Der frühere Vize-Kanzler, Außenminister und SPD-Chef Sigmar Gabriel hat Bundeskanzlerin Angela Merkel für ihre fehlende Führung in der Innen- wie der Außenpolitik scharf kritisiert. Er glaubt, dass die neu gewählte CDU-Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer noch vor den Bundestagswahlen 2021 ins Kanzleramt einzieht.

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Der ehemalige SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel rechnet damit, dass Kanzlerin Angela Merkel noch im Laufe der Legislaturperiode ihr Amt an die neue CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer abgibt.

"Ich persönlich glaube nicht, dass Angela Merkel so dumm ist, Annegret Kramp-Karrenbauer zweieinhalb Jahre wie so einen Pudel neben sich herlaufen zu lassen", sagte Gabriel der "Augsburger Allgemeinen" (Samstag).

Weiter sagte Gabriel, Merkel habe große Vorzüge wie viel Humor und dass sie ihr Amt nicht wie eine Monstranz vor sich hertrage; das habe der Politik gutgetan.

Gabriel: "Die Menschen wünschen sich Führung"

"Aber jetzt leben wir in einer Phase, in der sich die Menschen wieder mehr Führung wünschen", sagte er. "Sie empfinden es als nicht ausreichend, wenn die ganze Welt kopfsteht und keiner in der Politik mal sagt: Übrigens, wir wollen da lang, um da durchzukommen."

Der frühere Außenminister kritisierte insbesondere Merkels Europapolitik gegenüber Frankreich: "Was immer Emmanuel Macron vorschlägt: Deutschland lässt ihn am ausgestreckten Arm verhungern." Dafür habe er keine Erklärung. "Wir verpassen eine Riesenchance, vielleicht die letzte, die wir haben."

Kurz vor dem Jahrestag der neuen schwarz-roten Koalition war am Wochenende in Teilen von Union und SPD ein Streit über die Zukunft der Regierung Merkel ausgebrochen.

AKK als Kanzlerin hat keine Mehrheit in der SPD

Die Werte-Union, eine besonders konservative Gruppe von Unionspolitikern, brachte am Freitag einen baldigen Wechsel im Kanzleramt ins Gespräch.

Mehrere SPD-Politiker schlossen für den Fall eines vorzeitigen Rückzugs Merkels aus, dass ihre Partei Kramp-Karrenbauer zur Kanzlerin wählen könnte. (dpa/hau)

Aus der einstigen Ausnahme ist ein Dauerzustand geworden: Deutschland hat sich an die große Koalition gewöhnt. CDU/CSU und SPD legten sie im März 2018 gegen ihren Willen neu auf. Es mehren sich die Anzeichen, dass sie vor dem Aus steht.