(sal) - Anfang September haben wir unseren Usern eine einfache, aber sehr persönliche Frage gestellt: "Wo waren Sie am 11. September 2001?" Die Resonanz war überwältigend: Uns erreichten so viele Emails, dass wir gar nicht alle veröffentlichen können. Wir danken jedoch allen Teilnehmern, dass sie ihre doch sehr emotionalen Erinnerungen mit uns geteilt haben. Lesen Sie hier den zweiten Teil unseres Dossiers.

Am 9.11.2001 kam ich gegen 14.30 Uhr von meiner Umschulung nach Hause. Ich machte mir etwas zu essen. Das Radio lief, aber ich habe nicht so genau zugehört, deshalb dachte ich erst, es würde ein neuer Katastrophenfilm vorgestellt.

Der Beitrag war aber zu lang für eine Rezension, deshalb hörte ich genauer hin. Es hieß, ein Turm des World Trade Centers würde brennen. Ich schaltete den Fernseher ein, um mir die Sache anzusehen. Uli Wickert hat moderiert und er war ganz fertig, das konnte man sehen.

Irgendwann kam dann die Nachricht, dass auch der zweite Turm brenne, und dass ein Flugzeug hinein gerast sei. Die spektakulären Bilder vom Anflug und Aufprall des Flugzeugs gab es aber erst ein oder zwei Tage später. Mein erster Gedanke damals war: "Oh mein Gott, wenn so etwas möglich ist, dann ist alles möglich, dann gibt es keine Sicherheit mehr." Mein zweiter Gedanke war allerdings: "Das ist doch nichts neues, das kennst du doch." Ich habe sexuellen Missbrauch überlebt, das hat eine ähnliche Wirkung.

- Anonym -

Ich war am 11.9.2001 mit meinen Kindern vor dem Fernseher und habe den zweiten Flugzeugangriff live übers Fernsehen miterlebt. Nachdem ich zwei Jahre zuvor, im Februar 1999, selbst in New York sein durfte (hatte eine Reise von vier Tagen New York gewonnen), habe ich vor dem Fernseher geweint. Ich war fassungslos. Wer war nur zu einer solchen Gräueltat fähig? Ich war 1999 selbst auf und im World Trade Center. Auch sehe ich mir die Fotos, die ich vom World Trade Center aus von New York gemacht habe, noch sehr oft an.

Jedes Jahr schnürt es mir die Kehle zu und ich muss immer noch weinen, wenn ich nur daran denke oder die Bilder im Fernsehen oder in meinem Fotoalbum ansehe. Damals stand ich auf dem World Trade Center neben der Antenne, zwei Jahre später musste ich mit ansehen, wie Menschen aus dem 84. Stock in den Tod sprangen. Es tut mir in der Seele weh, wenn ich daran denke, wie viele Menschen ihre Liebsten auf diese Weise verloren haben. Am schlimmsten war für mich der Einsturz der zwei Türme. Mir blieb vor Schreck das Herz stehen, mein Mann schaltete den Fernseher aus, da meine Kinder und ich zu sehr schrien und weinten. Jedes Jahr stelle ich am 11.9. Kerzen auf, schaue in mein Fotoalbum und lasse meinen Tränen freien Lauf. Ich denke an jene, die ihr Leben lassen mussten und an ihren Angehörigen.

- Claudia Dicker -

Zum Zeitpunkt des Anschlags auf das World Trade Center befand ich mich gerade hinter dem Mond. Nun, nicht wirklich, aber zumindest kam es mir so vor. An diesem Tag hatte ich nämlich gerade festgestellt, dass die Handwerker, die in meiner Wohnung Dämmplatten installiert hatten, dabei das Sat-Kabel gekappt und, diesen Umstand raffiniert verbergend, dessen traurige Reste in die Buchse zurückgestopft hatten.

So war ich also ohne Empfang, abgeschnitten vom Rest der informierten Welt, als der Anruf eines Freundes kam, ich sollte doch dringend den Fernseher einschalten. Dort gab es dann ein Schneegestöber zu sehen, und zwei Hochhäuser und eine riesige Rauchwolke zu erahnen. Es schien irreal, fast so, als hätte sich mein Freund mit den Handwerkern verschworen, um mir einen üblen Streich zu spielen. Doch das Radio und die Zeitung am nächsten Tag bestätigten: Es war tatsächlich geschehen. Und doch... Real war es erst, als ich dann später die bewegten Bilder sah.

