• Erst das auf Eis gelegte Genehmigungsverfahren für Nord Stream 2, dann die US-Sanktionen wegen des russischen Kriegs in der Ukraine: Das Unternehmen hinter der Gas-Pipeline hat massive Zahlungsschwierigkeiten.
  • Am Dienstag sagte eine Schweizer Politikerin: Das Unternehmen ist zahlungsunfähig und hat allen Mitarbeitern gekündigt.

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Der Betreiber der russischen Pipeline Nord Stream 2 mit Sitz im Schweizer Kanton Zug soll nach Angaben einer Behördenvertreterin vor dem Aus stehen. Beim Sender Blick-TV sprach die Zuger Volkswirtschaftsdirektorin Silvia Thalmann-Gut am Dienstag von "Konkurs". Das Unternehmen reagierte auf Anfragen nicht.

"Nord Stream 2 hat massive Zahlungsschwierigkeiten aufgrund der verhängten Sanktionen", teilte das Departement später auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Aufgrund dessen sei eine Weiterbeschäftigung von 106 Entlassenen nicht möglich. "Das Unternehmen ist zahlungsunfähig und kann daher keinen Sozialplan sicherstellen", sagte Thalmann-Gut im Schweizer Rundfunk SRF.

Tochtergesellschaft von Gazprom

"Offiziell wurde der Konkurs noch nicht angemeldet", hieß es weiter. Ein Konkursverfahren kann in der Schweiz von Gläubigern oder dem Unternehmen selbst eingeleitet werden, "wenn es sich als insolvent betrachten muss", wie das Wirtschaftsministerium auf seiner Webseite schreibt. Die Volkswirtschaftsdirektion eines Kantons entspricht einem Wirtschaftsministerium in einem deutschen Bundesland.

Die kantonale Behörde will nach eigenen Angaben am Freitag berichten, wie der Kanton Zug reagieren werde. Der Schweizer Wirtschaftsminister Guy Parmelin hatte am Montagabend im Fernsehen zunächst von 140 Entlassungen gesprochen.

Nord Stream 2 ist eine Tochtergesellschaft des russischen Gaskonzerns Gazprom und hat ihren Hauptsitz in Zug gut 30 Kilometer südlich von Zürich. Die durch die Ostsee verlegte und fertig gestellte Pipeline sollte russisches Gas nach Deutschland bringen. Die Bundesregierung hatte das Genehmigungsverfahren für Nord Stream 2 angesichts der russischen Eskalation in der Ukraine vergangene Woche auf Eis gelegt. Die USA verhängten Sanktionen gegen die Nord Stream 2 AG und untersagten damit weitere Geschäfte mit dem Unternehmen.

Das von Nord Stream 2 gegründete Schweriner Tochterunternehmen Gas for Europe hat seinen Betrieb zunächst eingestellt. "Aufgrund der Situation bei der Nord Stream 2 AG sind die Aktivitäten der Gas for Europe GmbH gestoppt", sagte ein Sprecher am Dienstag. Das Tochterunternehmen war zuvor gegründet worden, um Vorgaben der Bundesnetzagentur zu erfüllen. (dpa/fab)

Verwendete Quellen:

  • dpa
  • SRF.CH: Konkurs angemeldet: "Nord Stream 2 ist zahlungsunfähig"

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