Schröder, Beck, Merz: Diese Ex-Politiker wechselten in die Wirtschaft

Berater, Lobbyisten, Aufsichtsratsvorsitzende: Nach dem Abschied von der Macht winken Ex-Politikern hochdotierte Posten. Einige der Seitenwechsler werden dafür scharf kritisiert.

Gerhard Schöder ist einem russischen Agenturbericht zufolge als Aufsichtsratsvorsitzender von Rosneft im Gespräch. Damit könnte er den Kremlberater Andrej Beloussow als bisherigen Chef des Gremiums des russischen Ölkonzerns ablösen. Rosneft steht auf Sanktionsliste der Europäischen Union. Für sein geplantes Engagement wird Schröder deshalb scharf kritisiert. Seit Jahren schon pflegt der Ex-Kanzler eine freundschaftliche Beziehung zu Wladimir Putin. Der russische Präsident soll zur Konzernleitung von Rosnef ein enges Verhältnis haben.
Eckart von Klaeden war unter Angela Merkel Staatsminister im Kanzleramt. Direkt danach wechselte er als Chef-Lobbyist zu Daimler. Der nahtlose Übergang von der Politik in die Wirtschaft hatte für reichlich Kritik gesorgt. Die Staatsanwaltschaft ermittelte 2013 sogar wegen des Verdachts der Vorteilnahme - sowohl gegen von Klaeden als auch die Daimler AG. 2015 wurden die Ermittlungen eingestellt. Mit der Abgas-Affäre ist von Klaeden nun erneut in den Fokus gerückt. Wie der "Spiegel" berichtet, soll er das Kanzleramt im Auftrag von Daimler beeinflusst haben.
Ronald Pofalla war unter Angela Merkel 2009 bis 2013 Chef des Bundeskanzleramts. Bis 2014 war er Mitglied des Deutschen Bundestages. Pikant: Pofalla hatte sich über Schröders Wechsel zur Nord Stream AG empört gezeigt. Ihn selbst hielt das jedoch nicht von einem Wechsel in die Wirtschaft ab. Der Ex-Politiker war ab 2015 beim Staatskonzern Deutschen Bahn als Generalbevollmächtigter für politische und internationale Beziehungen tätig. Seit dem Wechsel wächst seine Macht in der Deutschen Bahn AG. Pofalla ist seit 2017 Infrastruktur-Vorstand.
Auch in der SPD sind die Kontakte zur Wirtschaft eng. Ein halbes Jahr nach dem politischen Karrierende ging es für Kurt Beck auf die andere Seite. Der frühere SPD-Vorsitzende und Ex-Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz startete 2013 als Berater beim Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim neu durch.
Franz-Josef Jung (im Bild links neben General a. D. Klaus-Peter Stieglitz) stand von 2005 bis 2009 an der Spitze des Verteidigungsministeriums. Jung ist noch Mitglied des Deutschen Bundestages und sitzt seit 2017 im Aufsichtsrat des Rüstungskonzerns Rheinmetall. Bei der Bundestagswahl in diesem Jahr wolle er aber nicht mehr antreten, berichtet das "Manager Magazin".
Auch Ex-Entwicklungsminister Dirk Niebel zog es zur Rheinmetall AG. 2015 heuerte er beim Rüstungsunternehmen als Cheflobbyist an.
Friedrich Merz war eine Instanz in der CDU. Von 200 bis 2002 war er Vorsitzender, 1998 bis 2000 sowie 2002 bis 2004 stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU. Noch bis 2009 behielt Merz sein Bundestagsmandat. 2004 fing er als er Partner bei der internationalen Kanzlei Mayer Brown LLP an. Der Ex-Politiker ist inzwischen in mehreren Aufsichts- und Verwaltungräten tätig - unter anderem bei der BASF, Stadler Rail und dem AXA Konzern.
Auch für Grüne lohnt sich der Wechsel: Gunda Röstel (links im Bild), 1996 bis 2000 Bundesvorsitzende der Grünen, wechselte Ende 2000 zur Gelsenwasser AG. 2004 wurde sie Geschäftsführerin der Stadtentwässerung Dresden. Seit 2011 sitzt sie im Aufsichtsrat der EnBW.
Ex-Außenminister und Grünen-Spitzenpolitiker Joschka Fischer ließ sich etwas mehr Zeit für einen Wechsel in die Wirtschaft. Nach seinem politischen Aus 2005 hielt er sich mit Vorträgen für Investmentbanken wie Barclays Capital und Goldman Sachs über Wasser. Fischer gründete eine eigene Beraterfirma. Als Kunden stehen Siemens, BMW, Rewe und RWE auf seiner Liste.
Ex-Gesundheitsminister Daniel Bahr arbeitete 2014 für die Denkfabrik „Center for American Progress“ in Washington D.C. . Er beriet unter anderem die US-Regierung bei der Umsetzung der Gesundheitsreform. 2015 wechselte er zur Allianz Private Krankenversicherungs-AG. Dort hat er das Ressort Leistungsmanagement und Vertrieb geführt. Seit 2017 sitzt Bahr im Vorstand.
Auch Birgit Fischer zählt zu den Wechselhaften: 1998 bis 2005 war sie Gesundheitsministerin in Nordrhein-Westfalen. 2007 verabschiedete sie sich aus der Politik und wechselte zur Barmer Ersatzkasse. Fischer war erst stellvertretende Vorstandsvorsitzende, dann die Chefin der neuen Barmer GEK. Seit 2011 ist sie Hauptgeschäftsführerin im Verband Forschender Arzneimittelhersteller.
Ex-Verkehrsminister Matthias Wissmann sitzt 2009 beim Autosalon Genf neben dem damaligen VW-Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn (rechts im Bild). Nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag 2007 wechselte der ehemalige CDU-Politiker als Präsident zum Verband der Automobilindustrie.
Wolfgang Clement (Zweiter von rechts): Unter Bundeskanzler Gerhard Schröder war der SPD-Politiker 2002 bis 2005 Minister für Wirtschaft und Arbeit. Nach seinem Parteiaustritt fand er eine neue Heimat in der RWE Power AG.
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