Katalonien stellt sich gegen den spanischen Staat: In einem von der Regierung als illegal eingestuften Referendum stimmen die Katalanen für oder gegen einen Verbleib bei Spanien. Kaum sind die Wahllokale geöffnet, gibt es erste Zusammenstöße zwischen Abstimmenden und Polizei.


In Katalonien hat ein umstrittenes und vom spanischen Verfassungsgericht untersagtes Referendum über die Unabhängigkeit der Region begonnen.

War die Situation zunächst relativ friedlich, brachten sich wenig später Einheiten der aus Madrid entsandten Polizei vor Wahllokalen in Stellung. Inzwischen droht die Situation zu eskalieren: Die Guardia Civil setzt Gummigeschosse gegen Menschen ein, um sie vom Wählen abzuhalten.

In sozialen Medien kursieren Fotos und Videos von schlagenden, schubsenden und tretenden Polizisten, daneben verletzte Katalanen. Berichten zufolge wurden mindestens 38 Menschen verletzt.

Schon vor Öffnung der Wahllokale hatten sich Hunderte Menschen vor den Gebäuden gesammelt, um ein Eingreifen der Polizei zu verhindern. Teils hielten sie potenzielle Wahllokale die ganze Nacht über besetzt.

Polizei hindert Wähler an Stimmabgabe

An einigen Orten sei die Lage angespannt, berichtete das spanische Fernsehen schon am frühen Sonntagvormittag. Sicherheitskräfte gingen teils energisch gegen Wähler vor, um sie an der Stimmabgabe zu hindern.

In dem Ort Sant Julià de Ramis drangen sie mit Gewalt in eine Schule ein, um die Wahlurnen sicherzustellen. Dabei schlugen sie auch die Scheibe der Eingangstür ein.

Der Chef der katalanischen Regionalregierung, Carles Puigdemont, hat seine Stimme daher im nahe gelegenen Dorf Cornellá de Terri abgegeben, berichtete das spanische Fernsehen.

Bei der Befragung können die Wähler Berichten zufolge in jedem Wahllokal abstimmen, unabhängig davon, wo sie gemeldet sind. Wie mehrfache Stimmabgaben verhindert werden sollen, war unklar.

Die Menschen reagierten friedlich auf die Aktionen der Polizei, hielten ihre Hände in die Höhe und stimmten Lieder an. Die katalanische Polizei war zuvor dem Befehl, Schulen und andere Wahllokale abzuriegeln, nicht nachgekommen.

"Bei uns läuft alles rund, die Wahllokale sind offen und die Bürger wollen wählen", sagte der Bürgermeister des Ortes Arenys de Munt nordöstlich von Barcelona der Deutschen Presse-Agentur. "Das ist Demokratie."

Wahlurnen und Stimmzettel beschlagnahmt

In Barcelona seien erste Abstimmungsunterlagen sichergestellt worden, teilte das Innenministerium in Madrid via Twitter mit. Man habe Wahlurnen und Stimmzettel beschlagnahmt.

Das Ministerium teilte zudem ein Video, in dem zu sehen ist, wie die Urnen fortgetragen werden.

Mehr als 5,3 Millionen Menschen sind aufgerufen, bis 20:00 Uhr in einem der 2.315 Wahllokale ihre Stimme abzugeben.

Seit Wochen hatte die Zentralregierung in Madrid versucht, die Befragung mit allen Mitteln zu verhindern.

(ank)

Mit Material der dpa