- Anonym -

Ich saß an meinem Schreibtisch in meinem Home Office, als mich eine Freundin anrief mit den Worten: "Mach mal den Fernseher an, ich hab eben im Radio gehört, dass da etwas Schlimmes in New York passiert ist." Völlig fassungslos erlebte ich den Einschlag des zweiten Flugzeugs. Sofort versuchte ich, meinen Cousin in Washington zu erreichen, da ein gemeinsamer Freund von uns, der mich erst im Jahr zuvor in Bonn besucht hatte, damals im Nordtower arbeitete. Natürlich waren die Telefonleitungen völlig überlastet und auch auf E-Mails reagierte mein Vetter nicht.

Stunden später erfuhr ich, dass mein Cousin kurz nach dem Einschlag des dritten Flugzeugs aus seinem Büro in nicht allzu großer Entfernung des Pentagons evakuiert worden war. Er beschrieb die Situation so: "Wir wussten nicht, was wir tun sollten, deshalb gingen wir zum Potomac-River und bestellten uns in einer Bar am Ufer ein Bier, während wir mit vielen anderen die Nachrichten verfolgten. Über uns flogen Kampfjets und Hubschrauber. Durch die Straßen fuhren Militärtransporter und Polizeifahrzeuge, über dem Pentagon hing eine Rauchsäule in der Luft. Es war völlig surreal." Während er in der Bar war, rief ihn unser Freund aus New York an, der nicht im World Trade Center gewesen war, da er am Abend zuvor einen Junggesellenabschied gefeiert und deshalb verschlafen hatte. Sein Originalkommentar: "Alcohol saved my life today."

Auch wenn die Erleichterung bei uns groß war, erfuhr mein Vetter im Verlaufe der nächsten Tage, dass ein halbes Dutzend enger Arbeitskollegen beim Einsturz des WTC ums Leben gekommen war.

- Peter Schild, 44, aus Bonn -

Ich lag mit Grippe zuhause und schaute TV, doch erst der Anruf meines Mannes gegen 17 Uhr veranlasste mich zu zappen und ich sah auf RTL die Meldung und Bilder. Im ersten Moment dachte ich, das ist ganz klar ein Witz, das kann nicht wahr sein, es wirkte wie ein Hollywood Streifen!

Ich legte sofort eine Video-Kassette ein und nahm stundenlang alles auf. Das Video kann ich mir aber bis zum heutigen Tage nicht mehr ansehen, aber ich hatte damals das Gefühl, das ist Geschichte, das musst du aufnehmen. Bis ca. zwei Uhr nachts haben wir nicht mehr weggeschaut. Bis heute steigen mir immer noch Tränen in die Augen, wenn ich daran denke. Grauen und Entsetzen darüber sind immer da.

- Fee Flanigan -

Ich saß am Tag der Anschläge in einem Jumbo von United Airlines auf dem Flug von Sydney nach Los Angeles. Drei Stunden vor der Landung in LA spürte man plötzlich, dass sich etwas verändert. Die Flugbegleiter waren plötzlich sehr komisch, plötzlich stand ein Sky-Marshall vor der Tür zur Kanzel und wir wurden aufgefordert, möglichst unsere Sitze nicht mehr zu verlassen. Ansonsten gab es keine Informationen.

Nach der Landung am frühen Vormittag Ortszeit wurde der Flieger nicht ans Gate gefahren, sondern auf einer Vorfeld-Position geparkt. Man sagte uns, dass unsere Anschluss-Flüge gecancelt seien und dass wir zu diversen Hotels gebracht würden. Aber sonst gab es keine weiteren Mitteilungen.

Im Flughafen selbst war es sehr ruhig, da wir offenbar einer der letzten Flüge waren, die hereingekommen sind. Ich rief meine Frau in Deutschland an und fragte, ob irgendwas passiert sei. Dann hatte ich endlich eine Information über die Katastrophe.

Ich war dann eine knappe Woche in einem Hotel nahe des Flughafens. Diese Zeit war schrecklich. Man saß wie gelähmt vor dem Fernseher und sah sich die endlosen Wiederholungen der Flugzeug-Einschläge ins World Trade Center an.

Da ich Senator bei der Lufthansa bin, hatte ich das Glück, dass man mich auf den ersten Lufthansa-Flug nach Frankfurt gebucht hat, der nach Ende des Flugverbots nach Deutschland zurück geflogen ist.

