Sultan Kabus baute den Oman von einem abgeschotteten Landstrich in einen modernen Staat um. Nun starb der so geliebte wie absolute Herrscher. Wer seine Nachfolge antreten soll, war zunächst unklar. Doch Kabus hinterließ einen geheimnisvollen Brief mit seinem letzten Willen, der jetzt geöffnet wurde.

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Wenn ein absoluter Herrscher stirbt und seine Untertanen weinen, macht das erst einmal skeptisch. Gehirnwäsche, Zwang, Schauspielerei? Wohl nicht im Oman - dort ist die Trauer echt. Denn das Volk liebte seinen "Vater". Und das, obwohl den Omanis echte Mitbestimmung verwehrt blieb. Sultan Kabus starb am Freitag nach schwerer Krankheit und fast 50 Jahren als Herrscher des arabischen Staates.

Als er sich am 23. Juli 1970 an die Macht putschte und seinen Vater aufs Altenteil verbannte, hatte das Land gerade einmal zehn Kilometer asphaltierte Straße. Und nicht nur das, wissen seine Untertanen zu berichten: "Es gab keine Gärten, keine Straßen, kein (elektrisches) Licht", sagte ein Taxifahrer, während sein voll klimatisierter Wagen über eine der perfekt geteerten Fahrbahnen in der Hauptstadt Maskat glitt.

Die Straßen sind nur ein Beispiel für die Errungenschaft der Ära Kabus. Die medizinische Versorgung wurde kostenlos und erreicht in den Städten sogar westliches Niveau. Auch Schulen sind beitragsfrei. Zudem wurden Renten für Alte, Witwen und Waisen sowie ein Mindestlohn eingeführt. Erdöl hat den Oman und seine Bewohner wohlhabend, aber nicht so größenwahnsinnig wie andere Golfstaaten gemacht.

Der Oman als "Schweiz des Nahen Ostens"

Stabilität und Wohlstand haben Kabus zum unumstrittenen Alleinherrscher gemacht. Und das, obwohl er seinem Volk Freiheitsrechte verwehrte, für die in anderen Ländern Aufstände losbrechen. Die Medien im Sultanat sind gelenkt, politische Mitbestimmung gibt es praktisch nicht - auch wenn der Herrscher es mit viel Fingerspitzengefühl verstand, auf die Bedürfnisse der verschiedenen Teile der Gesellschaft einzugehen.

Menschenrechtsorganisationen kritisieren die eingeschränkte Meinungs- und Versammlungsfreiheit. So berichtete Human Rights Watch von Haftstrafen für Facebook und Twitter-Nutzer, die angeblich Gott oder den Sultan beleidigt hätten. Doch im Oman blieb es auch während des Lauffeuers der arabischen Aufstände 2011 vergleichsweise ruhig. Der Herrscher erließ kleinere Reformen. Das Jahr der Umstürze zog unbeschadet an ihm vorbei.

Kabus baute das Land auch zu einem führenden Mittler der internationalen Diplomatie aus. Über viele internationale Konflikte wurde im und mit dem Oman verhandelt. So wurde die Basis für den Atomdeal mit dem Iran auch im Sultanat geschaffen. Voraussetzung dafür war, dass sich der Oman einen Namen als "Schweiz des Nahen Ostens" gemacht hatte und als neutral gilt.

"Das Sultanat hat eine gute Beziehung mit allen Ländern. Dies ist einer der Eckpfeiler für die Beziehung des Omans mit allen Ländern", sagte Außenminister Jusuf Bin Alawi dazu. Ein phrasenhaftes Zitat. Trotzdem aber auch ein zutreffendes.

Auf den neuen Sultan wartet viel Arbeit

Kabus zeigte sich in den vergangenen Jahren kaum noch öffentlich und schickte meistens seine Minister. In der 2011 eröffneten prachtvollen schneeweißen Oper Maskats blieb ein Stuhl seit Jahren leer: Der mit rotem Samt überzogene Opernthron des Sultans. Zeitweise musste Kabus sich in Garmisch-Partenkirchen behandeln lassen. In die bayerische Stadt reiste Kabus gerne - und kam bis kurz vor seinem Tod immer zurück. Der Mann mit dem akkurat gestutzten weißen Bart litt Medienangaben zufolge an Krebs.

Der kinderlose Kabus hatte für den Tag der Tage auch mit einem im Sultanat legendären Brief vorgesorgt. Darin legte er fest, wer sein Nachfolger werden soll. Der mit Siegeln verschlossene Umschlag wurde am Samstag im Verteidigungsrat des Landes feierlich geöffnet und dann der letzte Wille des Verstorbenen verlesen: Neuer Herrscher ist sein 65 Jahre alter Cousin Haitham bin Tarik Al Said, bisher Kulturminister. Noch am Samstag legte er seinen Eid ab.

Der neue Sultan steht vor großen Herausforderungen. Ähnlich wie in Saudi-Arabien besteht sein Haushalt zum allergrößten Teil aus Ölgeld, das eines Tages ausgehen wird. Die Region bleibt zudem konfliktreich. Die Iran-Krise und den Bürgerkrieg im benachbarten Jemen erlebt der Oman aus unmittelbarer Nähe. Wie sein Vorgänger will auch Sultan Haitham als Vermittler auftreten und gute Beziehugen zu allen pflegen. Auf ihn wartet viel Arbeit. Und ein Volk, dessen Liebe er sich erst einmal verdienen muss. (dpa/kad)

Heiko Maas: Kriegsgefahr wegen Nahost-Konflikt ist vorerst gebannt

Die unmittelbare Kriegsgefahr, die es in den vergangenen "ganz konkret" gegeben, ist vorerst gebannt, sagte Bundesaußenminister Heiko Maas am Freitag in Brüssel. Der Irak dürfe nicht zum Schauplatz einer Auseinandersetzung zwischen den USA und dem Iran werden, sagte Maas weiter.