Stolz spricht Innenminister Horst Seehofer von "einem der sichersten Länder der Welt" und meint Deutschland, dessen innere Sicherheit Seehofer qua Amt verantwortet. Der abermalige Rückgang der Kriminalität im Land gibt Anlass zur Freude. Die Zahlen aber haben einige Haken.

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Weniger als ein Prozent der Bevölkerung in Deutschland ist nach Angaben von Bundesinnenminister Horst Seehofer schon Opfer schwerer Vergehen geworden.

"Deutschland ist eines der sichersten Länder der Welt", sagte der CSU-Politiker am Dienstag in Berlin bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik für das vergangene Jahr.

"Jede Straftat ist natürlich eine zu viel. Aber objektiv ist dies der niedrigste Wert seit Jahrzehnten", sagte Seehofer mit Bezug auf die 5,56 Millionen registrierten Straftaten im vergangenen Jahr.

Tiefststand von 2017 noch unterboten

Bereits die Statistik 2017 (5,76 Millionen Straftaten, minus 9,6 Prozent) hatte einen Tiefstand verzeichnet. Das Innenministerium hatte den niedrigsten Stand seit 1992 vermeldet.

Gegenüber 2017 sank die Zahl der polizeibekannten Delikte nochmals um 3,6 Prozent. Unklar ist allerdings, wie viele Vergehen den Sicherheitsbehörden nicht bekannt sind.

Dieses Dunkelfeld hat das Bundeskriminalamt mit einer Befragung zum Sicherheitsgefühl und zu Erfahrungen als Opfer von Vergehen versucht.

"Bürgerinnen und Bürger werden selten Opfer von Straftaten", sagte der Chef des Bundeskriminalamts Holger Münch.

Aufklärungsquote ist wenig aussagekräftig

Mehr als die Hälfte (57,7 Prozent) der Straftaten wurde dem Bericht zufolge aufgeklärt. Diese Aufklärungsquote ist allerdings wenig aussagekräftig, weil nach Angaben des Bundeskriminalamts die 2018 gemeldeten Delikte zu den im gleichen Jahr aufgeklärten Fällen in Bezug gesetzt werden.

Diese beiden Gruppen sind allerdings nicht deckungsgleich. Falls in einem Jahr mehr Verbrechen aufgeklärt als gemeldet werden, wären damit theoretisch sogar Aufklärungsquoten von mehr als 100 Prozent denkbar.

Weniger Diebstähle - mehr Pornos

Ungefähr ein Drittel der gemeldeten Straftaten entfiel auf Diebstahlsdelikte. So wurden weniger Diebstähle von Kraftfahrzeugen (30.232, minus 9,1 Prozent) und Fahrrädern (292.015, minus 2,7 Prozent) angezeigt.

Der gemeldete Taschendiebstahl nahm erheblich ab, um 18,2 Prozent auf 104.196 Fälle.

Beim Ladendiebstahl gab es einen Rückgang um 4,1 Prozent auf 339.021 bekannte Fälle.

Die Zahl gemeldeter Wohnungseinbrüche sank auf einen historischen Tiefstand (97.504 Fälle, minus 16,3 Prozent).

Leicht stieg hingegen der sogenannte Tankbetrug (Benzindiebstahl) auf 72.424 bekannte Fälle - plus 1,3 Prozent.

Deutlich zugenommen hat demgegenüber die den Behörden bekannte Verbreitung pornografischer Schriften, um 13,6 Prozent auf 11.435 Fälle.

Erneut wurden auch mehr Rauschgiftdelikte registriert, 350.662 Fälle und damit 6,1 Prozent mehr.

Zunahme der Gewalt gegen Polizisten

Beim Delikt "Widerstand gegen Staatsgewalt", etwa gegen Polizeivollzugsbeamte und Vollstreckungsbeamte, gab es dem Bericht zufolge sogar eine Zunahme um 39,9 Prozent auf 34.168 bekannte Fälle.

Allerdings muss man berücksichtigen, dass im Mai 2017 neue Straftatbestände geschaffen wurden und sich die Zahl deshalb mit der Zeit davor nur eingeschränkt vergleichen lässt.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow, sagte der "Welt": "Es ist erschreckend, wie sich die Gewalt gegenüber Polizeibeamten Bahn bricht. Statistisch gesehen wurden meine Kolleginnen und Kollegen im vergangenen Jahr etwa 32 Mal pro Tag tätlich angegriffen. Zählt man die Widerstandsdelikte dazu sind es fast 94 täglich."

Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Sebastian Fiedler, betonte gegenüber "Welt", dass die Kriminalstatistik die tatsächliche Kriminalitätsbelastung nur eingeschränkt wiedergebe.

Stattdessen forderte er "periodische Sicherheitsberichte", die künftig durch ein unabhängiges Expertengremium erarbeitet und alle zwei Jahre vorgestellt werden sollten.  © dpa

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