- Klaus Rassinger, Wiesbaden -

Ich war 16 Jahre alt und durfte zum ersten Mal alleine zum Pützchenmarkt bei Bonn. Ich stand mit meiner jüngeren Schwester an der Bushaltestelle in Bonn. Wir freuten uns wahnsinnig auf den Tag, wir hatten uns so viel vorgenommen.

Doch dann rief meine Mutter an. Wir sollten sofort nach Hause kommen, da die USA angegriffen wurden und sie sich nicht sicher war, ob woanders auch etwas passieren könnte. Als wir zuhause ankamen und das Ausmaß der Anschläge sahen, waren wir geschockt. Es war erschreckend und traurig. Bis heute bekomme ich Gänsehaut, wenn ich daran denke.

- Anonym -

Am 11. September 2001 verbrachte ich mit meiner Familie einen wunderschönen, ruhigen Sommertag an einem Strand an der Cote d'Azur. Als wir abends gegen sechs Uhr zu unserem Ferienappartement zurückkehrten, empfingen uns schon unsere Nachbarn mit Ausrufen wie: "Die Welt geht unter!", "Zehntausende von Toten in den USA", "Es herrscht Krieg."

Es herrschte große Verunsicherung, da es in den Appartements kein TV-Gerät gab. Mit einem mitgebrachten Radio versuchten wir über den Deutschlandfunk mehr in Erfahrung zu bringen. Es war schwierig. Das erste Bild, das ich sah, war ein ein Foto in einer französischen Zeitung am folgenden Tag. Dieses Bild hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt: ein junger Farbiger, der sich an eine Art Matratze oder Decke gekrallt aus einem der oberen Stockwerke des WTC in die Tiefe stürzt.

- G. Förster -

Ich war an diesem Tag auf der Arbeit (Kindergarten) und erfuhr es von einer Mutter, die ihr Kind abholen wollte. Ich war geschockt und dachte zuerst, es sei ein Unfall gewesen. Nach der Arbeit wollte ich in ein Möbelgeschäft gehen und mir einen Schrank ansehen, da liefen die Radionachrichten mit dem zweiten Flugzeug, das ins World Trade Center flog.

Ich brach den Einkauf ab und fragte mich, was ich hier eigentlich machte. Total durcheinander fuhr ich nach Hause und sah alles im Fernsehen. Es war ein schrecklicher Tag. Ich dachte an all die Unglücklichen in den Towern und erinnerte mich, dass ich Jahre zuvor auf einem der Türme einen glücklichen Tag mit wundervoller Aussicht über New York hatte.

- G. Gößmann -

Ich erinnere mich an den 11.September 2001, als wäre es gestern gewesen. Damals war ich zwölf Jahre alt. Meine Mutter war mit meinem acht Jahre jüngeren Bruder in Kur. Es war ein ganz normaler Schultag. Um 15 Uhr kam ich aus der Schule, stellte meinen Rucksack in meinem Zimmer ab und ging dann ins Wohnzimmer. Dort saß mein Vater vor dem Fernsehgerät. Ich merkte sofort, dass etwas nicht stimmt. Die Fernsehbilder sprachen ebenfalls für sich. Es wurde ein Flugzeug gezeigt, welches in ein hohes, ein sehr hohes Gebäude, flog. Ich wusste gar nicht, was und wo das war.

Mein Vater erzählte mir, dass es einen Flugzeugabsturz in Amerika in einen Turm des World Trade Centers gegeben hätte. Ich wusste gar nichts mit dem Begriff anzufangen, fand es natürlich trotzdem total schlimm. Um 16 Uhr musste ich zum Konfirmandenunterricht. Dort wurde schon wild diskutiert und spekuliert, was denn wohl passiert sein könnte. Nach einer Stunde ging ich wie gewohnt wieder nach Hause.

Als ich das Wohnzimmer betrat, saß mein Vater in der selben Position wie zuvor. Er guckte wie hypnotisiert auf den Bildschirm, die Augen keinen Moment abgewandt. Er sagte in einem total ruhigen Ton, dass ein zweites Flugzeug in das zweite World Trade Center geflogen sei und man jetzt von einem Terroranschlag ausgehe. Ich war geschockt. Ich war zwölf Jahre alt, wusste überhaupt nicht, was passiert. Ich hatte vorher noch nie etwas von dem World Trade Center gehört, wusste gar nichts mit dem Wort Terroranschlag anzufangen. Ich setzte mich aufs Sofa und guckte mir immer wieder die Bilder von den Flugzeugen an, die in die Türme flogen. Irgendwann kam noch mein Bruder hinzu, der damals zehn Jahre alt war. Es war unglaublich, immer wieder diese Bilder anzusehen.

