• Russland greift weiter Ziele in der Ukraine an.
  • Die Verhandlungen über einen Waffenstillstand stocken.
  • Die russischen Streitkräfte zielen laut Kreml auf die Einnahme großer Städte, nach Pentagon-Angaben kommen sie vor Kiew jedoch kaum voran.

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Die Waffenstillstandsverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine sind erneut ohne greifbare Ergebnisse unterbrochen worden. Nach ukrainischen Angaben sollen sie an diesem Dienstag fortgesetzt werden. Erstmals räumte ein ranghoher Beamter aus dem Apparat von Russlands Präsident Wladimir Putin ein, dass der russische Angriff nicht so verläuft wie geplant. Moskau schließt nun auch die Einnahme großer Städte nicht aus. Kurzzeitig Hoffnung gab es für die verzweifelten Menschen in Mariupol: Erste Zivilisten konnten die belagerte Hafenstadt nach ukrainischen Angaben verlassen.

Russisches Militär kommt vor Kiew nur langsam voran

Nach Einschätzung der US-Regierung kommt das russische Militär beim Vorstoß auf die ukrainische Hauptstadt Kiew nur langsam voran. Ein Gefolgsmann Putins, der Chef der russischen Nationalgarde, Viktor Solotow, erläuterte mit Blick auf den Militäreinsatz: "Ich möchte sagen, dass, ja, nicht alles so schnell läuft, wie man sich das wünschen würde." Er sprach davon, dass sich "Nazisten" hinter Bürgern, in Schulen, Kindergärten und Wohnhäusern verstecken würden.

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UN-Chef Guterres: Atom-Konflikt "im Bereich des Möglichen"

Angesichts der Entwicklung wächst die Sorge vor einer weiteren Eskalation des Krieges. UN-Generalsekretär António Guterres warnte: "Die Aussicht auf einen nuklearen Konflikt, einst undenkbar, ist jetzt wieder im Bereich des Möglichen." In den vergangenen Wochen hatte er den Einsatz von Atomwaffen noch "unvorstellbar" genannt.

Scholz und Erdogan fordern Waffenstillstand

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) forderte bei seinem Antrittsbesuch in der Türkei gemeinsam mit Präsident Recep Tayyip Erdogan einen Waffenstillstand. An Putin richteten sie den Appell: "Halten Sie inne." Scholz betonte: "Mit jedem Tag, mit jeder Bombe entfernt sich Russland mehr aus dem Kreis der Weltgemeinschaft, die wir miteinander bilden."

Russland hat den völkerrechtswidrigen Angriff auf die Ukraine am 24. Februar begonnen. Die militärischen Pläne erläuterte Putins Sprecher Dmitri Peskow am Montag laut Agentur Interfax so: Zu Beginn habe Putin das Verteidigungsministerium angewiesen, von einem sofortigen Angriff auf die Ballungszentren abzusehen. Das Ministerium schließe nun aber nicht aus, die vollständige Kontrolle über große besiedelte Gebiete zu übernehmen. Grund sei, dass "nationalistische Formationen" militärisches Gerät in Wohngebieten platziert hätten.

Unterhändler Russlands und der Ukraine begannen am Montag die neuen Verhandlungen per Video. Bei der Unterbrechung bis Dienstag handele es sich um eine technische Pause für Gespräche in Arbeitsgruppen und eine "Klärung individueller Definitionen", so der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak.

Die Ukraine fordert ein Ende des Krieges und einen Abzug der russischen Truppen. Moskau verlangt, dass Kiew die annektierte Schwarzmeer-Halbinsel Krim als russisches Territorium sowie die ostukrainischen Separatistengebiete als unabhängige Staaten anerkennt und die Ukraine ihre Neutralität erklärt.

Donezk: 20 Menschen sterben bei Raketenangriff

In der ostukrainischen Großstadt Donezk wurden nach Angaben der prorussischen Separatisten mindestens 20 Menschen durch Trümmer einer ukrainischen Rakete getötet. Unter den Opfern seien Kinder. Kiew wies die Vorwürfe am Abend zurück. Es sei "eindeutig eine russische Rakete oder eine andere Art von Munition" gewesen.

Nach ukrainischen Angaben wurde das Gelände der für ihre Frachtmaschinen bekannten Antonow-Flugzeugwerke in Kiew beschossen. Moskau bestätigte am Abend, Russlands Militär habe im Antonow-Werk "ein großes Munitionslager für Mehrfachraketensysteme" zerstört. Heftige Gefechte gab es nördlich und östlich von Kiew. Die Angaben beider Seiten lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Nach mehreren gescheiterten Evakuierungsversuchen gelang offenbar den ersten Zivilisten die Flucht aus Mariupol. Mehr als 160 Privatautos hätten die Stadt am Montag verlassen, teilte der Stadtrat am frühen Nachmittag mit. Ein Konvoi mit Hilfsgütern kam hingegen nicht durch den Belagerungsring - ebenso wenig wie Busse, die mehr Zivilisten in Sicherheit hätten bringen sollen. Die Lage in der eingekesselten Stadt gilt als katastrophal.

Schwangere aus Mariupol nach Angriff gestorben

Wenige Tage nach einem Angriff auf eine Geburtsklinik in Mariupol starben eine schwangere Frau und ihr ungeborenes Kind, wie das ukrainische Außenministerium mitteilte. Ein Foto, das zeigt, wie mehrere Männer die Schwangere auf einer Trage durch den zerstörten Klinikkomplex trugen, hatte weltweit für Aufsehen gesorgt. Auf den Fotos war auch eine zweite Schwangere in einem gepunkteten Schlafanzug zu sehen. Diese Frau hat mittlerweile ein Mädchen zur Welt gebracht, wie Medien berichteten.

Ukraine-Krieg - Butscha
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Chronologie: Wie es zur Eskalation in der Ukraine kam und was seither geschah

Seit sich in der Ukraine vor acht Jahren prowestliche Kräfte durchgesetzt haben, hat sich der Konflikt mit Russland stetig zugespitzt. Jetzt führt Russland landesweit Krieg. Die Chronologie einer Eskalation.

Ein Journalist des US-amerikanischen Senders Fox News wurde in der Nähe der ukrainischen Hauptstadt Kiew verletzt, wie der Sender mitteilte. "Wir haben im Moment nur wenige Details. Er wurde ins Krankenhaus eingeliefert und unsere Teams vor Ort arbeiten daran, weitere Informationen zu sammeln", hieß es.

Fast 150.000 ukrainische Geflüchtete in Deutschland angekommen

Seit dem russischen Angriff haben sich 1,77 Millionen Menschen in Polen in Sicherheit gebracht. Das teilte der Grenzschutz über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Auch die Zahl der Kriegsflüchtlinge in Deutschland nimmt weiter zu. Seit Beginn des Angriffs seien 146.998 Menschen registriert worden, teilte das Bundesinnenministerium mit. Nach UN-Angaben suchten bisher insgesamt rund 2,7 Millionen Menschen aus der Ukraine Zuflucht im Ausland. (Martin Romanczyk/Uta Winkhaus/dpa/ash)