• Zum zweiten Mal wollen sich Unterhändler Russlands und der Ukraine treffen.
  • Auch am siebten Tag des Krieges gehen die russischen Angriffe weiter.
  • Die USA und die EU verschärfen ihre Strafmaßnahmen.

Mehr Fußballthemen finden Sie hier

Eine Woche nach Beginn des Angriffs Russlands auf die Ukraine stehen nach Angaben beider Seiten neue Verhandlungen bevor. Der Leiter der russischen Delegation, Wladimir Medinski, sagte der Agentur Ria Nowosti am Mittwochabend, eine mögliche Waffenruhe sei Thema bei den für Donnerstag geplanten Verhandlungen. Die Agentur Interfax hatte ihn zuvor mit den Worten zitiert, die ukrainische Delegation sei auf der Anreise. Auch die ukrainische Seite hatte bevorstehende Gespräche bestätigt.

Es wäre die zweite Verhandlungsrunde seit dem Einmarsch russischer Truppen in das Nachbarland am Donnerstag voriger Woche. Vor den möglichen Verhandlungen forderte das ukrainische Außenministerium Russland zu einer Feuerpause in den östlichen Regionen Charkiw und Sumy auf, um Zivilisten in Sicherheit bringen zu können.

Der Sprecher Putins, Dmitri Peskow, unterstrich die Forderungen Russlands: Die Regierung in Kiew müsse die "Volksrepubliken" Luhansk und Donezk sowie Russlands "Souveränität" über die Schwarzmeer-Halbinsel Krim anerkennen. Zudem fordert Russland eine "Demilitarisierung" der Ukraine.

Russische Angriffe gehen weiter - Hafenstadt Mariupol meldet Dauerbeschuss

In der ukrainischen Hauptstadt ist es am Mittwochabend zu neuen Luftangriffen gekommen. Nach Angaben des staatseigenen Bahnunternehmens Ukrsalisnyzja schlug ein Geschoss südlich des Hauptbahnhofs ein. "Das Bahnhofsgebäude hielt stand und wurde leicht beschädigt." Zur Zeit des Angriffs sollten Tausende Kinder und Frauen mit Zügen in Sicherheit gebracht werden.

Über mögliche Opfer wurde zunächst nichts bekannt. Ein in sozialen Medien veröffentlichtes Video zeigte Rauch in der Nähe der Gleise aufsteigen. Der Zugverkehr gehe weiter, teilte Ukrsalisnyzja mit. In der Nähe des Bahnhofs liegt das Verteidigungsministerium.

In Kiew wie auch in vielen anderen Städten des Landes wurde am Abend Luftalarm ausgelöst. Die Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko schrieb im Nachrichtenkanal Telegram: "Die Lage ist kompliziert." In der Millionenstadt seien mehrere Explosionen zu hören gewesen. "Mehrere Autos fingen Feuer." Zudem sei eine Polizeistation beschädigt worden. Kämpfe habe es in nördlichen Vororten gegeben.

Die strategisch wichtige ukrainische Hafenstadt Mariupol steht nach Angaben ihres Bürgermeisters Wadym Boitschenko unter russischem Dauerbeschuss. Die Stadt sei über 14 Stunden ununterbrochen angegriffen worden, sagte Boitschenko am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Neben dem Hafen wurden nach Angaben von Behördenvertretern auch zivile Ziele angegriffen, darunter eine Entbindungsstation und eine Schule. 42 Menschen seien verletzt worden.

Es gebe Angriffe auf Gebiete, in denen es "keine militärische Infrastruktur" gebe, sagte der Chef der regionalen Militärverwaltung, Pawlo Kyrylenko. Boitschenko warf der russischen Armee vor, Zivilisten am Verlassen der Stadt hindern zu wollen.

Die russische Armee rückt derzeit von zwei Seiten entlang der Küste am Asowschen Meer vor - von der annektierten Halbinsel Krim und von der russischen Grenze aus. Die Einnahme von Mariupol mit seinen knapp 500.000 Einwohnern und der nahegelegenen Stadt Wolnowacha würde einen Zusammenschluss der russischen Truppen erleichtern.

Seit einer russischen Offensive am Dienstag herrscht in Mariupol und Wolnowacha Stromausfall. In einigen Vierteln von Mariupol war die Stromversorgung bereits seit Freitag zum Erliegen gekommen. Seit Mittwoch kommt für viele Menschen in der Stadt erschwerend die Einstellung des öffentlichen Verkehrs hinzu. Einige Viertel sind damit praktisch abgeschnitten.

UN-Vollversammlung verurteilt Russlands Krieg

In New York stellten sich die meisten Länder der Welt hinter eine Resolution, die den Angriff Russlands auf die Ukraine verurteilt. 141 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen stimmten bei einer Dringlichkeitssitzung der Vollversammlung dafür - weit mehr als bei früheren Konflikten ähnlicher Art. 35 Länder enthielten sich, nur 5 lehnten den Beschluss ab. Als Minimalziel galten 100 Stimmen. Damit machten die westlichen Verbündete vor dem größten UN-Gremium die Isolation Putins sichtbar. Es war erst das elfte UN-Treffen dieser Art in mehr als 70 Jahren und das erste seit Jahrzehnten.

