Der italienische Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat den Wählern die Schuld für die chaotische Regierungsbildung gegeben.

"Es ist eine große Verwirrung. Ich muss sagen, die Italiener haben sehr schlecht gewählt. Und das, was folgt, wird immer schlimmer", sagte der Chef der konservativen Forza Italia am Freitag bei einer Veranstaltung in der südlichen Region Molise. "Ich schaue mit Grausen darauf, was gerade passiert." Seit der Wahl am 4. März rangeln die Parteien um eine neue Regierung. Berlusconi selbst hatte mit seiner Partei starke Einbußen hinnehmen müssen.

Zwar lag sein Mitte-Rechts-Bündnis mit 36 Prozent vorne, darin holte aber die rechtspopulistische Lega die meisten Stimmen. Stärkste Einzelpartei wurde die Fünf-Sterne-Bewegung, die Berlusconi eine "Partei der Arbeitslosen" nannte. Beiden fehlt allerdings eine Mehrheit zum Regieren. Die Sterne wollen mit Mitte-Rechts nur eine Koalition eingehen, wenn Berlusconi nicht dabei ist.

Zuletzt sollte Senatspräsidentin Maria Elisabetta Alberti Casellati in der verfahrenen Situation Mehrheiten für eine Regierung ausloten. Am Freitag erklärte sie, dass Staatspräsident Sergio Mattarella nun über das weitere Vorgehen entscheide. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa will sich Mattarella zwei Tage zum Nachdenken Zeit nehmen.

Der Europaparlamentspräsident und Berlusconi-Verbündeter Antonio Tajani forderte indes in der "Schwäbischen Zeitung" (Samstag) eine künftige italienische Regierung auf, dem Land eine stärkere Rolle in Europa zu verschaffen. Allerdings müssten die Forderungen an Brüssel realistisch sein, sagte Tajani. Rom könne keine Flexibilität von Brüssel verlangen, wenn es darum gehe, laufende Ausgaben zu steigern.  © dpa