In der Schweiz werden verhältnismäßig viele russische Agenten vermutet - unter dem Deckmantel der Diplomatie. Das teilt der Nachrichtendienst des Bundes mit. Er geht davon aus, dass ein Drittel der russischen Bediensteten Spione sind.

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Die Schweiz ist eine Hochburg für russische Agentinnen und Agenten - davon geht der schweizerische Nachrichtendienst des Bundes (NDB) aus.

"Europaweit gehört die Schweiz auch aufgrund ihrer Rolle als Gaststaat internationaler Organisationen zu den Staaten, in denen am meisten russische Nachrichtendienst-Angehörige unter diplomatischer Tarnung eingesetzt werden", berichtete der NDB am Montag in seinem Lagebericht "Sicherheit Schweiz 2023". Genf in der Westschweiz ist der europäische Sitz der Vereinten Nationen. Dort haben zahlreiche UN-Sonderorganisationen ihren Hauptsitz.

NDB-Chef Dussey: Ein Drittel der russischen Bediensteten ist für deren Nachrichtendienst tätig

"Von den rund 220 Personen, die an den russischen Vertretungen in Genf und Bern als diplomatisches oder technisch-administratives Personal akkreditiert sind, sind vermutlich nach wie vor mindestens ein Drittel für den russischen Nachrichtendienst tätig", sagte NDB-Direktor Christian Dussey. Während andere Staaten als Diplomaten getarnte russische Nachrichtendienstangehörige ausgewiesen hätten, sei die Zahl in der Schweiz stabil geblieben.

Der NDB bezeichnet die Bedrohung der Schweiz durch Spionage als hoch. "Sie geht nach wie vor hauptsächlich von staatlichen Akteuren und insbesondere von den Nachrichtendiensten Russlands und Chinas aus."

China habe deutlich weniger als Botschaftsangehörige getarnte Agentinnen und Agenten in der Schweiz. Wahrscheinlich setzten chinesische Nachrichtendienste stärker auf andere Verschleierungsarten. "Ihr Personal tarnt sich vor allem als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Journalistinnen und Journalisten oder Geschäftsleute", so der Bericht. (dpa/ank)

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