Von Schulz bis Strauß: Die gescheiterten Kanzlerkandidaten

Diese Politiker wären fast Bundeskanzler geworden. Als Spitzenkandidaten unterlagen sie jedoch bei der jeweiligen Bundestagswahl ihren Kontrahenten.

In der ersten Bundestagswahl der neu gegründeten Republik trat Kurt Schumacher als Kanzlerkandidat für die SPD an. Während der Zeit des Nationalsozialismus' war er zehn Jahre lang als politischer Häftling in Konzentrationslagern eingesperrt. Nach Ende des Krieges war er maßgeblich am Wiederaufbau der SPD beteiligt.
Bei der Wahl 1949 landete er mit der SPD mit 29,3 Prozent knapp hinter der Union mit 31 Prozent. Der erste Kanzler der Bundesrepublik wurde somit Konrad Adenauer. Hier ist Schumacher (l.) während einer Besprechung mit Adenauer (r.) im Bundeshaus in Bonn nach der Bundestagswahl zu sehen. Im Hintergrund der SPD-Politiker Carlo Schmid.
Nach Schumacher versuchte es der neue SPD-Vorsitzende Erich Ollenhauer. Auch er war im Dritten Reich ein Gegner der Nationalsozialisten. Nach der Machtergreifung ging er ins Exil. Ollenhauer musste sich bei den folgenden Bundestagswahlen Konrad Adenauer zwei Mal geschlagen geben. 1953 holte er für die SPD 28,8 Prozent der Stimmen, 1957 waren es immerhin 31,8 Prozent.
Nach seinen beiden Niederlagen moderierte er die programmatische Neuorientierung der SPD, vorangetrieben unter anderem von Herbert Wehner (l.), Fritz Erler und Willy Brandt (r.). Sie führte zum Godesberger Programm, in dem sich die SPD zur Marktwirtschaft bekannte und den Anspruch einer Volkspartei aufstellte.
CDU-Mann Rainer Barzel sollte bei der Bundestagswahl 1972 Willy Brandt und seine sozialliberale Koalition zu Fall bringen. Doch bereits vorher wäre er um ein Haar Kanzler geworden. Bei einem konstruktiven Misstrauensvotum gegen Brandt fehlten Barzel am Ende nur zwei Stimmen, um zum neuen Kanzler ernannt zu werden. Später kam heraus, dass zwei Stimmen von CDU- und CSU-Abgeordneten von der Stasi gekauft worden waren.
Nach einer gescheiterten Vertrauensfrage des Kanzlers zog Bundespräsident Gustav Heinemann die Bundestagswahlen 1972 zum ersten Mal in der Geschichte der BRD vor. Im Wahlkampf ging es vor allem um Willy Brandts Reform- und Ostpolitik.
In der Wahl unterlag Barzel Willy Brandt, der mit 45,8 Prozent das beste Ergebnis in der Geschichte der SPD einfuhr. Barzel holte mit der Union 44,9 Prozent und blieb in der Opposition. Hier gratuliert Barzel Brandt zur Wiederwahl.
Franz Josef Strauß war 1980 der erste Kanzlerkandidat der Union, der der CSU angehörte. Strauß war ein talentierter Redner und sorgte im Wahlkampf für starke Polarisierung. So war Strauß ein Feindbild für viele seiner politischen Gegner. Auch lastete ihm die Spiegelaffäre aus den 60er Jahren noch immer an.
Es gab sogar "Stoppt Strauß"-Kampagnen und Demonstrationen gegen ihn. Bei der Wahl 1980 erreichte der Bayer mit der Union dann mit 44,5 Prozent zwar Platz eins, musste aber Stimmverluste gegenüber der letzten Bundestagswahl hinnehmen. Die sozialliberale Koalition unter Helmut Schmidt baute ihre Mehrheit dagegen aus. So verpasste es Strauß, der erste CSU-Kanzler der Geschichte zu werden.
Hans-Jochen Vogel war der erste in einer langen Reihe von Sozialdemokraten, die vergeblich versuchten, Helmut Kohl aus dem Kanzleramt zu jagen. Dabei hatte er als Bundesjustizminister und Bürgermeister von München und Berlin eine beachtliche Karriere vorzuweisen.
Trotzdem schaffte er es nicht ins Kanzleramt. Vogel holte 1983 38,2 Prozent der Stimmen. Die SPD blieb in der Opposition und Union und FDP setzten ihre Koalition fort.
Vier Jahre später durfte Johannes Rau es versuchen. Trotz der Stimmverluste der Union konnte seine SPD bei der Bundestagswahl 1987 nicht profitieren. Er holte 37 Prozent der Zweitstimmen. Gewinner der Wahl waren die kleinen Parteien FDP und die Grünen. Letztere schafften damit zum zweiten Mal den Sprung ins Parlament. 1999 wurde Johannes Rau zum achten Bundespräsidenten ernannt.
Nach der Wiedervereinigung fanden 1990 die ersten gesamtdeutschen Bundestagswahlen statt. Dabei fiel Oskar Lafontaine (l.) die undankbare Aufgabe zu, gegen den "Kanzler der Einheit" anzutreten. Der heutige Politiker der Linkspartei war in den 90er Jahren eine der wichtigsten Persönlichkeiten der SPD und gleichzeitig Verbündeter und Konkurrent von Gerhard Schröder (r.).
Lafontaine galt als Einheitsskeptiker. Die Union warf ihm deshalb sogar vor, mit der SED gemeinsame Sache zu machen. Bei der Wahl musste er sich dann mit 33,5 Prozent der Zweitstimmen geschlagen geben. Kohl und die Union erreichten 43,8 Prozent.
1994 forderte Rudolf Scharping, damals Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Helmut Kohl heraus.
Zuvor hatte er sich bei einer Ur-Wahl zum SPD-Vorsitzenden überraschend gegen Gerhard Schröder (l.) durchgesetzt, sehr zum Missfallen von Schröder und Lafontaine (M.).
Scharping konnte das Ergebnis der SPD mit 36,4 Prozent gegenüber 1990 um knapp drei Prozent verbessern, musste sich letztendlich aber Kohl geschlagen geben. Ein Jahr nach der verlorenen Wahl verliert er auch den Parteivorsitz an Oskar Lafontaine.
Bei der Nominierung für die Kanzlerkandidatur der Union 2002 setzte sich der Vorsitzende der CSU (l.) gegen die spätere Bundeskanzlerin Angela Merkel (r.) durch. Er war nach Strauß der bisher einzige Kanzlerkandidat der CSU. Er hatte die Aufgabe, Gerhard Schröders Regierung abzulösen.
Doch auch für ihn reichte es nicht fürs Kanzleramt. Schröders rot-grüne Koalition behielt die Mehrheit, unter anderem dank Schröders Nein zum Irak-Krieg. Stoibers Niederlage war gleichzeitig wegbereitend für den Aufstieg Angela Merkels.
Nachdem Angela Merkel Gerhard Schröder 2005 als Bundeskanzler ablöste, bestimmte die SPD den jetzigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier als Kanzlerkandidaten für die Wahl 2009. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Gerhard Schröder war er kein Mann der lauten Worte. Er arbeitete vor allem hinter den Kulissen, so auch als Chef des Bundeskanzleramts unter Schröder.