• Die russische TV-Journalistin hatte während der Nachrichten im Staatsfernsehen ein Plakat gegen Russlands Krieg in der Ukraine hochgehalten.
  • Sie war für die Aktion zu einer Geldstrafe verurteilt worden.
  • Jetzt legte Marina Owssjannikowa noch einmal nach in einem Interview mit dem US-Sender ABC.

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Die russische TV-Journalistin, die während der Nachrichten im Staatsfernsehen mit einem Plakat gegen Russlands Krieg in der Ukraine protestiert hat, hat ihre Landsleute zu kritischem Denken aufgerufen. Marina Owssjannikowa zeigte sich am Sonntag bei einem Interview per Videoschalte mit dem US-Sender ABC zugleich überzeugt davon, dass eine Mehrheit der Russen gegen den von Kremlchef Wladimir Putin angeordneten Angriffskrieg sei. "Die Menschen in Russland sind wirklich gegen den Krieg. Es ist Putins Krieg, nicht der Krieg des russischen Volkes."

Owssjannikowa sagte einer ABC-Übersetzung zufolge, nach dem Angriff auf die Ukraine habe sie weder schlafen noch essen können. Was in ihrem Sender gezeigt worden sei, "war sehr anders als das, was in Wirklichkeit passierte". Mit ihrer Aktion habe sie der Welt zeigen wollen, "dass Russen gegen den Krieg sind". Zugleich habe sie ihren Landsleuten deutlich machen wollen, dass sie angesichts der Propaganda "kritisch denken und die Informationen, die ihnen präsentiert werden, kritisch analysieren müssen".

30.000 Rubel Strafe für einen riskanten Protest

Die Redakteurin des russischen Staatsfernsehens hatte am Montagabend in den Hauptnachrichten des Ersten Kanals ein Protestplakat gegen den Krieg in der Ukraine in die Kamera gehalten. Auf dem Plakat war auch zu lesen, dass die Zuschauer "hier belogen" werden. Zudem bezeichnete Owssjannikowa den russischen Angriff auf die Ukraine in einem separat aufgenommenen Video als Verbrechen. In russischen Staatsmedien ist es untersagt, von einem Krieg zu sprechen. Die Staatsführung nennt das Vorgehen im Nachbarland eine "militärische Spezialoperation" zur "Entmilitarisierung" und zur "Entnazifizierung" der Ukraine.

Owssjannikowa war für ihre Aktion bereits am Dienstag zu einer Geldstrafe von 30.000 Rubel (rund 226 Euro) verurteilt worden. Möglicherweise droht ihr aber noch eine weitere Strafe: Es seien Ermittlungen wegen der angeblichen Verbreitung von Lügen über Russlands Streitkräfte aufgenommen worden, meldete die Staatsagentur Tass unter Berufung auf eine Quelle bei den Ermittlungsbehörden. Befürchtet wurde, dass Owssjannikowa nach dem neuen Mediengesetz belangt werden könnte, das bis zu 15 Jahre Haft vorsieht. (best/dpa)