• Deutschland rechnet in den nächsten Tagen mit zahlreichen Flüchtlingen aus der Ukraine.
  • Die Länder bereiten sich mit der Bereitstellung von Unterkünften vor und bittet Privatpersonen, ihre Quartierangebote zu hinterlegen.

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In Sachsen-Anhalt sind die ersten Flüchtlinge aus der Ukraine angekommen. So trafen beispielsweise in Halberstadt am frühen Montagmorgen 21 Menschen ein, wie der Landkreis Harz mitteilte. Die zehn Kinder, sechs Frauen und fünf Männern seien per Bus von einem Privatmann direkt von der polnisch-ukrainischen Grenze abgeholt worden. Sie kamen demzufolge zunächst in einem Hotel unter. Auch andernorts wurden Menschen nach ihrer Flucht aus der Ukraine aufgenommen, etwa bei Freunden und Verwandten.

Der Lehrer Walodja Pantiv von der Kreismusikschule des Burgenlandkreises schilderte während einer Video-Pressekonferenz sichtlich mitgenommen das Schicksal seiner Angehörigen in der Ukraine. "Ich weiß nicht, wann dieser Wahnsinn zu Ende geht. Zerstörung und Leid erfassen alle Gebiete", sagte er. Zugleich dankte er den Menschen in Deutschland für die Solidarität mit seinem Volk.

Wohnraum für Flüchtlinge dringend gesucht

Unterdessen laufen auch in weiteren Landkreisen sowie Städten und Gemeinden, bei Hilfsorganisationen, Verbänden, Vereinen und privaten Initiativen die Vorbereitungen auf Hochtouren, um Menschen aus dem Kriegsgebiet in Deutschland unterzubringen und zu unterstützen. Erste Vermieter boten Wohnraum an. Behörden riefen zudem dazu auf, auch privat Unterkünfte für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen.

In Naumburg wird es in einem ehemaligen Seniorenheim und in einem Hotel zunächst rund 200 Plätze geben, sagte Landrat Götz Ulrich (CDU). Drei Reisebusse mit je 45 Plätzen stünden im Landkreis jederzeit zur Abfahrt bereit, um Flüchtlinge von der polnisch-ukrainischen Grenze abzuholen. Sechs Busfahrer hätten sich bereiterklärt, diese Fahrten zu übernehmen.

In Sachsen-Anhalt wurden zudem Spendenkonten und Annahmestellen für Sachspenden eingerichtet, Betreuer, Helfer für Übersetzungen, medizinische Begleitung oder Behördengänge gesucht. Unklar ist nach Angaben der Behörden, wie viele Menschen kommen werden. "Die Welle der Hilfsbereitschaft ist unwahrscheinlich groß", sagte eine Sprecherin der Freiwilligen-Agentur in Halle. Es gehe jetzt darum, die Angebote zu sammeln, sichten und an Hilfsorganisationen sowie Initiativen zu vermitteln.

Aufenthalt in Deutschland 90 Tage ohne Visum möglich

Laut Bundesinnenministerium haben in den vergangenen Tagen 1.800 aus dem Kriegsgebiet in der Ukraine geflohene Menschen Deutschland erreicht. Dabei handelt es sich nach Angaben aus Sicherheitskreisen hauptsächlich um Ukrainer, aber auch einige Menschen aus anderen Staaten, beispielsweise ausländische Studenten.

Menschen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit können sich seit 2017 ohne Visum 90 Tage lang in EU-Ländern aufhalten - in welches Land sie gehen, bleibt damit ihnen überlassen. Nach Ablauf der 90 Tage kann die Aufenthaltsdauer in Deutschland nochmals um 90 Tage verlängert werden. Auch ein Asylantrag ist möglich.

Als Zeichen der Solidarität mit den Menschen im Kriegsgebiet in der Ukraine und deren Angehörigen wurden die Sachsen-Anhalter aufgerufen, sich unter Einhaltung der Corona-Maßnahmen an Aktionen wie Mahnwachen und Kundgebungen zu beteiligen. In Naumburg ist am Dienstagabend auf private Initiative hin eine Friedenskundgebung geplant, wie Landrat Götz Ulrich mitteilte. Diese werde vom Kreis, der Stadt, dem Deutschen Gewerkschaftsbund, von Kirchen und Initiativen, die sich für Demokratie engagieren, unterstützt. (dpa/ncs)

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