"Geschwätz": Der russische Außenminister Sergej Lawrow äußert sich auf der Münchner Sicherheitskonferenz zu Vorwürfen der Wahlbeeinflussung in den USA - und ruft die EU, Nato und USA zu mehr Zusammenarbeit mit Russland auf.

Sergej Lawrow hat gelassen auf die von der US-Justiz erhobenen Wahlbeeinflussungs-Vorwürfe gegen 13 Russen reagiert. "So lange wir die Fakten nicht haben, ist alles andere Geschwätz", sagte Lawrow am Samstag auf der Münchner Sicherheitskonferenz.

Einen weitergehenden Kommentar lehnte der russische Chef-Diplomat deshalb ab.

US-Sonderermittler Robert Mueller hat 13 Russen wegen des Versuchs angeklagt, die Präsidentschaftswahl 2016 in den Vereinigten Staaten beeinflusst zu haben. Sie wurden wegen Bundesverbrechen angeklagt und wegen des Versuchs, dem politischen System der USA zu schaden, wie der stellvertretende Chefankläger Rod Rosenstein am Freitag mitgeteilt hatte.

Die Angeklagten halten sich in Russland auf, sind daher für die US-Justiz nicht greifbar. Die Anklage vom Freitag ist ausdrücklich nicht gegen die russische Regierung gerichtet.

Lawrow: Russland wie Schüler behandelt

Der russische Außenminister hat EU, Nato und die USA außerdem zu einem respektvollen Umgang mit seinem Land aufgefordert. In den 1990er-Jahren sei Russland wie ein Schüler behandelt worden, heute werde von einer Bedrohung durch Russland gesprochen, klagte Lawrow. Dies habe zu einer "Lähmung" geführt.

Es werde "Propaganda" betrieben, der wachsende Einfluss Russlands werde in negativem Kontext behandelt. Dabei wolle Russland ein verlässlicher Partner sein. Lawrow versicherte: "Wir sind bereit, in einen offenen, von Respekt getragenen Dialog einzutreten." Das solle Grundlage der Beziehungen mit der EU, aber auch mit den USA und anderen sein.

Lawrow rief zu mehr Zusammenarbeit auf, insbesondere mit der EU, auch in internationalen Konflikten, etwa im Nahen Osten. "Wir möchten eine berechenbare EU, eine starke EU haben, die ein verantwortungsvoller Akteur ist im außenpolitischen Rahmen weltweit", erklärte er.

Vorwürfe gegen die Ukraine

Zur Ukraine-Krise sagte Lawrow: "Wie kein anderes Land möchten auch wir, dass die Krise gelöst wird." Er klagte allerdings, die Ukraine werde vor die "falsche Wahlmöglichkeit" gestellt, sich entweder Russland oder der EU zuzuwenden.

Es werde versucht, die Ukraine dazu zu bringen, dass sie sich entscheiden müsse. Zudem warf Lawrow der Ukraine vor, Friedensbemühungen im Normandie-Format zu sabotieren.

Bei dem Format treffen sich Russland, Ukraine, Frankreich und Deutschland.  © dpa

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