Als dann noch ein Flugzeug ins Pentagon stürzte und dann der erste Tower einstürzte, war das alles erst recht nicht mehr zu glauben. Es waren grausame Bilder, unbegreifliche Bilder. Es folgte der Absturz in Pennsylvania und der Einsturz des zweiten Towers. Ich weiß noch ganz genau, dass abends ein Film mit Cher kommen sollte, "Meerjungfrauen küssen besser". Ich hatte mich so auf den Film gefreut. Anstelle dieses Films lief den ganzen Abend RTL. Den ganzen Abend saß Peter Kloeppel im Studio. Den ganzen Abend liefen dieselben Bilder auf dem Bildschirm. Immer und immer und immer wieder flogen die Flugzeuge in diesen Turm.

Abends schrieb ich in mein Tagebuch, was passiert war, auch, wenn ich es selbst noch nicht verstanden hatte. Ein unglaublicher Tag ging vorbei. Ein Tag voller weinender, schreiender, hilfloser Menschen im Fernseher. Wir alle waren fassungslos über das, was passiert war. Niemand wusste, welche Konsequenzen dieser Terroranschlag auf das Weltgeschehen habe könnte. Würde es jetzt einen dritten Weltkrieg geben? Würden jetzt auch Angriffe auf Deutschland passieren? Aus Panik überlegten wir, meine Mutter und meinen Bruder aus der Kur abzuholen. Wenn etwas Schlimmes passieren sollte, wollten wir auch zusammen sein.

Den nächsten Schultag werde ich auch nie vergessen. Die Stimmung auf den Straßen war sehr komisch. Man hatte das Gefühl, dass alle Menschen nur von diesem Ereignis sprachen. Als ich auf die Schule zukam, hörte ich schon viele Schüler über den Terroranschlag reden. Aus allen Ecken hörte man nur "World Trade Center", "Terroranschlag", "unbegreiflich" usw. Die erste Stunde hatte ich bei meinem stellvertretenden Klassenlehrer, der mehrere Zeitungen mit hatte. Wir setzten uns in einen Kreis, er zeigte uns die Zeitungsartikel und fragte uns, ob wir wüssten, was dort passiert ist und ob wir wüssten, was das World Trade Center war. Durch das Gespräch näherten wir uns dem Geschehen, wir verstanden, wenn auch nicht alles, was passiert war, wer wahrscheinlich dahintersteckte und wieso gerade diese Ziele ausgewählt wurden. An normalen Unterricht war gar nicht zu denken.

Nach der dritten Stunde ungefähr gab es einen Schweigemarsch zum Rathaus, an dem unser Bürgermeister reden sollte. Es war eine erdrückende Stille auf dem Weg dorthin. Alle hielten ihre Köpfe nach unten. Wir schlichen durch die Straßen. Am Rathaus angekommen sah man ein Meer aus Kerzen und Blumen, überall fassungslose Gesichter, weinende Menschen, ob groß oder klein. Alle waren tief betroffen. Es war ein schrecklicher Moment. Ich werde es nie vergessen.

Ich habe jedes Jahr wieder an diesen schrecklichen Tag gedacht. Dass es dieses Jahr schon zehn Jahre her sein soll, ist kaum zu glauben. Es kommt mir vor wie gestern. Wenn ich heute die Bilder, Filme oder Dokumentationen über diesen Tag sehe, bekomme ich immer noch Gänsehaut und Tränen in den Augen. Es ist und bleibt unbegreiflich. Diese Dokumentationen fesseln mich immer wieder vor dem Fernseher, an umschalten ist gar nicht zu denken. Ich glaube, dass ich diesen Tag in meinem Leben niemals vergessen werde. Er darf einfach nicht in Vergessenheit geraten.

- Julia Klyscz, 22 -

Ich war 19 und hatte mich schon ewig damit beschäftigt, mir Aktien zu kaufen. Mir schwirrten die Geldscheinchen durch den Kopf und ich hoffte, so reich werden zu können und vielleicht meine Berufung gefunden zu haben. Also hatte ich am 11. September um die Mittagszeit einen Termin in der örtlichen Sparkasse und kaufte mir damals 2,3 Anteile von irgendeinem Fonds.

