Bei neuen Kämpfen in der Ostukraine haben die prorussischen Separatisten den Regierungstruppen die gezielte Zerstörung von Wohnvierteln mit Brandbomben vorgeworfen. Mehrere Menschen sollen verletzt worden sein.

In der ostukrainischen Separatistenhochburg Donezk sind in der Nacht heftige Gefechte ausgebrochen. In unmittelbarer Nähe zum Stadtzentrum sei Artilleriefeuer zu hören gewesen, berichten AFP-Reporter. Die Kämpfe begannen gegen 02:00 Uhr nachts (01:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit) und dauerten zwei Stunden später unvermindert an. Es sind die heftigsten Kämpfe seit der Einigung auf einer Waffenruhe Anfang September.

Das ukrainische Militär hatte am Freitag das Eindringen einer großen Panzerkolonne von Russland aus in den Osten der Ukraine gemeldet. Laut dem ukrainischen Armeesprecher Andrej Lyssenko hätten 32 Panzer zusammen mit 30 Lastwagen voller Kämpfer, 16 Haubitzen sowie weiterem Militärgerät die Grenze zu der von prorussischen Separatisten kontrollierten Region Lugansk überquert.

Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) bestätigten die Aussagen von Lyssenko und zeigten sich "sehr besorgt" über die Verlegung des militärischen Geräts in den Osten der Ukraine. Der OSZE-Vorsitzende Didier Burkhalter rief in einer Pressemitteilung alle Beteiligten auf, die geltende Waffenruhe einzuhalten. "Es ist von entscheidender Bedeutung, dass alle Seiten die Minsker Vereinbarungen strikt einhalten und alles unterlassen, was zu einer neuen Eskalation führen könnte", erklärte der Schweizer.

Setzt Kiew Brandbomben ein?

Bei der von der OSZE beobachteten Bewegung einer großen Kolonne handle es sich um eine notwendige Rotation in den Reihen der Aufständischen, sagte der Vizekommandeur der Aufständischen Eduard Bassurin. Ein Teil der Kämpfer müsse angesichts des Artilleriebeschusses durch ukrainischen Truppen neue Stellungen beziehen.

Zugleich warf er den Regierungstruppen am Sonntag vor, mit Brandbomben gezielt auf Wohnviertel losgegangen zu sein. Zwei Aufständische seien getötet, ein weiterer verletzt worden. Die Kämpfe an der Front hätten sich intensiviert, sagte Bassurin.

Die proeuropäische Führung in Kiew hatte im April ihre "Anti-Terror-Operation" begonnen. Dabei starben bisher nach UN-Angaben mehr als 4.000 Menschen. Das Blutvergießen dauert trotz einer seit zwei Monaten gültigen Waffenruhe an. (ank/dpa/afp)