Mit seiner Buchvorstellung am Dienstag meldete sich Ex-Bundespräsident Christian Wulff erneut zu Wort: In "Ganz oben Ganz unten" schildert er seine persönliche Geschichte der Affäre, die 2012 in seinem Rücktritt endete. Ist das Buch ein Schlussstrich oder der Beginn des politischen Comebacks des ehemaligen Staatsoberhaupts?

Es war ein Auftritt der starken Worte, den Christian Wulff am Dienstag bei seiner Buchpräsentation abgeliefert hat. Kritik hagelte es dabei vor allem am Vorgehen von Justiz und Medien, allen voran der Bild-Zeitung. Der überzogene "Jagdtrieb" der Boulevardzeitungen und mancher Ermittler hätten ihn zum "am besten durchleuchteten Politiker" Deutschlands gemacht, sagte Wulff.

Sprungbrett zurück in die Politik?

In den Kommentaren der großen deutschen Zeitungen herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass es Wulff bei seinem Auftritt tatsächlich vor allem um die Wiederherstellung seines Rufs ging. Die Abkehr von der Politik scheint vorerst ernst gemeint und eine Rückkehr auf das politische Parkett unwahrscheinlich. Grundsätzlich würde sich ohnehin die Frage stellen, welche Stelle ein Ex-Bundespräsident und ehemaliger Ministerpräsident im Politikzirkus überhaupt noch einnehmen kann: Eine Rolle als Hinterbänkler im Bundestag scheint für das ehemalige Staatsoberhaupt kaum angemessen.

Zwar gibt es immer wieder Politiker, bei denen auch nach Affären und Rücktritten der Schritt zurück in die Politik gelang. Doch im Fall Wulf hinken alle Vergleiche: So war auch der Grünen-Bundesvorsitzende Cem Özdemir nach dem Bekanntwerden von finanziellen Unregelmäßigkeiten 2002 zunächst zurückgetreten und dann auf die politische Bühne zurückgekehrt. Seine damalige Position als einfaches Bundestagsmitglied ist mit der Wulffs jedoch nicht vergleichbar.

Ähnliches gilt für den bayerischen CSU-Politiker Otto Wiesheu. Bei einem von ihm selbst unter Alkoholeinfluss verursachten Verkehrsunfall war ein Mensch ums Leben gekommen. Dennoch gelang ihm nach dem Rücktritt und Wiedereinstieg sogar der Aufstieg zum bayerischen Verkehrsminister.

Derzeit scheint es am Wahrscheinlichsten, dass Wulff seine berufliche Laufbahn als Rechtsanwalt der Politik auch weiterhin vorziehen wird. Nach dem entlastenden Urteil und seinem Buch sind auch Beraterjobs oder eine Position als Botschafter für verschiedenen Stiftungen wohl nicht mehr ausgeschlossen.

Ganz aus der Öffentlichkeit verschwinden wird Christian Wulff vermutlich dennoch nicht. Denn wenn die Logik der Medien auch in der causa Wulff funktioniert wie bisher, wird er in den kommenden Monaten noch in so manchem Talkshow-Format Gelegenheit haben, seine Sicht der Dinge zu wiederholen. Und dabei vielleicht dem ein oder anderen Politiker vor Augen führen, wie gefährlich die Liebschaften mit Boulevard-Zeitungen ausfallen können.