangriffe als Präventivschlag. Die Terroristen müssten in Syrien getötet werden, damit sie nicht nach Russland kommen, heißt die schlichte Formel. "Die Sicherheit Russlands wird auch in Syrien verteidigt", meint Regierungschef Dmitri Medwedew. Wie bestellt nimmt der FSB dieser Tage zwölf Männer fest, die Anschläge geplant haben sollen. Staatsmedien präsentieren die angeblichen IS-Anhänger wie Trophäen.

Propagandavideo wie Videogame

Nun ist ein neues Propagandavideo aufgetaucht, eines das ziemlich verstört. Denn es ist wie der Trailer eines Videogames inszeniert. Während Bilder der Zerstörung des Bombens gezeigt werden, läuft im Hintergrund eine Art Ego-Shooter-Musik. Immer wieder zu hören: "You got it". Die hochauflösenden Aufnahmen einer Drohne zeigen syrische Soldaten im Angriff gegen die Rebellen. Sie zeigen Trümmerlandschaften, Bombenangriffe, einstürzende Häuser, vorrückende Panzer, Rauchschwaden über der Stadt.

Offensiver gegen die Rebellen in Damaskus

Wie die "New York Times" berichtet, soll das Video Szenen aus Damaskus bei einer Offensive der syrischen Armee im Stadtbezirk Jobar zeigen. Veröffentlicht hat sie Alexander Pushin auf Facebook und YouTube. Er ist Kameramann des russischen Staatsfernsehens. Über den Bildern ist das Kürzel des Staatsfernsehens VGTRK als Wasserzeichen zu sehen. "Russia Works" – Pushins Unternehmen – ist ebenfalls eingeblendet. Bisher hat das Video auf YouTube 1,1 Millionen Views erzielt und fast 900 Kommentare erhalten.

Der Stadtteil Jobar ist von Rebellen und syrischer Armee hart umkämpft. Es besteht teils nur noch aus Ruinen, die Bewohner sind längst geflohen. Jobar ist strategisch wichtig. Der Stadtteil ist Verkehrsknotenpunkt und führt in das Stadtzentrum.

Mehrere Fronten gegen Rebellen

Die syrische Armee hatte vergangene Woche einen größeren Angriff südlich Aleppos gestartet. Das Militär eröffnete nach Angaben von moderaten Rebellen mehrere Fronten gleichzeitig, um Geländegewinne zu erzielen. Auch im Norden Aleppos gingen Kämpfe um einen Luftwaffenstützpunkt weiter, den Russland für seine Flugzeuge benutzen könnte.

Die Luftwaffe des Landes fliegt seit mehr als zwei Wochen Luftangriffe in Syrien. Regierungschef Dmitri Medwedew erklärte zu Russlands vom Westen kritisierten Engagement. "Erstens verteidigen wir unsere nationalen Interessen, und zweitens haben wir die Zustimmung der örtlichen Führung", sagte er in einem am Samstag ausgestrahlten Interview des russischen Staatsfernsehens. Vorwürfe etwa der USA, wonach Russland mit seinem Militäreinsatz vor allem Baschar al-Assad im Amt halten wolle, wies Medwedew zurück. (far/dpa)

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