Donald Trump heizt die Stimmung im Syrien-Konflikt weiter an. Per Twitter droht er Russland direkt mit einem Militärschlag. Und das unmittelbar, nachdem der Kreml die USA zur Besonnenheit aufgerufen hat.

Nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff in Syrien hat US-Präsident Donald Trump Russland damit gedroht, dass ein Militärschlag in dem Bürgerkriegsland unmittelbar bevorstehe.

"Russland hat geschworen, alle Raketen abzuschießen, die auf Syrien abgefeuert werden. Mach Dich bereit, Russland, denn sie werden kommen, schön und neu und smart! Du solltest Dich nicht mit einem Tier verbünden, das mit Gas mordet und sein Volk tötet und sich daran erfreut", schrieb Trump am Mittwoch im Kurznachrichtendienst Twitter.

Der Präsident gab Russland somit direkt und öffentlich eine Mitschuld für die Entwicklung.

Kreml droht USA mit Gegenmaßnahmen

Russland wird nach Angaben seines Botschafters im Libanon jegliche US-amerikanische Rakete auf syrisches Hoheitsgebiet abfangen.

"Sollte es einen Angriff vonseiten Amerikas geben (...), werden die Raketen abgeschossen und die Objekte angegriffen, von denen sie abgefeuert wurden", sagte Alexander Sassypkin im libanesischen Fernsehen, wie die Agentur Interfax am Mittwoch meldete.

Zuvor hatte der Kreml die USA zur Besonnenheit nach den Giftgasvorwürfen in Syrien aufgerufen. "Hoffentlich vermeiden alle Länder Schritte", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Mittwoch in Moskau der Agentur Tass zufolge. Dies gelte vor allem für Maßnahmen, die die ohnehin fragile Situation in der Region weiter destabilisieren könnten.

Syrische Regierung attackiert USA

Die syrische Reaktion auf die Twitter-Attacke von Trump ließ derweil nicht lange auf sich warten. Syriens Regierung warf den USA eine Verschärfung der Krise vor. "Diese rücksichtslose Eskalation durch ein Land wie die USA, das Terrorismus in Syrien unterstützt hat und noch immer unterstützt, überrascht uns nicht", zitierte die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana am Mittwoch eine ungenannte Quelle im Außenministerium.

Es sei nicht ungewöhnlich für "das amerikanische Regime, das als Luftwaffe für Daesh" gedient habe, sich die "Erfindungen und Lügen" der "Terroristen in Ost-Ghuta" anzueignen, um Syrien zur Zielscheibe zu machen, fügte die Quelle demnach hinzu. Daesh ist der arabische Name für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Syrien sei bereit, mit einem "unabhängigen und nicht-politisierten" Komitee neutraler Länder zu kooperieren, um Vorwürfen einer mutmaßlichen Giftgasattacke in der Stadt Duma nachzugehen, hieß es weiter.

Die USA machen Assads Regierung für den mutmaßlichen Angriff auf die von Rebellen kontrollierte Stadt Duma in Ost-Ghuta verantwortlich und haben bereits in den vergangenen Tagen mit militärischen Schritten gedroht.

Die syrische Armee und ihre Verbündeten im Land wurden schon in der Nacht zu Dienstag in volle Alarmbereitschaft versetzt.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte, Angriffe auf "chemische Kapazitäten" in Syrien seien möglich. Frankreich tausche sich mit Partnern aus, vor allem mit den USA und mit Großbritannien. "Wir werden unsere Entscheidung in den kommenden Tagen mitteilen."

Merkel gibt syrischer Regierung Mitverantwortung

Bundeskanzlerin Angela Merkel gab der syrischen Regierung am Mittwoch erstmals eine mögliche Verantwortung an dem Angriff.

"Es gibt schwere Indizien, die in Richtung des syrischen Regimes zeigen. Auf der Grundlage werden dann auch die weiteren Bewertungen durchgeführt werden", sagte Merkel.

An Spekulationen über einen Militärschlag wollte sich Merkel aber nicht beteiligen. Sie bedauerte, dass der UN-Sicherheitsrat bisher keine Resolution zu dem Thema zustande gebracht hat.

Russland betont, die Rebellen hätten den Angriff inszeniert. Moskau ist im Bürgerkrieg ein enger Verbündeter der syrischen Regierung.

Bei dem gemeldeten Giftgaseinsatz auf die von Rebellen kontrollierte Stadt in Ost-Ghuta am Samstag sollen nach Angaben der Hilfsorganisation Weißhelme mindestens 42 Menschen getötet worden sein. Mehr als 500 Personen wurden demnach in Krankenhäusern behandelt.

Das US-Außenministerium erklärte, Kenntnis von mindestens 85 Todesopfern zu haben. "Wir wissen, dass es eine chemische Substanz war, die bei diesem Angriff in Syrien eingesetzt wurde, aber gegenwärtig wissen wir noch nicht, welche Substanz eingesetzt wurde", sagte Ministeriumssprecherin Heather Nauert.

Die Vereinten Nationen sprachen unter Berufung auf Berichte von mutmaßlich 49 Getöteten und Hunderten Verletzten. Auf welche Berichte sich das UN-Büro für Abrüstung dabei berief, war unklar.

Am Dienstag scheiterten im UN-Sicherheitsrat gleich drei Syrien-Resolutionen.

(ms/dpa)

Giftgaseinsätze in Syrien seit 2013.
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