Sowohl die Ukraine als auch Russland berichteten am Mittwoch von militärischen Erfolgen. Das russische Militär erlangte eigenen Angaben zufolge die volle Kontrolle über die seit Tagen umkämpfte südukrainische Stadt Cherson - die Ukraine wies das zurück. Auch die ostukrainische Millionenstadt Charkiw erlebte erneut Angriffe.

Nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums wurden mehr als 5.840 russische Soldaten seit Kriegsbeginn getötet. Dem widersprach das russische Verteidigungsministerium. Nach dessen Angaben wurden bisher 498 russische Soldaten getötet. Zudem seien 1597 Soldaten verletzt worden. Es waren die ersten offiziellen Zahlen dazu aus Russland seit Kriegsbeginn.

Lesen Sie auch: Alle aktuellen Informationen rund um Russlands Krieg gegen die Ukraine im Live-Ticker

Auf ukrainischer Seite habe es bislang 2870 getötete "Soldaten und Nationalisten" sowie etwa 3700 verletzte Menschen gegeben, erklärte das russische Verteidigungsministerium. Die Ukraine hat zu Verlusten der eigenen Armee keine aktuellen Angaben gemacht, sprach zuletzt aber von mindestens 2.000 getöteten Zivilisten. Die Angaben sind nicht unabhängig zu überprüfen. Die UN sprachen zuletzt von 227 getöteten und 525 verletzten Zivilisten.

Die russischen Streitkräfte greifen nach Überzeugung von US-Präsident Joe Biden in der Ukraine gezielt auch Gegenden mit Zivilisten an. Der US-Präsident sagte zudem, es sei noch zu früh zu sagen, ob Russland Kriegsverbrechen begehe. Man verfolge die Entwicklungen aber genau. Nach Angaben der USA feuerten russische Truppen bislang mehr als 450 Raketen auf die Ukraine ab.

Militärische Einschätzung des Westens

Bei einer langfristigen Besatzung der Ukraine müsste sich Russland nach Ansicht des britischen Verteidigungsministers Ben Wallace auf "Jahre des Widerstands" einstellen.

Bundeskanzler Scholz (SPD) sagte bei seinem Besuch in Israel: "Wir werden nicht militärisch eingreifen. Das gilt für die Nato, das wird sie nicht tun, und auch für alle anderen." Auch US-Präsident Biden wiederholte, US-Truppen würden nicht in den Konflikt eingreifen.

Die Türkei verhinderte den Versuch Russlands, weitere Kriegsschiffe durch die türkischen Meerengen ins Schwarze Meer zu bringen, wie Außenminister Mevlüt Cavusoglu mitteilte.

Hunderttausende Menschen aus der Ukraine suchen inzwischen Schutz vor dem Krieg. Bis Dienstag waren nach Angaben der Vereinten Nationen bereits mehr als 835.000 Menschen vor den russischen Angriffen aus dem Land geflohen. Das Bundesinnenministerium zählte zuletzt 5.000 registrierte Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine.

Die USA werden - wie zuvor die EU und Kanada - ihren Luftraum für russische Flugzeuge sperren. Die EU setzte ihre Sanktionen zum Ausschluss sieben russischer Finanzinstitute aus dem Banken-Kommunikationsnetzwerk Swift in Kraft. Die Banken werden keine internationalen Zahlungen mehr vornehmen können. Die größte russische Bank Sberbank sowie die Gazprombank sind nicht betroffen. Die britische Regierung drängt ihre Verbündeten weiterhin zum Ausschluss aller russischen Banken aus dem Kommunikationsnetzwerk Swift.

Wirtschaftliche Folgen - Märkte unter Druck

Die Menschen in Deutschland müssen sich nach Einschätzung der Bundesbank wegen des Kriegs in diesem Jahr auf einen weiteren Anstieg der Verbraucherpreise einstellen. Auch um dem etwas entgegenzuwirken, hat der Bund für 1,5 Milliarden Euro Gas als Reserve für die nächste Zeit gekauft. Als Reaktion auf den Ukraine-Krieg und zur Beruhigung des Ölmarktes gab die Bundesregierung einen Teil der nationalen Ölreserve frei. Die Lage an den internationalen Finanzmärkten bleibt vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine indes angespannt.

Sportler aus Russland und Belarus dürfen trotz des Krieges bei den am Freitag beginnenden Winter-Paralympics in Peking teilnehmen und als neutrale Athleten dabei sein - sie treten also unter der paralympischen Flagge an. Ihre möglichen Erfolge werden nicht in den Medaillenspiegel aufgenommen. (dpa/fra)