Die Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) hat die britischen Angaben bestätigt, nach denen der frühere russische Doppelspion Sergej Skripal mit dem Nervengift Nowitschok vergiftet wurde. Die Experten der OPCW sagten aber nichts über die Herkunft des Giftes. Russland hat Verdächtigungen erneut zurückgewiesen.

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Die Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) nennt in einem Untersuchungsbericht, der am Donnerstag veröffentlicht wurde, zwar nicht den Namen des Kampfstoffes, mit dem Sergej Skripal vergiftet wurde. Die Analysen der Boden- und Gewebeproben "bestätigen" aber die Ergebnisse der britischen Wissenschaftler.

Diese hatten Anfang April festgestellt, dass Nowitschok verwendet worden war. Nowitschok war in der früheren Sowjetunion hergestellt worden.

Nach Angaben der OPCW wird der Name des Giftes sowie die genaue Struktur des chemischen Giftes im vollständigen Bericht genannt. Der sei aber nicht öffentlich zugänglich.

Chemiewaffenexperte: Gift weist auf staatliches Labor hin

Einem deutschen Chemiewaffenexperten zufolge weist das verwendete Gift auf ein staatliches Labor hin. Darauf deute der im Bericht genannte hohe Reinheitsgrat des Kampfstoffes hin. Zudem hätten die OPCW-Experten nur geringe Verunreinigungen festgestellt, sagte der Chemiker und Toxikologe Ralf Trapp.

"Es wurde Arbeit investiert in die Reinigung des Kampfstoffes", erläuterte Trapp. Das sei typisch für Substanzen aus einem staatlichen Labor oder staatlichen Programm.

Zwar weise ein hoher Reinheitsgrad auf ein staatliches Labor hin, aber dieser könnte bei der Suche nach den Drahtziehern des Anschlags auch ein Nachteil sein: Denn Verunreinigungen können Experten helfen, die Ursprungsquelle des Nervengifts herauszufinden.

Russland weist Verdächtigungen zurück

Die russische Regierung hat Verdächtigungen im Fall des vergifteten Ex-Agenten Sergej Skripal erneut zurückgewiesen.

Russland habe keine anderen Kampfstoffe besessen als jene, die der OPCW gemeldet worden seien, sagte der stellvertretende Industrieminister Georgi Kalamanow.

Sie seien alle bis 2017 unter Aufsicht der OPCW vernichtet worden, bekräftigte er.

Kalamanow sagte der Agentur Interfax zudem, die Herkunft des Gifts könne gar nicht eindeutig bestimmt werden, weil es dafür keine klaren Indikatoren gebe.

Sitzung im UN-Sicherheitsrat beantragt

Unterdessen hat Großbritannien im Fall Skripal eine Sitzung des UN-Sicherheitsrats beantragt. Das bestätigte das britische Außenministerium am Donnerstag in London.

Die Sitzung werde für kommende Woche erwartet. Großbritannien will dann über die Ergebnisse der Untersuchung von Experten der OPCW beraten.

Sergej Skripal weiterhin ernsthaft krank

Skripal und seine Tochter Julia waren Anfang März im südenglischen Salisbury vergiftet worden. Julia wurde kürzlich aus dem Krankenhaus entlassen. Ihr Vater wird weiter in der Klinik behandelt.

Er ist seiner Tochter zufolge ernsthaft krank. Auch sie selbst leide noch unter den Folgen der schweren Vergiftung.

London hatte Moskau als Drahtzieher des Anschlags beschuldigt. Das wiederum wurde von Russland vehement zurückgewiesen.

Der Streit führte zu schweren diplomatischen Krise zwischen Großbritannien und dem Westen. Dutzende Diplomaten wurden wechselseitig ausgewiesen. (dh/cai/ank/dpa)

In einer ersten Meldung hatten wir Berichte übernommen, dass die Herkunft des Giftes eindeutig geklärt werden konnte. Das hat sich bisher jedoch nicht bestätigt.