Bereits beim Beratungsgespräch, das hinten im Mitarbeiterbereich stattfand, bemerkte ich, dass die übrigen Mitarbeiter unruhig waren und hörte schließlich einen der Banker zu meiner Beraterin rufen: "Hey, hast du schon gehört? Da ist ein Flugzeug in New York abgestürzt. Das kommt in den Nachrichten!" Ich dachte mir, dass der Absturz wirklich schlimm sein muss, wenn dieser in den Mittagsnachrichten kommt. Schließlich fuhr ich glücklich als "Aktionär" heim und malte mir eine rosige Zukunft aus.

Als ich heimkam, klärte mich mein Vater, der mit meiner Mutter aufgeregt vor dem Fernseher saß, auf, dass ein Flugzeug ins World Trade Center geflogen sei. Ich setzte mich dazu. Zuerst dachten alle nur an ein schreckliches Unglück. Aber als kurz darauf die zweite Maschine in den anderen Tower flog und wir alle aufschrien und dieses schrecklich Ereignis live anschauten, keimte in mir der Verdacht auf: "Das kann doch nicht sein. Das kann kein Zufall mehr sein!"

Auch im Fernsehen sprach man von jetzt an von einem Anschlag. Die Zeit hatte keine Bedeutung mehr und ich saß geschockt vor dem Fernseher und erlebte, wie die Welt, wie ich sie kannte, gewaltsam verändert wurde und mein Weltbild sich in wenigen Stunden veränderte. Ich hatte keine wirklichen Gefühle, sondern war in einem Dauerzustand der Konfusion und des Schocks und konnte das Gesehene kaum begreifen. Grauen packte mich als ich sah, wie Menschen sich in die Tiefe stürzten. Dieser Zustand verschlimmerte sich, als ich vor dem Fernseher Zeuge wurde, wie die Türme zusammenbrachen.

Ich sah im Fernsehen weinende, verängstigte Menschen - auch Polizisten, Feuerwehrleute und Reporter - die um ihr Leben rannten. Ich kannte New York bis dahin als eine aufregende Weltmetropole, die jeder einmal gesehen haben muss und Manhattan als dessen Zentrum für Mode, Lifestyle, Wirtschaft und für den "amerikanischen Traum". Und jetzt war aus diesem Ort ein Kriegsschauplatz geworden. Das Sicherheitsgefühl, das für uns alle so selbstverständlich war, zerplatzte wie eine Seifenblase. Ich dachte: "So etwas kann auch hier vor unserer Haustür passieren."

Schließlich berichtete man auch über den Anschlag auf das Pentagon und die Maschine, die vermutlich Washington treffen sollte. Ich sah unzählige Leute Stellungnahmen abgeben - Politiker, Experten und schließlich den amerikanischen Präsidenten.

Als ich aufstand bemerkte ich, dass inzwischen Abend war. Meine Welt war nicht mehr dieselbe. Irgendwann fragte mich meine Mutter: "Wo warst du eigentlich heute Mittag?" Ich antwortete nach kurzem Überlegen: "Geld rausschmeißen!"

- Anonym -

An den 11. September kann ich mich genau erinnern. Schon als ich nach Hause kam, war es komisch. Normalerweise hätte meine Oma zumindest von irgendeiner Ecke her "Hallo" gerufen. Doch an dem Tag nicht. Meist war sie nachmittags in der Küche und machte Kreuzworträtsel oder las Zeitung, hörte Radio.

Doch die Küche war leer und das Radio aus. Dafür hörte ich den Fernseher aus dem Wohnzimmer. Nie, nie, nie würde meine Oma um diese Tageszeit fernsehen. Das war einfach gegen ihre Natur. Doch als ich ins Wohnzimmer kam, sah ich sie auf einem Hocker (nicht wie sonst den Sessel) sitzen und Nachrichten schauen. Es dauerte eine Weile, bis ich begriff, was vorgefallen war. Doch langsam sickerten die grausamen Bilder durch. Fassungslos verfolgte ich, was da auf dem Bildschirm gezeigt wurde, wie in irgendeinem schlimmen Endzeitfilm.

- Franziska, aus Schottland -

Ich war ein Jahr als Au-Pair in NYC, von 1995-96, habe also eine sehr enge Bindung zu der Stadt. Die Jahre danach war ich ständig dort. Im Juli 2001 war ich auch nochmal dort. Im August 2001 bin ich dann nach Namibia gezogen. Am 20. August war dort mein erster Arbeitstag in der Luisenapotheke.

Dort war ich auch, als es passierte. Mein Chef machte die Apotheke zu und schickte alle Angestellten nach Hause, um Nachrichten zu schauen. Das war das erste und letzte Mal, dass mein Chef die Apotheke jemals früher schloss.

Ich fuhr nach Hause und heulte nur noch. Mein bester Freund arbeitete im WTC, ich konnte ihn nicht erreichen. Es stellte sich aber heraus, dass er okay war. Trotzdem weinte ich viel, weil mein Herz an dieser Stadt hing und ich dort die beste Zeit meines Lebens hatte.

- Yvonne Niebling -

Am 11. September 2001 hatte ich meinen 7. Geburtstag und gleichzeitig meinen ersten Schultag. Ein idealer Start in die Schule sieht anders aus. Ich dachte damals, als ich die Nachrichten sah: "Das darf doch wohl nicht wahr sein! Ich habe Geburtstag und die Erwachsenen schauen sich einen Actionfilm an!"

Ja, damals dachte ich, es sei nur ein Film, nicht real. Die Erkenntnis überkam mich dann auch erst an meinem 9. oder 10. Geburtstag. Ich achtete erstmals auf den Jahrestag und fragte meine Eltern, was damals los war. Dieser Tag hat mein Leben soweit verändert, dass ich mich aktiv für Politik interessiere. Ich verfolge jede neue Nachricht mit Interesse und oft genug mit Fassungslosigkeit.

Ich möchte den Angehörigen der Opfer des 11. Septembers mein tiefstes Beileid aussprechen.

- Frederic Reese -

Ich war auf dem Heimweg von der Arbeit. Zu Hause habe ich dann mein Essen warm gemacht, als das Telefon klingelte: "Mach das Fernsehen an, das glaubst du nicht! Furchtbar!"

Ich schaltete den Fernseher ein und musste mich setzen. Mein Essen wurde kalt. Ich blieb die ganze Zeit wie erstarrt dort sitzen und konnte nicht glauben, was ich sah. Erst viel später bemerkte ich, dass ich noch nicht einmal den Telefonhörer aufgelegt hatte.

Letztes Jahr waren wir in New York am Ground Zero. Es fehlte mir die Phantasie, mir das vorzustellen. Dies gelang mir erst, als wir in das Museum gingen. Die Kleidungstücke der Opfer, die Briefe und Bilder der Angehörigen, das Motorrad, auf das ein Mann die Bilder seiner Kinder mit Airbrush hatte malen lassen. Er konnte es nie mehr fahren. Ergriffen waren alle. Und manch einer hatte Tränen in den Augen.

- G.Kunold -

Zu dem Zeitpunkt der Anschläge am 11. September 2001 war ich fast 13 Jahre alt, mein Tagesablauf bestand nach der Schule und dem Essen darin, erst eine Folge von "Hör mal, wer da hämmert" zu schauen und mich dann den Hausaufgaben zu widmen oder mich mit Freunden zu treffen.

Auch an diesem Tag schaltete ich den Fernseher ein, fand aber statt meiner geliebten Serie die Bilder der brennenden Hochhäuser vor. Ich war sehr geschockt und rief nach meiner Mutter, wir saßen danach stundenlang vor dem Fernseher. Die Telefone und Handys meiner großen Familie liefen heiß, denn einer meiner Cousins lebte seit einem Jahr in Manhattan. Ich stand ihm sehr nahe und versuchte andauernd ihn zu erreichen, leider aber vergeblich. Ich hatte sehr viel Angst, nicht nur um meinen Cousin, sondern vor allem, weil ich nicht wusste, was nun passieren würde. Man erwartete ja stündlich neue Hiobsbotschaften.

Es dauerte drei Tage, bis mein Cousin uns per E-Mail mitteilen konnte, dass ihm nichts passiert war, dennoch werde ich diesen Tag nie vergessen. Ich habe geweint, als die Twin Towers eingestürzt sind, und kann mich noch heute an die Worte der CNN-Reporter erinnern, insbesondere an den Schock und das Entsetzen.

- Anonym -